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Tarifverhandlungen Chemieindustrie Gewerkschaft fordert sechs Prozent, Arbeitgeber mehr Augenmaß

| Autor: Wolfgang Ernhofer

Eine neue Chemie-Tarifrunde steht an und Streit scheint wieder vorprogrammiert. Während die IG BCE eine Entgelterhöhung von sechs Prozent, ein kräftiges Plus beim zusätzlichen Urlaubsgeld und eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung der Arbeitsbedingungen fordern, wirft der Chemie-Arbeitgeberverband BAVC der Gewerkschaft mangelnde Bodenhaftung vor.

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Der Hauptvorstand der IG BCE hat ein Forderungspaket für die kommenden Tarifverhandlungen in der chemischen Industrie zusammengestellt, die unter dem Motto „Weil du es wert bist!“ stehen sollen.
Der Hauptvorstand der IG BCE hat ein Forderungspaket für die kommenden Tarifverhandlungen in der chemischen Industrie zusammengestellt, die unter dem Motto „Weil du es wert bist!“ stehen sollen.
(Bild: Christian Burkert / IG BCE)

Hannover; Wiesbaden – Die Chemie-Gewerkschaft IG BCE hat ihr Forderungspaket für die nächste Tarifrunde unter dem Namen „Weil du es wert bist!“ geschnürt. Die Verhandlungen beginnen am 20. Juni, aber bereits jetzt trommeln beide Seiten heftig für ihre Sache. Eine Entgelterhöhung von sechs Prozent, ein kräftiges Plus beim zusätzlichen Urlaubsgeld und eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung der Arbeitsbedingungen seien angesichts einer hervorragenden wirtschaftlichen Lage in der chemisch-pharmazeutischen Industrie absolut angemessen, so IG BCE-Verhandlungsführer Ralf Sikorski bei der Vorstellung der Details in Hannover. Produktion, Umsatz und Profite waren in der Branche bereits im vergangenen Jahr deutlich gestiegen, für 2018 wird mit weiteren Zuwächsen gerechnet. In einer aktuellen Betriebsräteumfrage der IG BCE berichten acht von zehn Befragten von einer guten bis sehr guten wirtschaftlichen Lage ihres Betriebs, begründet die Industriegewerkschaft ihre Forderungen.

BAVC-Hauptgeschäftsführer Klaus-Peter Stiller sieht die Sache naturgemäß anders: „Bei allem begründeten Optimismus: Die IG BCE muss aufpassen, dass sie die Bodenhaftung behält. sechs Prozent mehr Entgelt und ein Prozent on top für mehr Urlaubsgeld – das ist mit uns nicht zu machen. Die Bäume wachsen, aber sie wachsen auch in der Chemie nicht in den Himmel“. Der Arbeitgeberverband fordert besonnene Tarifpolitik um weiteres Wachstum der Branche nicht zu gefährden. Einmalige Boom-Phasen können unter anderem mit Einmalzahlungen honoriert werden, so die Arbeitgeber.

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Die Forderungen im Detail

Die Gewerkschaft fordert derweil:

  • Erhöhung der der Entgelte und Ausbildungsvergütungen um 6 Prozent bei einer Laufzeit von 12 Monaten.
  • Anhebung des zusätzlichen Urlaubsgelds von derzeit 20,45 Euro auf 40 Euro pro Urlaubstag für Vollzeitbeschäftigte und von derzeit 449,94 Euro auf 900 Euro jährlich für Auszubildende.
  • Angesichts steigender Arbeitsbelastungen, rasant wachsender technologischer Veränderungen und dem verstärkten Wunsch der Beschäftigten nach mehr Zeitsouveränität will die IG BCE Arbeitsbedingungen und Arbeitszeitsysteme weiterentwickeln. Die Beschäftigten sollten stärker darüber mitentscheiden können, wann und wie sie welche Aufgaben bearbeiten – auch unter Berücksichtigung unterschiedlicher Lebensphasen.

Die Arbeitgeberseite verweist auf die Gewerkschaftsforderungen nach Rückkehr zur Parität in der gesetzlichen Krankenversicherung und höhere Renten. Damit sei es schwierig die Personalkosten durch Tariferhöhungen noch weiter anzuheben. Spannend und notwendig hingegen sieht der BAVC die Diskussionen um die Gestaltung der modernen Arbeitswelt und sieht die Tarifrunde als den richtigen Rahmen, um Fortschritte für beide Seiten zu erzielen.

In der IG BCE folgen nun die Diskussionen in den Vertrauensleutegremien und Tarifkommissionen. Mitte Juni beschließt die Bundestarifkommission die endgültigen Forderungen, wenig später starten die Gespräche zwischen IG BCE und Arbeitgebern in den regionalen Tarifbereichen. Im September wechseln beide Seiten zu zentralen Verhandlungen auf die Bundesebene.

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