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Tamper-Evident-Etiketten

Fälschungsschutz: Satz und Sieg für´s Siegeletikett

| Autor/ Redakteur: Ingolf Doler* / Anke Geipel-Kern

Um eine Verpackung fälschungssicher gemäß der EU-Richtlinie zu machen muss nicht immer gleich ein neues Packungsdesign entwickelt werden. Die Tamper-Evident-Etikettierung ist für die Pharmabranche nicht nur unter Kosten-Nutzen-Aspekten interessant, um bestehende Faltschachteln weiter einsetzen zu können, sondern garantiert dem Verbraucher die Fälschungssicherheit des Produkts.

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Beispiel für eine Anlage mit Tamper-Evident Etikettierer 362 M-STE
Beispiel für eine Anlage mit Tamper-Evident Etikettierer 362 M-STE
(Bild: Herma)

Die Europäische Union hat im Kampf gegen gefälschte oder minderwertige Arzneimittel mit der so genannten Fälschungsschutzrichtlinie 2011/62/EU („Falsified Medicines Directive“) reagiert. Seit dem 9. Februar dieses Jahres dürfen verschreibungspflichtige Medikamente bis auf wenige Ausnahmen nur noch mit Sicherheitsmerkmal und Seriennummer in Verkehr gebracht werden. Für die Pharmaunternehmen war die Umsetzung eine Herkulesaufgabe. Die Kosten für die Umsetzung veranschlagten die Hersteller auf bis zu mehrere 100 000 Euro – pro Produktionslinie.

Siegeletiketten – gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis

Um bestehende Faltschachteln weiter einsetzen zu können, ist unter Kosten-Nutzen-Aspekten vor allem der Einsatz von Siegeletiketten interessant. Die speziellen Tamper-Evident-Etiketten gewährleisten zuverlässig einen Verschluss-, Garantie- und Sicherheitsnachweis. Neben der Kontrollmaßnahme bedeutet dies für die Anwender Sicherheit beim Erwerb der Produkte.

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Bisher kamen für Sicherheitsetiketten oftmals sehr spezielle Materialien zum Einsatz, etwa „Bröselfolien“, die sich bei einem Manipulationsversuch nahezu auflösen, oder so genannte „Void“-Etiketten, die bei Öffnungsversuchen irreversibel einen Schriftzug freigeben. Diese Spezialmaterialien wiederum haben Schwächen beim maschinellen Applizieren unter Hochgeschwindigkeit. Dies bedeutet in der Summe einen erheblichen finanziellen Mehraufwand.

Etikettenhaftkleber als entscheidender Faktor

Betriebswirtschaftlich und technisch am sinnvollsten sind konventionelle rechteckige oder runde Etiketten (Bild 1). Der entscheidende Faktor ist der Haftkleber. Er muss hochbeständig sein gegen Wasser, Heißluft und verschiedene Lösungsmittel. Nur dann ist gewährleistet, dass sich das Etikett selbst von stark lackierten Faltschachteln nicht abziehen lässt, ohne sich selbst oder die Faltschachtel sichtbar zu zerstören.

Herma hat einen eigenen Geschäftsbereich, der sich speziell mit der Entwicklung von Haftklebern für verschiedene Herausforderungen beschäftigt. Er lässt sich für eine Vielzahl an Verpackungsmaterialien und Oberflächen verwenden. Herma bietet jedoch nicht nur die Siegeletiketten, sondern exakt darauf abgestimmt auch die Etikettiermaschine für die Integration in Verpackungslinien an. Wie in der Praxis entsprechende Etikettiermaschinen aufgebaut sein können und was sie zu leisten imstande sind, soll ein konkretes Beispiel verdeutlichen, das Herma realisiert hat. Aus Gründen des Kundenschutzes ist dies hier anonymisiert.

Die komplexe individuelle Lösung

Der Anwender hat ein komplexes Aufgabenspektrum, das mit ein und demselben Anlagentyp zu bewältigen ist. Insgesamt zehn verschiedene Faltschachtelvarianten mit einer Größe bis zu 200 x 250 x 250 mm müssen mit jeweils zwei Tamper-Evident-Etiketten versehen werden. Diese sollen jeweils die Einstecklaschen links und rechts fest mit dem Korpus verbinden.

Fünf Packungsarten erhalten zusätzlich Vignetten-Labels bzw. Bollini-Etiketten aus Papier, die jeweils auf der Faltschachteloberseite aufgebracht werden sollen. Eine Herausforderung ist dabei das Handling von drei verschiedenen Etikettierern für den Bediener effizient zu gestalten und die Rüstzeiten möglichst gering zu halten.

Wenn die Faltschachteln auf dem Transportband in die Etikettiermaschine gelangen, sind sie bereits befüllt und verschlossen. Seitenbänder sorgen dafür, dass die Produkte von der Vormaschine übernommen werden und vereinzelt in einer definierten Taktzahl in die Maschine einlaufen. Um Serialisierungsanforderungen zu erfüllen, müssen alle Faltschachteln codiert werden.

In der Herma Etikettiermaschine wird das über eine Direktbedruckung mittels Ink­jet-Drucker realisiert. Die Anwesenheit und Lesbarkeit der Codierung wird über ein Kamerasystem kontrolliert. Um für diese Druckdaten die komplette Breite der Einstecklasche zur Verfügung zu haben, bestehen die 40 x 20 mm großen Tamper-Evident-Etiketten aus transparenter Polyester-Folie. Die Bedruckung kann somit von den transparenten Etiketten teilweise überklebt werden.

Präzision ist auch erforderlich, um die recht kleinen Tamper-Evident-Etiketten seitlich an den Einstecklaschen so aufzubringen, dass sie etwa hälftig über den Faltschachtelkorpus nach oben hinausragen. Der Überstand wird kontrolliert. Anschließend werden die Etiketten um 90 Grad umgebügelt. Gefederte Schaumstoffrollen drücken die Etiketten an, sodass die Einstecklaschen fest verbunden sind mit dem Faltschachtelkorpus. Um das Vorhandensein des Antimanipulationsmerkmals bestmöglich zu gewährleisten, sind zwei Kontrolleinheiten notwendig.

Je eine Lichtschranke auf jeder Seite der Faltschachtel überprüft die Anwesenheit eines überstehenden Etikettenteils, ein zweites Paar Lichtschranken kontrolliert, ob das Etikett nach dem Umbügeln noch übersteht oder ob der Vorgang erfolgreich war. Liegt ein Fehler vor, schleust ein Auswurf zuverlässig das schlecht geprüfte Produkt aus der Maschine aus. Kommen transparente Siegel­etiketten zum Einsatz, kann der Haftkleber mit lumineszierenden Partikeln versehen werden, sodass ein UV-Sensor den Unterschied zwischen Faltschachtel und Etikett erkennt.

Sind die Siegeletiketten bedruckt, kann entweder ein Kon­trasttaster oder ein Kamerasystem diese Kontrollfunktion übernehmen. Bei stark glänzenden Etiketten hingegen werden Sensoren eingesetzt, die einen Unterschied zwischen dem Glanz der Faltschachtel und dem der Siegeletiketten erkennen. Ein dritter Etikettierer spendet Vignetten bzw. Bollini-Etiketten auf die Faltschachteloberseite. Das angepeilte Ziel-Dreieck aus maximaler Sicherheit, hoher Produktions- und Kosteneffizienz sowie minimalen Gestaltungseingriffen bei der Packung ist auf diesem Weg erreichbar.

* * Der Autor ist Geschäftsführer bei Carapetyan und Krämer. Kontakt zu Herma: Tel. +49-711-7702556

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