Drei Fragen an den Event-Beirat des Smart Process Manufacturing Kongresses Industrie 4.0 funktioniert nur mit der Digitalen Anlage

Redakteur: Anke Geipel-Kern

Digitalisierung ist vor allem ein Change-Thema, sagt Michael Höchel, der als Direktor Digital Plant bei der BASF die Digitalisierung der Anlagenplanung begleitet. Die Digitale Anlage ist dabei ein Baustein, welche die Chemiebranche einen großen Schritt in Richtung Industrie 4.0 bringt. Auch deshalb ist der Smart Prozess Manufacturing Kongress in diesem Jahr ein Muss für alle, die digitale Projekte in ihrem Unternehmen voranbringen wollen.

Firmen zum Thema

Michael Hoechel ist Direktor Digital Plant bei BASF und Beiratsmitglied des Smart Process Manufacturing Kongresses.
Michael Hoechel ist Direktor Digital Plant bei BASF und Beiratsmitglied des Smart Process Manufacturing Kongresses.
(Bild: BASF)

Herr Höchel, warum braucht die Prozessindustrie ihren eigenen Weg zu Industrie 4.0?

Höchel: Im Vergleich zur Fertigungsindustrie gibt es sicherlich Parallelen, jedoch vor allem aus technologischer Sicht auch deutliche Unterschiede. Die Entstehung chemischer Produkte ist letztendlich „Chemie“ – digitalisierbar sind somit nur die Prozesse um die eigentliche Synthese herum, jedoch nicht die Synthese an sich. IT-Systeme und dazugehörige Lieferanten sind häufig auch branchenspezifisch. Speziell im Segment der Engineering-Systeme bzw. Engineeringdaten sehen wir wenig branchenübergreifende Anwendungen. Da wir im Vergleich zur Fertigungsindustrie später einsteigen, bleibt uns nur ein eigener Weg. Parallelen und Lessons Learned der Fertigungsindustrie sollten wir nutzen. Von entsprechenden Kollegen der Fertigungsindustrie durfte ich lernen, dass Digitalisierung im Kontext „Werkzeuge – Strukturen – und vor allem Prozesse“ gestaltet und vor allem als Change-Thema verstanden werden muss.

Welche Rolle spielt dabei die Digitale Anlage?

Höchel: Die Digitale Anlage verstehen wir als Grundlage vieler Anwendungsmöglichkeiten – als „enabler“ wichtiger Zukunftsthemen wie z.B. Augmented Reality. Gleichzeitig gelingt es uns über erste praktische Anwendungsfelder der Digitalen Anlage, die Anwender mitzunehmen – wichtiger Aspekt im Change Management. Mit jedem Schritt zur Durchdringung des Anlagenlebenszyklus erschließen sich neue Möglichkeiten.

Wie kann ein Übergang von der Industrie 3.0 zu 4.0 in einer Anlage der Prozessindustrie aussehen?

Höchel: Wichtige Voraussetzung für den Übergang ist eine entschlossene Haltung, Mut zur Veränderung auch bei offenem Ausgang und unklarem Weg und konsequentes Change Management. Technologische Übergänge sind gestaltbar, wenn die genannten Voraussetzungen gegeben sind.

Der Smart Process Manufacturing Kongress begleitet den digitalen Transformationsprozess der Prozessindustrie. Er ist die Netzwerk-Plattform für Fach- und Führungskräfte der Ausrüster- und Betreiberindustrien zum Thema Digitalisierung.

Die Digitalisierung der Prozessindustrie nimmt verstärkt Fahrt auf: Chemiebranche, Verbände und Zulieferindustrien diskutieren über Konzepte und den richtigen Weg in die digitale Zukunft. Erste Konzeptpapiere zeigen: Die Rolle der digitalen Anlage im gesamten Anlagenlebenszyklus wird noch wichtiger als bisher, aber es gibt viele weitere Aspekte, die an Bedeutung gewinnen.

Der Kongress greift diese Aspekte in drei Fokusthemen auf:

  • Digitalisierung im Anlagen-Life-Cycle
  • Mit modularem Anlagenbau zur flexiblen Produktion
  • Auf dem Weg zur Prozessindustrie 4.0

Der Smart Process Manufacturing Kongress entwickelte sich aus dem Digital Plant Kongress, den PROCESS sechs Jahre lang erfolgreich durchführte. Seit dem 18. Oktober 2011 war der Kongress die jährliche Anlaufstelle für das Thema „Digitale Anlage“ und widmet sich ab 2017 in der gesamten fachlichen Breite der digitalen Zukunft der Prozessindustrie.

(ID:44888654)