Carbon2Chem Klimaneutral ohne E-Motor? Dieses Auto fährt mit Methanol!

Redakteur: Dominik Stephan

Autofahren ohne Emissionen - das versprechen nicht nur batterie-elektrische Antriebe: Auch synthetische Kraftstoffe, hergestellt mittels "grünem" Strom, sollen helfen, das Auto klimaneutral zu machen. Mit dabei: Das Projekt Carbon2Chem, das an der Umwandlung von Industrieabgasen zu Roh- und Brennstoffen arbeitet - und das brachte im September 2021 ein erstes Versuchsfahrzeug auf die Straße.

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Bundesforschungsministerin Anja Karliaczek hat Ende September den Prototypen eines Autos vorgestellt, das mit synthetischem Methanol angetrieben werden kann. Grundlage dieses Kraftstoffes ist Grüner Wasserstoff, einer der wichtigsten Grundbausteine für den klimaschonenden Umbau von Schlüsselindustrien in Deutschland und der Welt, und CO2, das aus Industriabgasen entnommen werden kann.
Bundesforschungsministerin Anja Karliaczek hat Ende September den Prototypen eines Autos vorgestellt, das mit synthetischem Methanol angetrieben werden kann. Grundlage dieses Kraftstoffes ist Grüner Wasserstoff, einer der wichtigsten Grundbausteine für den klimaschonenden Umbau von Schlüsselindustrien in Deutschland und der Welt, und CO2, das aus Industriabgasen entnommen werden kann.
(Bild: BMBF/Hans-Joachim Rickel)

Die PS, heißt es in der Diskussion um Nachhaltigkeit und klimaneutrale Rohstoffe immer wieder, müssten auf die Straße: Unter diesem Motto hätte die Präsentation eines Auto-Prototypen im September 2021 in Berlin durch Bundesforschungsministerin Anja Karliaczek stehen können. Doch der eigentliche Clou war gar nicht das Fahrzeug, sondern der Antrieb: Synthetisches Methanol, hergestellt mittels Abgasen und grünem Wasserstoff, soll eine emissionsneutrale Fahrt ermöglichen.

"Klimaschutz gelingt nur mit Grünem Wasserstoff. Deshalb unterstützen wir die Forschung zur Nutzung des Grünen Wasserstoffs schon heute massiv, wobei in den nächsten Jahren die Anstrengungen noch einmal erhöht werden müssen", erklärte dementsprechend die Ministerin. "Gerade in Industrie und Verkehr werden wir auch in Zukunft chemische Energieträger brauchen. Und: Nicht alle Industrieprozesse lassen sich völlig dekarbonisieren. Es wird weiter CO2 anfallen. Dafür brauchen wir Lösungen."

Wie diese aussehen könnten, zeigt etwa das Projekt Carbon2Chem, das die Reduzierung von CO2-Emission in der Stahlindustrie zum Ziel hat und vom BMBF bislang mit 145 Millionen Euro gefördert wurde. Das 2016 gestartete Vorhaben nutzt die CO2-haltigen Hüttengase des Stahlwerks um, zusammen mit "grünem" Elektrolyse-Wasserstoff eine Art Synthesegas zur Herstellung von Basischemikalien und synthetischen Kraftstoffen zu erzeugen. Seit 2020 bereitet Carbon2Chem in einer zweiten Projektphase die industrielle Umsetzung vor, wozu auch der Aufbau entsprechender Wertschöpfungsketten gehört.

Grüner Strom im Tank? Methanol macht's möglich

"In einem globalen Markt für erneuerbare Energie sind kohlenstoffhaltige Energieträger wie Methanol zentrale Bausteine"; ist sich dementsprechend Prof. Robert Schlögl, Direktor des Max-Planck-Instituts für Chemische Energiekonversion und Carbon2Chem Projektkoordinator sicher. "Das vorgestellte Konzept des seriellen Hybridantriebs vereinigt die Vorteile des effizienten Elektroantriebes und des energiedichten und einfach zugänglichen synthetischen Kraftstoffes Methanol."

Das im August 2021 ergänzte Arbeitspaket zum Methanol-Auto fokussiert auf die Verwertung eines der Hauptprodukte von Carbon2Chem. Dafür wird ein Konzept für einen seriellen Hybrid-Antrieb u. a. für Automobile weiterentwickelt, optimiert und als Demonstrator umgesetzt. Die Obrist DE GmbH arbeitet hierfür mit der TU München, der TU Dresden und der RWTH Aachen in einem mit knapp 10 Mio. Euro geförderten Arbeitspaket an entsprechenden Verfahren.

Frank Wolf, CEO der Obrist-Group, ergänzt: "Unser Hyperhybrid powertrain, dessen Zero-Vibration-Generator mit grünem Methanol Strom erzeugt, ist eine wesentliche Innovation für eine global einsetzbare, leistbare und emissionsneutrale e-Mobilität - eben ein Auto mit grünem, flüssigem Strom im Tank!"

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