BME-Thementag Einkauf von Prozessleittechnik

Autor / Redakteur: Dr. Hasso Drathen / Wolfgang Ernhofer

Ausgiebig miteinander geredet haben die Teilnehmer des BME (Bundesverband Materialwissenschaft, Einkauf und Logistik e.V.)-Thementages. Von den 75 Teilnehmern war ein Drittel Anwender, die offen über Märkte, Anforderungen, Krisen und Kostenfallen, aber auch über Strategien wie „Preferred Supplier“ und Lebenszykluskosten berichtet haben. PROCESS war dabei.

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Rund 75 Teilnehmer und Teilnehmerinnen diskutierten und verfolgten die Vorträge beim BME-Thementag zum Thema Prozessleittechnik.
Rund 75 Teilnehmer und Teilnehmerinnen diskutierten und verfolgten die Vorträge beim BME-Thementag zum Thema Prozessleittechnik.
(Bild: Drathen)

Beim Thementag kamen sowohl technische als auch kommerzielle Aspekte zur Sprache. Nach der Eröffnung durch die Moderatorin Christine Eckert, gab Felix Seibl (ZVEI) in seinem Einführungsvortrag einen Überblick über nationale und internationale Marktstrukturen mit Details zu Umsätzen sowie Märkten und verdeutlichte die Bedeutung des Themas.

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Wie wichtig das Thema „Beschaffung von Prozessleittechnik“ aus technischer Sicht heute ist, hob Peter Zgrozelski (Bayer Technology Services) in seinem Beitrag hervor. Verfahrenstechnische Anlagen haben eine durchschnittliche Lebensdauer von 30 Jahren, Feldgeräte ebenfalls, Prozessleitsysteme von 15 Jahren, bei der System-Software liegt sie hingegen unter fünf Jahren, und Software ist heute auch in Feldgeräten enthalten. Das führt zwangsweise zu Kompatibilitätsproblemen speziell bei der Instandhaltung.

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Damit stehen nicht mehr die reinen Beschaffungskosten im Mittelpunkt einer Entscheidung, sondern die Lebenszykluskosten einer Anlage. Die Hersteller sehen sich deshalb gezwungen, Lösungen für die Migration von Leitsystemen, Schutz vor Viren, eine nachhaltige Geräteintegration von Feldgeräten und Instandhaltungskonzepte über den Lebenszyklus der Anlagen anzubieten. Das bedeutet für den Anwender, dass neben der Hardware- und Softwareentscheidung auch der Service eine bedeutende Rolle spielt. Erst dann kann eine kommerzielle Bewertung des Beschaffungsvorgangs vorgenommen werden.

In der Anschaffung geht Qualität vor Preis

Um aus Anwendersicht langfristig wirtschaftlichen Erfolg zu haben, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Einkauf und Technik unerlässlich, betonten Theo Vrommen und Christian Bruns (RWE) in ihrem Vortrag. Bei der Entscheidung zugunsten eines Prozessleitsystems oder von Feldgeräten geht Qualität vor Preis. Langlebige Komponenten müssen nach langlebigen Standards ausgewählt werden. Das führt zwar bei den Herstellern immer wieder zu dem Vorwurf, der Anwender wäre konservativ und würde moderne Technologien nur zögerlich einsetzen, unter dem Aspekt der Lebenszykluskosten ist die Entscheidung aber verständlich.

Wer diese Lebenszykluskosten im Auge hat, benötigt verlässliche Hersteller und Lieferanten. Um hier keine Überraschung zu erleben, sollte kontinuierlich eine technische und kommerzielle Bewertung von Lieferanten durchgeführt werden, wie Peter Giesert (Bayer CropScience) in seinem Beitrag verdeutlichte. Das kann zum Beispiel zu einer Entscheidung für einen Preferred Supplier führen, wie Christoph Lammertz (Lanxess) detailliert erörterte. Andreas Funke (Süd Chemie) arbeitete hingegen die Risiken eines Preferred Suppliers heraus: Dies sei schließlich nur eine von mehreren Möglichkeiten.

Neben guter Technik und akzeptablem Preis muss der Hersteller auch ein tragfähiges Lebensdauerkonzept „mitbringen“, weil der richtige Wartungs- bzw. Lifecycle-Vertrag die Materialverfügbarkeit deutlich erhöht. Eine gute technische Spezifikation erleichtert zwar die Ausschreibung und die Lieferantenauswahl, weil funktionale Anforderungen in einem Lastenheft dokumentiert werden können, die Verfügbarkeitsanforderungen und der Investitionsschutz sind dagegen nur schwer darstellbar. Eine partnerschaftliche Zusammenarbeit nutzt beiden Seiten: Dem Hersteller, weil er einen zufriedenen langfristigen Kunden hat, und dem Anwender, weil er für den ganzen Lebenszyklus der Anlage eine zuverlässige Prozessleittechnik besitzt.

* Der Autor ist freier Mitarbeiter bei PROCESS.

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