Suchen

Zukunft der Chemie Green Shift - Gelingt der Chemie der technologische Umbau?

Autor: Anke Geipel-Kern

Der große Umbau der Energiesysteme hat begonnen. Die Kopernikusprojekte sollen einen Paradigmenwechsel einläuten und bringen über 200 Firmen, Institute und Universitäten zusammen. Wie aber sieht der Weg zur CO2-freien Produktion aus? Wie beflügelt das Mammutprojekt die Chemiebranche und was geht technologisch bereits. Am 10. März 2021 auf dem Event „Green Shift – Cutting Emissions“ in Berlin erleben Sie spannende Einblicke und brisante Diskussionen.

Die Chemieindustrie muss grüner werden.
Die Chemieindustrie muss grüner werden.
(Bild: Process)

Die Chemiebranche steckt in der Zwickmühle. Der technologische Umbau zur CO2-Neutralität sei möglich, betonen die Verantwortlichen in den Verbänden, wenn die Voraussetzungen stimmen. Die Prozesse zur Treibhausgas neutralen Herstellung von Basischemikalien sind da, schon Mitte der 2030iger Jahre sei ein Einsatz denkbar, erklärt Klaus Schäfer, der CTO von Covestro.

Doch schon jetzt türmen einige Hindernisse auf, die noch abgeräumt werden müssen. Was momentan fehlt, sind groß-technische Verfahren, die erst noch weiterentwickelt und marktreif gemacht werden müssen.

Genau hier liegt der Hase im Pfeffer, meinen VCI und der Verband der energieintensiven Industrien. Wer soll das bezahlen und wie teuer wird die Umstellung am Ende kommen? Werden Basischemikalien mit erneuerbaren Energien hergestellt, brauchen die Unternehmen regenerativen Strom zu wettbewerbsfähigen Preisen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Und nicht nur die Verfahrensumstellungen und der Betrieb kosten eine Stange Geld. Auch Investionen in Pilotanlagen und Scale up verschlingen einige Millionen und da sind neue Anlagen noch gar nicht eingerechnet.

Wie hoch die zu erwarteten Kostensteigerungen für Basischemikalien am Ende ausfallen und wie sich das auf den Rest der Wertschöpfungskette auswirkt - gleicht also einer Rechnung mit mehreren Unbekannten. Fest steht nur, die Zeche zahlt irgendwann der Verbraucher, wenn Autos, Kleidung, Möbel und vieles mehr am Ende teurer werden.

Der Kraftakt gelingt nur gemeinsam

Klar ist, eine Branche allein wird den Kraftakt nicht stemmen können. Die Energiewende gelingt nur, wenn alle energieintensiven Industrien, Politik, Verbände und Gesellschaft an einem Strang ziehen. Und genau hier setzen die Kopernikus-Projekte an, deren Name Programm sein soll. Der Umbau der Energiesysteme gleicht einem Paradigmenwechsel, ebenso wie die wissenschaftlichen Umwälzungen, die das von Nikolaus Kopernikus 1543 ausgerufene heliozentrische Weltbild, ausgelöst hat.

Regenerative Energien, Energiespeicher, Power-to-X, Demand Side Management, Sektorenkopplung – das sind die Schlüsselbegriffe beim Umbau der Energiesysteme. Doch noch ist unklar, wie das Stromnetz der Zukunft aussehen wird, wie Energien aus Wind, Sonne und Wasserkraft in andere Energieträger umgewandelt werden und wie die unterschiedlichen Industrien Sektor übergreifend zusammen arbeiten können. Ganz zu schweigen von der Frage, wie der Umbau finanziert werden soll und welche gesellschaftlichen Konsequenzen das am Ende hat.

Herausforderungen von großer Brisanz, die am 10. März 2021 in Berlin, für einigen Zündstoff sorgen dürften. Green Shift bringt alle wichtigen Protagonisten zusammen, um über den notwendigen Umbau zu diskutieren und der Chemiebranche kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Schließlich gehen fast 80% der deutschen Treibhausgase auf das Konto von Stahl-, Zement- und Chemiefabriken.

(ID:46933699)

Über den Autor

 Anke Geipel-Kern

Anke Geipel-Kern

Leitende Redakteurin PROCESS/Stellvertretende Chefredakteurin PharmaTEC, PROCESS - Chemie | Pharma | Verfahrenstechnik