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Instandhaltung

Dienstleister übernehmen Instandhaltungsaufgaben bis hin zur Komplettverantwortung

| Autor/ Redakteur: Hans-Jürgen Bittermann / Jörg Kempf

Ob Instandhaltung noch eine Kernaufgabe für ein Chemieunternehmen oder bei einem Dienstleister besser untergebracht ist – diese Frage muss jeder für sich selbst entscheiden. Fakt ist: Wer Wartungs- und Instandhaltungsaufgaben vernachlässigt oder fehlerhaft durchführt, verlagert lediglich Kosten in die Zukunft. Deshalb haben sich die meisten externen Dienstleister das Thema vorausschauende Wartung auf die Fahne geschrieben. PROCESS stellt ausgewählte Serviceleistungen und Angebote vor.

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Der TÜV Süd Chemie Service ist auf Dienstleistungen für die Chemie und Prozessindustrie spezialisiert.
Der TÜV Süd Chemie Service ist auf Dienstleistungen für die Chemie und Prozessindustrie spezialisiert.
( Archiv: Vogel Business Media )

Agieren statt Reagieren sei am erfolgreichsten, so das Ergebnis der Unternehmensbefragung „Intelligent Maintenance“ durch Prof. Dr. Günther Schuh, RWTH Aachen. Eine vorausschauende und intelligente Instandhaltung vermeidet Schäden und verhindert damit Stillstände und Umsatzausfälle: Die Kosten für unterlassene oder fehlerhafte Instandhaltung schätzen Experten rund viermal so hoch ein wie die direkten Instandhaltungskosten. Trotzdem ist die zustandsorientierte Instandhaltung kein Patentrezept für alle Unternehmen und jede Anlagenkomponente. Deshalb heißt es folgerichtig in der Studie: „Für alle Instandhaltungsaktivitäten muss der Aufwand dem Nutzen gegenübergestellt werden“.

Branchenerfahrung bevorzugt

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Externe Dienstleister können die jeweils erfolgversprechendste Strategie sicher mit am besten einschätzen – besonders dann, wenn sie sich auf eine bestimmte Branche spezialisiert haben: So profitiert jeder Auftraggeber von den Erfahrungen des Dienstleisters bei anderen Unternehmen. Wie beispielsweise TÜV Süd. „Mit unseren qualifizierten und branchenspezifischen Dienstleistungen stehen wir unseren Kunden als Partner in allen bedeutenden Chemiezentren der Welt zur Seite“, so Dr.-Ing. Hans-Nicolaus Rindfleisch, Leiter des TÜV Süd Chemie Service in Leverkusen. In diesem Geschäftsbereich bündelt der Technik-Dienstleister das gesamte Know-how rund um die Verfügbarkeit, Sicherheit und Zuverlässigkeit von Anlagen in der Chemie- und Prozessindustrie. Als One-Stop-Dienstleister offeriert das Unternehmen Services von der Planung über den Bau und Betrieb bis zum Rückbau der Anlagen.

Kürzlich hat TÜV Süd die Petrochem Inspection Services übernommen und damit den weltweiten Spezialisten-Pool für Branchendienstleistungen in der chemischen Industrie verdreifacht. Das Portfolio von Petrochem umfasst werkstoff- und sicherheitstechnische Untersuchungen von Anlagen sowie Umweltprüfungen.

Die nötige Branchenerfahrung bringt ganz gewiss Bayer Technology Services (BTS) mit; der Dienstleister offeriert seinen Auftraggebern u.a. Troubleshooting, Debottlenecking, Wartung und Instandhaltung. Das umfasst beispielsweise auch ein Korrosionsmanagement: Hintergrund ist die Überzeugung, dass für eine zustandsorientierte Instandhaltung die quantitative Beschreibung der Korrosion mittels Online-Messungen unerlässlich ist. Dabei reiche es aus, die Größenordnung der Schädigung abzuschätzen, um den Reparaturaufwand beim Stillstand kalkulieren zu können – meinen die BTS-Techniker.

