Energieversorgung Grundsteinlegung an der Ersatzbrennstoff-Anlage im Industriepark Höchst

Redakteur: Gerd Kielburger

Jüngst wurde der Grundstein gelegt, der für die weitere Entwicklung des Industrieparks Höchst von zentraler Bedeutung ist: Mit 300 Millionen Euro ist die geplante Ersatzbrennstoffanlage die bislang größte Einzelinvestition des Industrieparks Höchst.

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Die Bauarbeiten für die Ersatzbrennstoff-Anlage im Industriepark Höchst sind in vollem Gang.
Die Bauarbeiten für die Ersatzbrennstoff-Anlage im Industriepark Höchst sind in vollem Gang.
( Bild: Infraserv )

Frankfurt – Regierungspräsident Gerold Dieke hat gemeinsam mit Jürgen Vormann und Dr. Roland Mohr, Geschäftsführer von Infraserv Höchst, den Geschäftsführern der Thermal Conversion Compound Industriepark Höchst GmbH (T2C), Rolf Hauerwas und Dr. Marcell Peuckert, sowie Masayoshi Hirose, Vice President des Generalunternehmers Ebara, den symbolischen Startschuss für den Bau der Ersatzbrennstoffanlage im Industriepark Höchst gegeben. Die Inbetriebnahme ist für zweite Quartal 2009 vorgesehen.

„Vom Industriepark Höchst gehen wesentliche Impulse für die Wirtschaftsregion Rhein-Main und ganz Hessen aus“, sagte Regierungspräsident Gerold Dieke. „Dieser Standort gehört auch international zu den ersten Adressen unter den Chemie- und Pharmastandorten. Durch Investitionen in die Infrastruktur sorgen Sie dafür, dass der Industriepark Höchst ein dynamischer Standort bleibt.“

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Dieke hob insbesondere hervor, dass Infraserv Höchst mit dem Bau der Anlage auf regenerative Energiequellen setzt und fossile Brennstoffe spart. „Diese Anlage verbindet ökologische Vorteile mit dem Ziel, den Unternehmen günstige Energie bereitzustellen“, so der Regierungspräsident, der vor zwei Wochen den Genehmigungsbescheid für die Anlage überreicht hatte. Vorangegangen sei ein sehr umfangreiches und intensives Genehmigungsverfahren, das ergeben habe, dass mit dem Betrieb der Anlage keine schädlichen Umweltauswirkungen verbunden sein werden.

Dynamischer Standort mit steigendem Energiebedarf

Wie wichtig der Bau der Anlage für die Zukunft des Industrieparks Höchst ist, erläuterte Dr. Roland Mohr, Geschäftsführer der Standortbetreibergesellschaft Infraserv Höchst. „Aufgrund der positiven Entwicklung in den vergangenen Jahren sind nicht nur die Zahl der Produktionsanlagen und die der Mitarbeiter am Standort gestiegen, sondern eben auch der Energiebedarf“, sagte Mohr. Während Strom aus dem öffentlichen Netz zugekauft werden kann, hängt die Dampfversorgung des Industrieparks ausschließlich von dem von Infraserv Höchst betriebenen Kraftwerk ab, da Dampf nicht über weite Strecken transportiert werden kann. Und gerade die produzierenden Chemie- und Pharmafirmen sind auf Prozessdampf angewiesen. Derzeit könne man in etwa sechs Wochen des Jahres die Dampfversorgung nicht redundant sicherstellen, dass bedeute, dass beim Ausfall eines Kessels Betriebe heruntergefahren werden müssten. Daher besteht die Notwendigkeit, die eigenen Energieerzeugungskapazitäten des Standortes zu erweitern. Die Ersatzbrennstoff-Anlage wird ca. 70 Megawatt elektrische Leistung oder 250 Tonnen Dampf pro Stunde in die Versorgungsnetze des Standortes einspeisen. Jürgen Vormann, Vorsitzender der Geschäftsführung von Infraserv Höchst: „Die Ersatzbrennstoff-Anlage ist ein ganz wesentlicher Meilenstein auf unserem Weg zur langfristigen Sicherung einer wettbewerbsfähigen Energieversorgung für den Industriepark Höchst. Infraserv Höchst hat damit auch die außerordentliche Kompetenz bei der Umsetzung eines so anspruchsvollen Projektes an der Schnittstelle zwischen Entsorgungs- und Energieerzeugungsaktivitäten eindrucksvoll unter Beweis gestellt.“

