Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.
Berlin (dpa) *10:55 Uhr – Reiche will bei Gaskraftwerken auf Norden und Osten zugehen
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will im Streit um eine Benachteiligung des Nordens und Ostens beim Bau neuer Gaskraftwerke einlenken. Bei den Gesetzesplänen zur Sicherung der Stromversorgung zeichnet sich ab, dass der sogenannte Südbonus für südlichere Bundesländer nicht mehr in der bisherigen Form gelten soll. Geplant sind Verbesserungen zugunsten von Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen. Darauf deutet ein Änderungsantrag der schwarz-roten Koalition hin, welcher der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zuvor berichtete die «Märkische Allgemeine».
Bisher sollten bis zu zwei Drittel der ausgeschriebenen Kraftwerks-Kapazitäten vorrangig in den «netztechnischen Süden» gehen. Dies umfasst die Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland. Nach dem neuen Vorschlag soll der Südbonus erst greifen, wenn ein Drittel der Zuschläge in den Norden und Osten gegangen sind.
Die Energieunternehmen Leag in Brandenburg und Mibrag in Sachsen und Sachsen-Anhalt und die Industriegewerkschaft BCE hatten die Bundesregierung aufgefordert, den Gesetzentwurf nachzubessern. Der Bundesrat hatte im Juni einem Änderungsvorschlag von Sachsen mit Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt zugestimmt. Neue Gaskraftwerke sollen im Zuge des bis 2038 geplanten schrittweisen Kohleausstiegs die Versorgungssicherheit mit Strom gewährleisten und künftig als eine Art Reserve einspringen.
Wiesbaden (dpa) *08:55 Uhr – Auftragseingang legt stärker als erwartet zu
Hoffnungsschimmer für die angeschlagene deutsche Industrie: Nach dem Rückschlag im April hat der Auftragseingang im Mai wieder zugelegt. Der Anstieg fiel zudem deutlich höher aus als von Experten erwartet. Die Aufträge stiegen im Mai im Vergleich zum Vormonat saison- und kalenderbereinigt um 1,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Montag in Wiesbaden mitteilte.
Von Bloomberg befragte Volkswirte hatten lediglich mit einem Plus von etwas mehr als einem Prozent gerechnet. Zudem fiel der April-Rückgang aktuellen Daten zufolge nicht so stark aus, wie zunächst angenommen.
Die Statistiker revidierten den Rückgang von 3,8 Prozent auf 3,2 Prozent. Im Mai profitierte die Industrie unter anderem von Großaufträgen. Ohne die Berücksichtigung dieser Orders sei der Auftragseingang um 1,0 Prozent im Vergleich zum Vormonat gestiegen.
Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, kommentiert zurückhaltend:
«Für die deutsche Wirtschaft sind es derzeit keine einfachen Zeiten.
Der Automobilbau muss sich gesundschrumpfen, worunter viele nachgelagerte Industrien leiden. Darunter insbesondere der Maschinenbau. Letzterer kann zwar im Mai einen positiven Auftragseingang verbuchen, doch das übergeordnete Bild schaut betrüblich aus.»
05.07.2026
Wien (dpa) *14:53 Uhr – Opec+ will mehr Öl in den Markt pumpen
Das Ölkartell Opec+ will mehr Öl in den Markt pumpen. Im August werde die Produktion um täglich 188.000 Barrel (je 159 Liter) ausgeweitet, teilte eine Kerngruppe aus sieben Staaten mit. Zugleich behielten sich die Länder vor, den Produktionszuwachs je nach Marktsituation zu beschleunigen, auszusetzen oder rückgängig zu machen, hieß es. Schon in den vergangenen Monaten hatte die Opec+ den Ölhahn moderat weiter aufgedreht. Auf aktuelle Entwicklungen wie die Lage in der Straße von Hormus gingen die Staaten nicht ein.
Der Kerngruppe der Opec+ gehören Saudi-Arabien, Russland, Irak, Kuwait, Kasachstan, Algerien und der Oman an. Der tägliche globale Bedarf an Öl liegt bei rund 100 Millionen Barrel. Die Gruppe will am 2. August über ihre weitere Förderpolitik beraten.
Nach Bekanntwerden des Verkaufs der Continental-Kunststofftechniksparte Contitech an den Finanzinvestor Lone Star Funds hat die IGBCE Widerstand gegen mögliche weitere Stellenstreichungen angekündigt. Man setze auf Dialog mit dem neuen Eigentümer, sollte es aber Pläne eines weiteren Arbeitsplatzabbaus über die beschlossene Größenordnung hinaus geben, werde das auf «entschiedenen Widerstand» stoßen, sagte Francesco Grioli, Mitglied des Continental-Aufsichtsrats und des geschäftsführenden Hauptvorstands der Industriegewerkschaft.
Stand: 08.12.2025
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Der Reifenhersteller Continental hatte im Mai angekündigt, bei der Kunststofftechnik-Tochter Contitech weltweit 3.000 Stellen abzubauen, davon 1.600 in Deutschland. Betriebsbedingte Kündigungen sollen bis mindestens Ende 2030 vermieden werden, teilte die IGBCE damals mit.
Noch steht der Verkauf an den Finanzinvestor unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen. Im nun unterzeichneten Kaufvertrag wurde ein Unternehmenswert von vier Milliarden Euro vereinbart, der Verkauf kann laut Continental bis Ende des laufenden Jahres erfolgen. Damit wird Continental zu einem reinen Reifenhersteller. Contitech liefert unter anderem Schläuche, Antriebsriemen und Förderbänder für die Industrie. Zuletzt beschäftigte die Sparte mehr als 20.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit, davon etwa 7.700 in Deutschland.
