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Jahresbilanz Endress und Hauser

Endress und Hauser wächst zum vierten Mal in Folge zweistellig

29.05.2008 | Redakteur: Frank Jablonski

Klaus Endres lauscht amüsiert einer Frage auf der Bilanzmedienpressekonferenz von Endress und Hauser. Auch sonst hatte der CEO allen Grund zur gehobenen Laune, denn das Unternehmen hat erneut ein zweistelliges Wachstum hinter sich.
Klaus Endres lauscht amüsiert einer Frage auf der Bilanzmedienpressekonferenz von Endress und Hauser. Auch sonst hatte der CEO allen Grund zur gehobenen Laune, denn das Unternehmen hat erneut ein zweistelliges Wachstum hinter sich.

Der Automatisierungsbranche geht es gut, Endress und Hauser geht es besser - auf diese einfache Formel könnte man die Botschaft des schweizerischen Messgeräteherstellers reduzieren. In der Tat stiegen die bilanziellen Kennzahlen um 13 (Umsatz) bis 23 Prozent (Ergebnis nach Steuern). Doch es gibt auch sorgenvolle Entwicklungen.

Basel - Offenheit und Transparenz stehen für das Messtechnik-Unternehmen Endress und Hauser bei den gesellschaftlichen und unternehmerischen Tugenden derzeit ganz oben auf der Liste. Dies gilt auch bei der Vorstellung der Geschäftsergebnisse des letzten Jahres. So ist der Chef der Firmengruppe, Klaus Endress überzeugt, dass sich diese Öffnung auch für das schweizerische Familienunternehmen lohnen: „Sie eröffnen uns nach außen neue Chancen und Möglichkeiten. Und nach innen machen sie uns das Leben einfacher und unsere Prozesse schlanker.“ Einstellungen, die sich scheinbar auszahlen, denn die Ergebnisse von Endress und Hauser haben wie in den drei Jahren zuvor im zweistelligen Bereich zugenommen. „Unser Nettoumsatz ist kräftig gewachsen auf über 1,1 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis, der Gewinn vor Steuern sowie der Gewinn nach Steuern sind sogar noch stärker gestiegen.“ Auch beim Eigenkapital steht das Unternehmen sehr gut da und nutzt dies für weitere Investitionen weltweit.

Weltweite Investitionen von Endress und Hauser

Im Jahr 2007 hat Endress und Hauser 94,8 Millionen Euro in neue Gebäude und Anlagen investiert, 15,4 Millionen mehr als im Jahr zuvor. 2008 will das Unternehmen diese Summe nochmals steigern und 120 Millionen Euro für Vetriebs- und Produktionszentren aufbringen. So wurde beispielsweise in Gerlingen bei Stuttgart mit Bauarbeiten am neuen, 15 Millionen Euro teuren Büro- und Produktionsgebäude von Endress und Hauser Conducta begonnen. Der Neubau des Kompetenzzentrums für Flüssigkeitsanalyse verdreifacht die bestehenden Flächen nahezu. Auch international wächst das Unternehmen weiter. Beispiel Indien: Endress und Hauser Flowtec investiert rund zehn Millionen Euro in die Erweiterung seines Werks für Durchflussmesstechnik im indischen Aurangabad. Ein neues Gebäude wird die Nutzfläche auf rund 8500 Quadratmeter nahezu vervierfachen. (lesen Sie auch „Investitionen in Messtechnik-Infrastruktur“).

Größe, die die Struktur verändert

Öl- und Gasbranche, Metallurgie und Kraftwerkstechnik trugen absolut gesehen am meisten zum Wachstum bei. „Hier schlagen sich die hohen Energiepreise direkt nieder“, erklärte Klaus Endress. Doch auch in der Folge dieses Booms wird weiter stark investiert. In vielen Erdöl-Förderländern werden entlang der Wertschöpfungskette neue Industrieanlagen aufgebaut, in den Industrieländern bestehende Produktionen erweitert und modernisiert. Immer häufiger wickeln Generalunternehmer den Bau neuer Anlagen ab. Endress und Hauser wird dieser Entwicklung durch neue Strukturen gerecht. Kompetenzzentren rund um die Welt kümmern sich gezielt um große Kundenprojekte. Überdurchschnittlich gewachsen ist wiederum das Geschäft mit Dienstleistungen und Automatisierungslösungen. „Alle diese Entwicklungen bestärken uns in unserer strategischen Ausrichtung“, betonte Klaus Endress. „Sorgen bereitet uns hingegen die Kostenentwicklung, denn der steigende Aufwand für Material und Personal sowie der auch von den Wechselkursen beeinflusste Verfall der Margen drücken unseren Gewinn.“

Nicht nur mit Erfolgsmeldungen gespickt

Die von Endress und Hauser propagierte Offenheit trifft zumindest bei der Konkurrenz noch nicht auf ungeteilte Gegenliebe. Auf der letztjährigen Veranstaltung hatte Klaus Endress bei zwei herausragenden Themen eine Öffnung angekündigt:

  • Beim Versuch, die Memosens-Technologie zum industriellen Standard zu machen, ist mit Hamilton Bonaduz allerdings erst ein Hersteller auf der Kooperationsliste. Andere Hersteller scheinen hingegen eher den gegenteiligen Weg zu gehen und bieten mittlerweile vergleichbare Technik mit einem anderen Verschlussystem an.
  • Etwas erfolgversprechender - wenn auch nicht spruchreif - entwickeln sich die Gespräche zur Einbindung von Drittanbietern in das Web basierte Asset Management System namens W@M von Endress und Hauser. Nach mehr als einem Jahr gebe es hier Gespräche mit ernsthaften Interessenten.