International wettbewerbsfähige Preise dank effizienter Energieerzeugung

Warum eine Ersatzbrennstoff-Anlage anstelle eines Gas- oder Kohlekraftwerkes? „Weil Ersatzbrennstoffe auf dem heimischen Markt verfügbar sind und hier anders als bei Kohle oder Gas keine Importabhängigkeit besteht“, erläuterte Mohr. Infraserv Höchst setzt bei der Energieversorgung des Standortes auf einen innovativen Energiemix: Neben fossilen Brennstoffen, die im bestehenden Kraftwerk genutzt werden, erzeugt die im vergangenen Jahr errichtete Biogas-Ablage Energie aus Schlämmen und organischen Abfällen. Außerdem wird die in der Klärschlammverbrennungsanlage des Industrieparks entstehende Wärme in das Versorgungsnetz des Standortes eingespeist. Die Ersatzbrennstoff-Anlage ist ein wesentlicher Baustein in diesem ganzheitlichen Energiekonzept. Mohr weiter: „Mit einem Höchstmaß an Effizienz bei der Energieversorgung gewährleisten wir international wettbewerbsfähige Preise, die für unsere zumeist im globalen Wettbewerb agierenden Kunden einen entscheidenden Erfolgsfaktor darstellen.“

Der Infraserv-Geschäftsführer ging auch auf die skeptischen Reaktionen ein, die das Projekt im unmittelbaren Umfeld des Industrieparks ausgelöst hatte. Die Sorgen der Nachbarn seien verständlich, denn das Thema Müllverbrennung sei natürlich mit negativen Assoziationen behaftet. Er wies allerdings darauf hin, dass beim Betrieb der Anlage alle Grenzwerte eingehalten oder unterschritten werden und von der Anlage keine negativen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt ausgehen werden. Dies habe das Regierungspräsidium Darmstadt als Ergebnis eines intensiven Genehmigungsverfahrens bestätigt. Von der Anlage werden auch keine Lärm- oder Geruchsbelästigungen ausgehen. „Das würden uns die Nachbarn des Industrieparks, aber auch unsere Kunden hier im Industriepark sicherlich übel nehmen“, sagte Mohr im Beisein der Vertreter zahlreicher Standortgesellschaften. Auch in Bezug auf den Verkehr werde es keine negativen Auswirkungen auf die umliegenden Städte und Gemeinden geben, da die Anlage ausgezeichnet an das Autobahnnetz angeschlossen sei.

Errichtet wird die Anlage derzeit im Südwesten des Industrieparks von der Firma Ebara. Das japanische Unternehmen ist weltweit tätig und kann viel Erfahrung im Bereich der zirkulierenden Wirbelschicht-Technologie vorweisen.

Zirkulierende Wirbelschicht garantiert hohen Ausbrand

Die Technologie der Anlage stellte Projektleiter Dr. Dirk Lorbach vor. Die Ersatzbrennstoffe – vorsortierte, aufbereitete und besonders heizwertreiche Bestandteile aus Haus- und Gewerbeabfällen – werden bei der Verbrennung in ein zirkulierendes Wirbelbett aus Quarzsand eingetragen. Diese Technologie garantiert einen hohen Ausbrand, da sich die feinen, glühendheißen Sandpartikel mit den Ersatzbrennstoffen und der Verbrennungsluft vermischen und ein intensiver Wärmeübergang erfolgt. Verwertet würden nur Materialien, die zuvor von den Lieferanten auf der Grundlage einer festgelegten Qualitätsspezifikation aufbereitet wurden, so Lorbach. In der Anlage erfolgt zusätzlich bei der Anlieferung eine Qualitätskontrolle in mehreren Schritten. Die bei der Verbrennung entstehenden Rauchgase werden in einer leistungsfähigen, mehrstufigen Rauchgasreinigung von Schadstoffen befreit. Mit dem Bau der Anlage wurde nach der Genehmigung gemäß Paragraph 8a des Bundesimmissionsschutz-Gesetzes im Mai letzten Jahres begonnen. Ende Februar erteilte das Regierungspräsidium Darmstadt als zuständige Genehmigungsbehörde die endgültige Betriebsgenehmigung.

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