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Bildungseinrichtungen und Industrieunternehmen Hand in Hand – Industrie 4.0 erfordert Zusammenarbeit

| Redakteur: Wolfgang Ernhofer

Neue Technologien erfordern neue Arten der Aus-, Weiterbildung und Zusammenarbeit. Eine wichtige Rolle spielt die Kooperation zwischen Bildungseinrichtungen und Industrieunternehmen. Dr. Stefan Kurtenbach, Technischer Leiter Konstruktion/Forschung & Entwicklung bei Trapo, gibt im Interview einen Einblick, wie es funktionieren kann.

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Stefan Kurtenbach hat Maschinenbau in Aachen studiert und promovierte dort. Seit Mai 2017 ist er bei Trapo.
Stefan Kurtenbach hat Maschinenbau in Aachen studiert und promovierte dort. Seit Mai 2017 ist er bei Trapo.
(Bild: Trapo)

Wie erleben Sie persönlich die Kompetenzprofile der aktuellen Ingenieursausbildung und deren Praxistauglichkeit im Berufsalltag?

Dr. Stefan Kurtenbach: Grundsätzlich bewerte ich die Ingenieursausbildung an deutschen Universitäten positiv. Sie vermitteln sowohl Grundlagenwissen, das notwendig ist, um beispielsweise Bauteile zu konstruieren, auszulegen, aktiv Prozesse abzubilden und zu gestalten, als auch spezielles Detailwissen, um Komponenten zu optimieren und Anlagen perfekt abzustimmen. Die entsprechenden softwareseitigen Grundlagen werden im Rahmen der Lehrveranstaltungen ebenso bereitgestellt.

Tatsächlich sehe ich erhebliche Defizite im Bereich der Digitalisierung und der Vision Industrie 4.0. Ich bin mir jedoch sicher, dass dieses Wissen in der erforderlichen Bandbreite nicht zum Ingenieurstudium gehören sollte, sondern später in der Regel beim jeweiligen Arbeitgeber erfolgt. Hier erfolgt dann auch die Spezialisierung auf die entsprechenden Tools analog zu den Produkten des Arbeitgebers.

Wo besteht Ihrer Ansicht nach enormer und wo der dringlichste Nachholbedarf?

Kurtenbach: Informatikkompetenz benötigt jeder Absolvent. Universitäten sollten den Studierenden folglich Einblick geben, mit welchen Tools Unternehmen prinzipiell arbeiten. Ein Konstrukteur sollte zum Beispiel schon im Studium den Umgang mit einem CAD-System kennengelernt haben. Die Spezialisierung auf das beim Arbeitgeber verwendete System erfolgt dann wieder individuell. In der Praxis wird großer Wert auf die fachliche Eignung und Kenntnisse gängiger Medien- und

Softwareprodukte gelegt. Die Vorteile der Digitalisierung müssen auch in den Universitäten ankommen. Teils ergänzen bereits digitale Vorlesungen – MOOCs, Podcast zu einzelnen Themen, etc. – zu bestimmten Themenfeldern das Studium. So können Studierende orts- und zeitunabhängig lernen.

Welche Kompetenzen vermitteln derzeit Unternehmen wie Trapo den jungen Ingenieuren, die bereits im Studium vermittelt werden könnten und sollten?

Kurtenbach: Insbesondere wären Grundkenntnisse zu CAD- oder Produktdatenmanagementsystemen unbedingt erforderlich. Kein Unternehmen konstruiert mehr am Zeichenbrett.

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Prognose zum jährlichen Ersatzbedarf an MINT-Akademikern in Deutschland in den Jahren von 2021 bis 2031.

Die Statistik zeigt eine Prognose zum jährlichen Ersatzbedarf an MINT-Akademikern in Deutschland in den Jahren von 2021 bis 2031. Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln könnte bis zum Jahr 2021 in Deutschland ein jährlicher Ersatzbedarf von 59.300 MINT-Akademiker entstehen. Weitere interessante Bildergalerien finden Sie auf unserer Übersichtsseite „Bildergalerien“.

Welche Vernetzungen zu anderen Studiengängen sind wichtig?

Kurtenbach: Wichtig sind elementare Kenntnisse zum Maschinenbau, zur Elektronik und zur Informatik. Die Universitäten wissen um die hohen Anforderungen der Digitalisierung. Sie schlagen Brücken – in die Praxis, aber auch zu anderen Studiengängen, beispielsweise in den IT-lastigen Bereich der Mechatronik und Informationstechnik. Bundesweit werden bereits übergreifende Studiengänge angeboten und IT-Inhalte haben somit längst auch in traditionellen Studiengängen Einzug gehalten.

Welche Kompetenzen erwarten Unternehmen wie Trapo im digitalen Zeitalter von Absolventen der Ingenieurwissenschaften?

Kurtenbach: An den Universitäten sollten grundlegende Informationen zum sicheren Umgang mit digitalen Medien gewährleistet sein.

Können die Lehrenden an Hochschulen das aktuell leisten? Wo besteht dort der Weiterbildungsbedarf?

Kurtenbach: In der Zukunft werden wir von Jungingenieuren aus interdisziplinären Studiengängen profitieren. Wenn Industrie und Internet verschmelzen, werden auch die Lehrenden Angebote machen, die sich nahe an den Anforderungen der digitalen Arbeitswelt orientieren.

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