Veränderungen im Executive Board der Firmengruppe

Dauerbrenner-Thema auf Endress und Hauser-Pressekonferenzen ist ein möglicher Börsengang oder Verkauf des Messtechnik-Herstellers. Klaus Endress schloss dies wieder einmal kategorisch aus. Wie darüber hinaus am Rande der Veranstaltung zu erfahren war, kann auch ein Anteilsverkauf Einzelner weiterhin auf Jahre ausgeschlossen werden, da die acht Gesellschafter vertraglich an die jetzige Familienstruktur gebunden sind. Das Executive Board der Endress und Hauser AG steht allerdings vor Veränderungen: Dieter Schaudel, Chief Technology Officer (CTO) und Chief Information Officer (CIO) der Firmengruppe und seit vielen Jahren in verantwortlichen Positionen für Endress und Hauser tätig, wird Ende Juni 2008 mit Vollendung des 65. Lebensjahres in den Ruhestand treten. „In nahezu 26 Jahren bei Endress und Hauser hat Herr Schaudel eine Menge für das Unternehmen bewegt - auf dem Gebiet der Strategie, der Technologie, der Informatik, des Patentwesens und der Öffentlichkeitsarbeit“, sagte Klaus Endress. „Dafür sind wir ihm zu großem Dank verpflichtet.“

Dieter Schaudels Verantwortungsbereich wird künftig aufgeteilt. Ein Neuer steht bereits fest. Er heißt Pieter de Koning und wird sich ab 1. September 2008 auf Gruppenebene um Logistik, Informatik und Organisation kümmern. Der 47-Jährige hat Maschinenbau studiert und besitzt einen zusätzlichen Abschluss in Betriebswirtschaft mit Vertiefungsrichtung Informatik und Logistik. Er war für verschiedene Unternehmen in den Bereichen Logistik, Supply Chain Management und Produktion tätig. Zuletzt arbeitete der gebürtige Niederländer in der pharmazeutischen Industrie. Die zweite Neubesetzung stand zum Redaktionsschluss noch nicht fest.

Konkrete Zahlen von der Bilanzmedienkonferenz

Die Firmengruppe steigerte den Umsatz um 13,0 Prozent auf 1,113 Milliarden Euro und das Vorsteuer-Ergebnis um 20,4 Prozent auf 146,1 Millionen Euro. Das Unternehmen investierte 94,8 Millionen Euro in sein weltweites Netzwerk aus Produktion und Vertrieb, ein Plus von 19,4 Prozent.Das Eigenkapital wuchs von 444 Millionen Euro auf 527 Millionen Euro und die Eigenkapitalquote um 2,2 Prozentpunkte auf 58,7 Prozent. Im betrachteten Zeitraum wurden 810 neue Arbeitsplätze geschaffen, wobei Endress und Hauser Ende letzten Jahres 7855 Menschen beschäftigte, knapp zwölf Prozent mehr als vor Jahresfrist.

Mit einem Plus von 15,1 Prozent war die Geschäftsdynamik im asiatisch-pazifischen Raum aus Unternehmenssicht wieder am stärksten. China, Südostasien und Australien wuchsen zweistellig. Europa liegt mit 14,5 Prozent fast gleichauf. Neben Wachstumsmärkten wie Russland, Polen und Tschechien trugen auch Italien, Großbritannien, die Schweiz und insbesondere Deutschland – für Endress und Hauser weiterhin der mit Abstand größte Markt – stark zu diesem Erfolg bei. „Dies zeigt, wie gut die großen europäischen Exportnationen aufgestellt sind“, erklärte Michael Ziesemer, auf Gruppenebene verantwortlich für Vertrieb und Marketing.

Groß war das Wachstum auch in Afrika, wo sich sowohl Südafrika als auch die vom französischen Sales Center betreuten Maghreb-Staaten sehr gut entwickelten. Lediglich für den amerikanischen Kontinent weist Endress und Hauser einen Rückgang der Verkäufe um 0,6 Prozent aus. Der Wertverlust des US-Dollars verfälscht jedoch das Bild: In lokalen Währungen wuchs das Unternehmen in den Vereinigten Staaten, Mexiko, Chile und Brasilien zweistellig. „Drei unserer sechs größten Märkte liegen inzwischen außerhalb Europas“, stellte Michael Ziesemer fest. Nach Deutschland und den USA ist China inzwischen die Nummer drei in dieser Liste, gefolgt von Italien, Frankreich und Japan.

In Rumänien übernahm das Unternehmen 2007 die bisherige Vertretung, in der Türkei wurde ein eigenes Sales Center eröffnet. Im April 2008 gründete Endress und Hauser eine eigene Vertriebsniederlassung in Venezuela. Nach dem Nahen Osten gibt es nun auch in Zentralasien ein eigenes Support Center. Es betreut vom kasachischen Almaty aus Kundenprojekte in der rohstoffreichen Region und koordiniert die Zusammenarbeit mit Partnern vor Ort. „In nächster Zeit wollen wir auch im mittelamerikanischen Raum ein solches Support Center einrichten“, kündigte Klaus Endress an. In Südafrika stärkte Endress und Hauser durch den Kauf des Temperaturmesstechnik-Spezialisten Pyrotemp Services seine Stellung. Das Sales Center Frankreich übernahm den Messtechnik-Dienstleister PB Mesures, um sein Servicegeschäft auszubauen.

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