Newsticker April: Aktuelles aus der ProzessindustrieHessens Chemie schrumpft – Produktion ein Drittel unter 2021
Quelle: dpa
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Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.
Beim Göttinger Labor- und Pharmazulieferer Sartorius setzt sich die jüngste Erholung auch zu Jahresbeginn fort. In den ersten drei Monaten bis Ende März stieg der Umsatz um 1,8 Prozent auf 899,1 Millionen Euro, teilte das im MDax notierte Unternehmen in Göttingen mit. Bereinigt um Wechselkurseffekte lag das Plus bei 7,5 Prozent.
«Wie erwartet verläuft das Geschäft mit Anlagen und Instrumenten weiterhin verhalten, sollte sich aber in den kommenden Quartalen dieses Übergangsjahres verbessern. Gleichzeitig verzeichnet die Laborsparte wieder Wachstum», sagte Vorstandschef Michael Grosse laut Mitteilung.
Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen stieg in den ersten drei Monaten konzernweit um 1,6 Prozent auf 267,3 Millionen Euro. Unter dem Strich verdiente Sartorius mit 56,2 Millionen Euro 16 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. «Unsere Marge hat sich im ersten Quartal trotz geopolitischer Spannungen, anhaltender makroökonomischer Unsicherheiten und Gegenwind durch Zölle robust gezeigt», sagte Grosse.
Sartorius hatte in der Corona-Pandemie von einer starken Nachfrage etwa für die Produktion von Impfstoffen profitiert. Danach litt das Unternehmen aber unter dem Abflauen des Booms und hohen Lagerbeständen bei Kunden, die inzwischen aber abgebaut sind.
Sartorius hatte mit Einsparungen reagiert und Personal abgebaut. Inzwischen wächst die Belegschaft wieder. Das setzte sich auch im ersten Quartal fort: Bis Ende März wuchs die Zahl der Beschäftigten auf weltweit 14.242, das sind 200 mehr als drei Monate zuvor. Die Hälfte des Zuwachses - rund 100 Stellen - entfalle auf Deutschland, fügte Grosse hinzu. Vor allem in der Produktion sei Personal aufgebaut worden, um den Ausstoß zu erhöhen.
Für das Gesamtjahr bestätigte Grosse die im Februar ausgegebene Prognose. So soll der währungsbereinigte Umsatz um rund fünf bis neun Prozent steigen, die operative Rendite auf etwas mehr als 30 Prozent klettern. Im ersten Quartal lag sie noch knapp darunter: 29,7 Prozent.
Russland wird ab dem 1. Mai nach Regierungsangaben in Moskau kein Öl aus Kasachstan mehr durch seine Pipeline Druschba (Freundschaft) nach Deutschland leiten. Das Öl werde über anderen Strecken umgeleitet, sagte der für Energiefragen zuständige Vize-Regierungschef Alexander Nowak der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge. «Dies hängt mit den derzeitigen technischen Möglichkeiten zusammen», erklärte er.
Er habe die kasachische Seite in der vergangenen Woche bei Gesprächen darüber informiert, sagte Nowak. Zuvor hatte der Energieminister des zentralasiatischen Landes, Jerlan Akkenschenow, erklärt, Russland habe den Öl-Transit über die Pipeline Druschba und weiter zur Raffinerie PCK Schwedt in Brandenburg mit Null eingeplant. Er mutmaßte, dass das den mit jüngsten ukrainischen Angriffen auf Anlagen der russischen Ölindustrie zusammenhänge.
Nowak machte auch deutlich, dass Russland kein Interesse habe, hier als Transitland zu fungieren. «Die Deutschen haben auf russisches Öl verzichtet, das heißt, bei ihnen ist alles in Ordnung», sagte er.
Frankfurt/Main (dpa) *12:10 Uhr – Hessens Chemie schrumpft – Produktion ein Drittel unter 2021
Die hessische Chemieindustrie erwartet nach einem schwierigen Jahr 2025 neue Rückschläge durch den Nahost-Krieg. Eine Mehrheit der Unternehmen rechne in den kommenden Monaten mit Stagnation oder sinkenden Geschäften, berichteten der Branchenverband VCI Hessen und der Arbeitgeberverband HessenChemie in Frankfurt. «Der Irankrieg und die deutlich gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten belasten das Chemiegeschäft zusätzlich.»
In einer Verbandsumfrage rechneten 80 Prozent der Firmen mit stagnierender oder sinkender Produktion, 72 Prozent erwarteten rückläufige Umsätze, und 92 Prozent sahen keine Verbesserung ihrer Gewinne. Gut die Hälfte (58 Prozent) erwartete rückläufige Investitionen am Standort Hessen.
Die Chemie leidet seit Jahren unter teurer Energie, Überkapazitäten am Weltmarkt und der schwachen Wirtschaft. Die Branche, die viel Gas und Öl verbraucht, ist vom Anstieg der Energiepreise wegen des Iran-Kriegs besonders betroffen. Öl und Gas spielen in der Chemie zudem eine zentrale Rolle als Ausgangsstoffe etwa für Kunststoffe, Dünger, Medikamente, Lösungsmittel und Kosmetika.
Die chemisch-pharmazeutische Industrie in Hessen, mit gut 55.000 Beschäftigten eine der Schlüsselbranchen im Land, erzielte 2025 einen Umsatz von 30,9 Milliarden Euro - 1,9 Prozent weniger als im Vorjahr.
Stand: 08.12.2025
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Während die Pharmaindustrie den Umsatz leicht auf knapp 18,4 Milliarden Euro steigerte und dabei von Vorzieheffekten im Zollstreit mit den USA profitierte, schrumpfte die Chemie deutlich. Hier sank die Herstellung um gut vier Prozent und der Umsatz um gut sechs Prozent auf 12,5 Milliarden Euro. Seit 2021 sei die Chemie-Produktion in Hessen damit um 31 Prozent zurückgegangen.
Die Verbände forderten ein Handeln der Politik. «Die Sozialabgaben liegen bereits bei 42,3 Prozent - mit steigender Tendenz. Das schwächt unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit», monierte Oliver Coenenberg, Vorstandsvorsitzender von HessenChemie.
Es brauche Reformen bei Rente, Gesundheit und Pflege. Zusätzlicher Kostendruck im Arzneibereich, wie von Gesundheitsministerin Nina Warken geplant, sei ein Problem, kritisierten die Verbände. Neue Belastungen der Pharmabranche würden den Standort schwächen. Zudem müssten die Vorschriften sowie die Energiekosten sinken, der Industriestrompreis könne nur ein erster Schritt sein.