Studie zu Wasserstoffbedarf Günstiger Ökostrom soll grünen Wasserstoff bis 2030 wettbewerbsfähig machen

Redakteur: MA Alexander Stark

Der globale Wasserstoffbedarf soll zwischen 2019 und 2030 von 71 Millionen Tonnen (Mt) auf 88 Mt steigen und sich bis 2040 auf 137 Mt verdoppeln. Alleine für Deutschland prognostiziert PwC in einer aktuellen Studie eine Nachfrage von 3,3 Mt. Sinkende Stromgestehungskosten und höhere CO2-Abgaben können grünen Wasserstoff der Studie zufolge schon 2030 wettbewerbsfähig machen

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Der Studie zufolge wächst der globale Wasserstoffbedarf zwischen 2019 und 2030 von 71 Mt auf 88 Mt und verdoppelt sich bis 2040 auf 137 Mt.
Der Studie zufolge wächst der globale Wasserstoffbedarf zwischen 2019 und 2030 von 71 Mt auf 88 Mt und verdoppelt sich bis 2040 auf 137 Mt.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

München – Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, muss die globale Dekarbonisierung bis 2030 jährlich um 12 % steigen. Der Aufbau einer kohlenstoffarmen Wasserstoffwirtschaft kann dabei ein entscheidender Eckpfeiler der Energiewende sein, wie die Studie „Laying the foundations of a low carbon hydrogen market in Europe“ von Strategy&, der Strategieberatung von PwC, zeigt. Ausgehend von einem anhaltenden Nachhaltigkeitstrend, in dem Kohlenwasserstoffe in der Wirtschaft sukzessive ersetzt werden, wird sich die globale Wasserstoffnachfrage bis 2040 im Vergleich zu 2019 von 71 Mt auf 137 Mt fast verdoppeln. Bis zum Jahr 2070 wird sogar eine Versiebenfachung auf 519 Mt erwartet. Diese Mengen werden 2070 vor allem im Transportwesen (30 %), im Flugverkehr (20 %), in der Industrie (15 %) bzw. für die Energieerzeugung (15 %) genutzt werden. Darüber hinaus besitzt grüner Wasserstoff beispielsweise in der Stahlproduktion oder auch in der Herstellung synthetischen Kerosins das Potenzial, Emissionen in Bereichen zu reduzieren, in denen dies aus Energieeffizienzgründen bisher kaum möglich war.

Die erste Herausforderung bestehe darin, die Nachfrage nach kohlenstoffarmem Wasserstoff in Europa über Subventionen gezielt anzukurbeln, meint Dr. Matthias Witzemann, Co-Autor der Studie und Partner bei Strategy& Österreich. Bei der Planung entsprechender Förderprogramme sollten sich Staaten zunächst auf industrielle Cluster konzentrieren, die mit der eigenen Dekarbonisierung kämpfen, aber gewisse Skaleneffekte und im Idealfall eine wasserstoffkompatible Infrastruktur wie Pipelines mitbrächten. Wichtig sei neben finanziellen Anreizen auch die Schaffung wegbereitender Plattformen, damit interessierte Unternehmen Investmentrisiken über strategische Kooperationen senken könnten.

Damit grünem Wasserstoff der Durchbruch gelingt, muss angebotsseitig auch der Aufpreis im Vergleich zu kohlenstoffreichen Technologien überwunden werden. Aktuell macht die im Herstellungsprozess aufzuwendende Elektrizität 60-70 % der variablen Kosten von grünem Wasserstoff aus. Er könnte jedoch bereits 2030 in großen Mengen wettbewerbsfähig werden, wenn die Stromgestehungskosten (LCOE - levelized cost of energy) bei erneuerbaren Energien auf unter $ 20 je Megawattstunde fallen und gleichzeitig die CO2-Abgaben ansteigen.

Schwerpunkt in Deutschland auf dem Industrie- und Mobilitätssektor

Durch den massiv steigenden Energiebedarf für die Wasserstoffherstellung werden vor allem Länder mit großem Potenzial für erneuerbare Energien, wie etwa Kanada oder Marokko, zu potenziellen Exporteuren grünen Stroms oder grünen Wasserstoffs. Industrienationen wie Deutschland, Frankreich oder auch Japan werden dagegen eher importieren. Neben der Verfügbarkeit günstiger, grüner Energie ist auch Wasser ein kritischer Standortfaktor. Da für die Gewinnung von einem Kilo Wasserstoff 22 Liter Wasser eingesetzt werden müssen, eignen sich dicht besiedelte Industriegebiete nur begrenzt als Produktionsorte. Deutschland konzentriert sich in seiner Wasserstoffstrategie daher auf den Aufbau entsprechender Importwege und plant nur einen geringen Anteil an nationaler Produktion. 2030 wird die Wasserstoffnachfrage in Deutschland auf 2,7-3,3 Mt (90-110 TWh) wachsen, mit Schwerpunkten in der Industrie und dem Mobilitätssektor. Davon sollen 0,4 Mt (14 TWh) lokal hergestellt werden.

„Für den Durchbruch von grünem Wasserstoff müssen Angebots- und Nachfrageseite über smarte Transportwege und Lagermöglichkeiten zusammengebracht werden. Zum Teil können bestehende Gasleitungen genutzt werden, doch der Bedarf an zusätzlichen Pipelines wächst. 2030 werden in Europa 6800 Kilometer Leitungen erforderlich sein, und schon 2040 braucht es 23.000 Kilometer. Der Wasserstoffmarkt der Zukunft muss zudem global gedacht werden, um vom günstigen grünen Strom von Exportnationen profitieren zu können. Über den Dialog mit Regulatoren und die gezielte Nutzung von Incentivierungsmaßnahmen haben Unternehmen nun die Chance, den Markthochlauf mitzugestalten“, erläutert Dirk Niemeier, Director bei Strategy& Deutschland.

Die europäische Wasserstoffstrategie sieht vor allem die Entwicklung einer Investitionsagenda vor, die strategische Investments in umweltfreundliche Wasserstofftechnologien fördern sowie die Produktion und Nutzung des grünen Energieträgers stimulieren soll. Darüber hinaus ist die Einführung eines regulatorischen Rahmens für den europäischen Wasserstoffmarkt geplant. Komplettiert wird die Strategie durch die Unterstützung von Forschung und Innovationen sowie die Stärkung internationaler Kooperationen.

Wasserstoff wird laut Dr. Peter Gassmann, Europachef von Strategy& und globaler ESG-Leader bei PwC, bei der Erreichung von ESG-Zielsetzungen eine zentrale Rolle einnehmen. Neben den Potentialen für Emissionssenkungen seien die Chancen für den Erhalt der technologischen Vorreiterrolle und des Wirtschaftsstandorts wichtige Kriterien der europäischen Wasserstoffstrategie. Um den Wandel zu finanzieren und den entstehenden Markt aufzubauen, müsse Wasserstoff als grüne Anlagemöglichkeit nun noch verstärkt ins Bewusstsein von Investoren vordringen, so Gassmann.

Die vollständige Studie „Laying the foundations of a low carbon hydrogen market in Europe“ finden Sie hier.

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