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Prozessintensivierung

Kompaktanlagen im Containerformat schaffen mithilfe von Prozessintensivierung die Anlagenplattform der Zukunft

| Redakteur: Anke Geipel-Kern

Wie macht man Chemie schneller und beschleunigt die Produkteinführung? Im Rahmen des Copiride-Projekts ist ein Container-Konzept entstanden, das Antworten auf diese Frage gibt. Prozessintensivierung hilft dabei.

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Öffnet man neue Prozessfenster sind Anlagenkonzepte denkbar, durch deren Einsatz die Zeit von der Produktentwicklung bis zum Produktionsprozess halbiert werden kann. (Bild: Evonik)
Öffnet man neue Prozessfenster sind Anlagenkonzepte denkbar, durch deren Einsatz die Zeit von der Produktentwicklung bis zum Produktionsprozess halbiert werden kann. (Bild: Evonik)

Der Gegensatz könnte größer nicht sein: Während in China und dem Nahen Osten Chemieparks der Superlative entstehen, wo sich World Scale-Anlagen wie die Skyline New Yorks aneinander reihen, diskutieren in Europa Arbeitsgruppen über Produktionskonzepte, die Chemiebetriebe auf Garagengröße schrumpfen lassen. Die Frage, wie die europäische und hier vor allem die deutsche Chemie vor dem wachsenden Druck der asiatischen und arabischen Konkurrenz schneller und effizienter wird, treibt die Entwicklung neuer, intelligenter Produktionskonzepte voran – welches davon die Feuertaufe in der Praxis übersteht, ist noch offen.

Gute Chancen dabei zu sein hat jedenfalls das Team des Copiride-Projektes, dessen Teilnehmer sich im Oktober 2009 zum Kick-off-Meeting in Mainz am Institut für Mikrotechnik trafen. Die hochmotivierte Truppe setzt sich aus insgesamt 16 europäischen Unternehmen und Hochschulen zusammen, die in den nächsten dreieinhalb Jahren mithilfe von Prozessintensivierung und Mikroreaktionstechnik eine neue kontinuierlich arbeitende Anlagenplattform entwickeln wollen.

Wichtiges Stichwort sind in dem Zusammenhang die neuen Prozessfenster, die Copiride öffnen will. Damit soll Chemie schneller, nachhaltiger und Rohstoff-effizienter werden. „Ganz konkret geht es um die Entwicklung von Kompaktanlagen im Containerformat“, präzisiert Dr. Jürgen Lang, (Verfahrenstechnik und Engineering) der für Evonik das Projekt begleitet, „sowie um das Ziel, den Entwicklungsprozess von der Produktidee bis zum endgültigen Produktionsprozess zu halbieren“.

Das Team hat bereits einen entscheidenden Schritt gemacht: Copiride baut nämlich auf einem bestehenden Prototypen auf, den Evonik als Evotrainer bezeichnet – ein Kunstbegriff, der sich aus Evonik und Trainer zusammensetzt.

Die zweite Generation

Evonik verfolgt mit dem Evotrainer ein Produktionskonzept, das die Infrastruktur in den Mittelpunkt stellt, und will damit eine Anlage, die „mit dem Markt wächst“ und dabei schnell und kostengünstig ist. Berechnungen zufolge macht die Infrastruktur eines Chemiebetriebs immerhin rund die Hälfte der Investitionskosten aus. Wobei Lang preiswert nicht mit billig gleichgesetzt wissen will. „Wir verwenden Bauteile hoher Qualität, aber wir streben Multifunktionalität an. So kann eine Rohrleitung gleichzeitig eine Halterung sein oder für Stabilität sorgen.“

Mittlerweile steht im Industriepark Hanau-Wolfgang bereits die zweite Evotrainer-Generation. Während die Vorgängermodelle nicht viel mehr waren als Reaktormodule mit der entsprechenden Sicherheitstechnik drum herum, beherbergen die Weiterentwicklungen einen Chemiebetrieb im Miniaturformat. „Wir haben in den vergangenen Jahren mehrere Ausbaustufen realisiert und immer wieder Module aufgenommen und verbessert“, sagt Lang. Optisch ist der Container alles andere als spektakulär: ein drei mal sieben Meter großer Quader, in dezentem Grau gehalten. Dafür hat es das Innere in sich.

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