Komplette Verantwortung

Der Anlagenbetreiber H&R Chempharm hat für die Spezialraffinerie Salzbergen sämtliche Verantwortlichkeiten in puncto Instandhaltung auf Thyssenkrupp Xervon übertragen – inklusive der vertraglich vereinbarten Zielsetzung einer „signifikanten Kostensenkung“. Der Rahmenvertrag umfasst auch die technische Projektplanung, das Ersatzteilmanagement, die wertmäßige Übernahme des Ersatzteilmagazins, den Einkauf und die Koordination aller Subkontraktoren sowie die Abbildung der Organisation und des Lagermanagements über das SAP-System des Dienstleisters. Sämtliche Verträge mit Drittlieferanten, die in irgendeiner Form mit einer Reparatur zu tun haben, laufen über den General-Instandhalter. Dadurch hat der Betreiber in allen Fragen der Instandhaltung nur noch einen Ansprechpartner.

Ob Neu- und Umbauten, Reparaturen, Shutdowns oder vorbeugende Instandhaltung der Anlagen durch moderne Überwachungsverfahren (Condition Monitoring): alle Instandsetzungsaufgaben werden von speziell geschulten Mitarbeitern durchgeführt. Schließlich müssen gerade auf einem Raffineriegelände eine Vielzahl von Arbeitssicherheitsbestimmungen, Umweltschutzvorschriften und weitere Richtlinien beachtet werden.

Instandhaltungskonzepte gefragt

Bilfinger Berger Industrial Services (zuvor: Rheinhold & Mahla) bündelt in seinem Portfolio unter dem Motto „Solutions for Industrial Services“ unterschiedliche Serviceleistungen für den gesamten Lebenszyklus von Prozessanlagen. Instandhal-tungsangebote für die Chemie- und Pharmaindustrie offeriert das Unternehmen als Einzelprojekte, Main Contracts oder Full-Service-Modelle. Der Beratungs- und Lösungsansatz geht von der ganzheitlichen Betrachtung der Produktionsprozesse in den Unternehmen aus und schließt dabei auch die Optimierung verfahrenstechnischer Prozesse sowie die Auslegung und Prüfung von Apparaten ein. Zu den Spezialkompetenzen gehören die Planung, Errichtung und Instandhaltung von Prozessanalysenmessgeräten, Validierung, Kalibrierung und Service von Laborgeräten, Ins-tandsetzung und Kalibrierung von Geräten der Mess- und Regeltechnik sowie Feldbus-Dienstleistungen.

Zur Reduzierung der Fixkosten und Steigerung der Betriebseffizienz stellt der Dienstleister einen umfangreichen Mietgerätepool mit Pumpen, Motoren und Umrichtern zur Verfügung. In Verbindung mit den modularen Instandhaltungspaketen ließen sich damit messbare Kostenvor-teile erreichen, so das Unternehmen. Gleichzeitig könne der Auftraggeber eine erhöhte Anlagenverfügbarkeit und eine verbesserte Produktionsqualität erwar-ten.

Fazit: Jegliche Technik unterliegt einem natürlichen Verschleiß. Die regelmäßige Instandhaltung sichert die Verfügbarkeit einer Anlage und trägt zum Werterhalt teurer Aggregate bei. Wartung und Instandhaltung werden somit heute nicht mehr unter reinen Kostenaspekten beurteilt, sondern als Wettbewerbsfaktor angesehen. Branchenerfahrene Dienstleister kennen die Vorgaben des Gesetzgebers, beispielsweise die Betriebssicherheitsverordnung, und können den Anlagenbetreiber wirksam entlasten.

Energieeinsparung: Gewusst wie

Erzeugt ein Industrieunternehmen seine Energie selbst, sind neben der optimalen Bedarfsabstimmung zahlreiche Rahmenbedingungen zu beachten. Wer bei dieser komplexen Aufgabe Unterstützung sucht, dem kann VTU Engineering zur Seite stehen. Der Anlagenplaner mit speziellem Know-how in der Prozessentwicklung und -optimierung hat eine Gruppe von Kraftwerkstechnik-Experten aufgebaut, die sämtliche Planungs- und Beratungsaufgaben im Bereich der Energieumwandlung abdecken. Ziel des Dienstleisters ist es, wesentliche Kosten- und Betriebsmittel-einsparungen zu erreichen, ohne dabei die Qualität und Verfügbarkeit des Produktionsprozesses zu gefährden.

Der Autor ist freier Mitarbeiter bei PROCESS.

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