Hamburg (dpa/lno) *00:08 Uhr – Salzsäure in Müllverbrennungsanlage ausgetreten
In einer Hamburger Müllverbrennungsanlage ist Salzsäure ausgetreten. Durch die Hitze in der Anlage habe sich dann zwischenzeitlich Dampf gebildet, der am Samstag aus der Halle im Stadtteil Altenwerder nach draußen gezogen sei, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Die Polizei hatte deshalb den Schiffsverkehr an der Köhlbrandbrücke vorübergehend eingestellt.
Die Flüssigkeit selbst sei in der Halle geblieben und nicht in die Umwelt gelangt. Verletzt wurde den Angaben zufolge niemand. Wie viel Salzsäure und wo genau die Chemikalie in der Halle ausgetreten war, blieb zunächst unklar.
Am späten Abend dauerte der Einsatz der Feuerwehr noch immer an.
Gefahr für die Bevölkerung bestehe aber nicht, betonte der Sprecher.
Messungen hätten bislang keine Auffälligkeiten gezeigt. Zudem liege die Müllverbrennungsanlage in einem Industriegebiet, wo keine Menschen wohnen.
Trotz des Iran-Kriegs ist der Anteil des über die deutschen LNG-Terminals eingeführten Erdgases am Gesamtimport weiter gestiegen. Nach Zahlen der Bundesnetzagentur (BNetzA) kamen im ersten Halbjahr rund 12 Prozent über die Terminals an Nord- und Ostsee. 2025 lag der Anteil früheren Angaben zufolge bei rund 10 und 2024 bei 8 Prozent. Insgesamt wurden laut BNetzA rund 551 Terawattstunden (TWh) Gas importiert. Als verflüssigtes Erdgas (LNG) per Schiff kamen demnach rund 67 Terawattstunden an. Im ersten Halbjahr 2025 waren es laut früheren BNetzA-Angaben rund 39 Terawattstunden (von rund 491 TWh Gesamtimporten). Der Iran-Konflikt hatte die LNG-Produktion in Katar und den Handelsweg durch die Straße von Hormus stark gedrosselt. Durch die Meerenge werden normalerweise 20 Prozent des weltweiten Flüssigerdgases transportiert.
Die BNetzA erklärte aber: «Gas vom Persischen Golf spielt für die deutsche Versorgung keine wesentliche Rolle, da Deutschland seine LNG-Lieferungen aktuell aus den USA bezieht.» Trotz der Ausfälle der insbesondere katarischen LNG-Mengen habe zudem die weltweite LNG-Verflüssigungsmenge im Mai 2026 bereits wieder das Vorjahresniveau erreicht beziehungsweise sogar leicht übertroffen. Ganz ohne Folgen bleibt der Konflikt für die hiesigen Terminals aber dennoch nicht. «Seit der Beeinträchtigung der Schifffahrt im Zusammenhang mit dem Konflikt im Nahen Osten gab es im internationalen LNG-Handel tiefgreifende Veränderungen», sagte etwa ein Sprecher der Deutschen Regas, die das Rügener LNG-Terminal in Mukran betreibt. «Internationale Gashändler haben für Europa vorgesehene Lieferungen nach Asien umgeleitet.» Davon sei auch das eigene Terminal betroffen gewesen.
Die bundeseigene Deutsche Energy Terminal Gesellschaft (DET) betreibt inzwischen drei Terminals an der Nordseeküste: zwei in Wilhelmshaven und eines in Brunsbüttel. Über alle drei Terminals gerechnet lag die Auslastung laut DET im ersten Halbjahr bei rund 72 Prozent und damit höher als im ersten Halbjahr 2025 (rund 63 Prozent). Nur sehr wenige Lieferungen seien infolge der Konkurrenz mit dem asiatischen Markt abgesagt worden.
Nachdem das deutsche Ostsee-Terminal zeitweise jenes mit der größten Einspeisung war, verzeichneten im ersten Halbjahr die Nordsee-Terminals jeweils eine höhere Einspeisung. Das geht aus Daten von Europas Gasinfrastruktur-Betreibern (GIE) hervor, auf die auch die BNetzA verweist. Demzufolge kamen über die DET-Terminals im ersten Halbjahr rund 54 und über das Rügener Terminal rund 13 Terawattstunden. Beide Betreiber planen den Ausbau ihrer Kapazitäten. Die DET will im September mit einem weiteren schwimmenden Terminal im niedersächsischen Stade ans Netz gehen. Die Deutsche Regas will in Mukran zusätzlich zu dem vorhandenen Terminalschiff ein zweites stationieren. Das Unternehmen ließ aber offen, wann.
Die Bundesregierung hatte den Aufbau von LNG-Terminals an Nord- und Ostsee nach dem russischen Angriff auf die Ukraine forciert, um unabhängiger von russischen Gaslieferungen zu werden. Zuvor verfügte Deutschland nicht über solche Terminals, mit denen per Schiff geliefertes verflüssigtes Erdgas angelandet werden kann, und bezog sein Gas nur über Pipelines, vor allem aus Russland. Mittlerweile kommt das meiste Erdgas per Pipeline aus Norwegen.