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Über das Potenzial von Diagnosesystemen gibt es weder bei Herstellern noch bei Anwendern Zweifel. Ganz oben steht das Erkennen des Wartungsbedarfs. „Informationen liefern die Drehmomentauslastung, die Laufzeit oder die Schalthäufigkeit. Darüber hinaus können die Umgebungsbedingungen stark variieren“, so Joachim Rist von Auma. „Einen sinnvollen Wartungszyklus im Vorfeld zu bestimmen, ist schwierig. Durch die Auswertung der Diagnosedaten werden zu lange oder zu kurze Wartungsintervalle vermieden.“
Rist nennt noch einen weiteren Aspekt: War früher der Nachweis, dass Geräteausfälle auf unzulässige Betriebsbedingungen zurückzuführen sind, z.B. zu hohe Schalthäufigkeit, zu hohe Umgebungstemperaturen oder zu starke Vibrationen, schwer zu führen, ist dies mit einem modernen Diagnosesystem frühzeitig möglich.
Grundsätzlich sollte man durch die richtige Interpretation der Diagnosedaten schon mal eingrenzen können, ob das Problem im Ventil, im Antrieb oder im Stellungsregler selbst liegt. „Die zur Verfügung stehenden Diagnosedaten sind jedoch, in Abhängigkeit vom verwendeten Gerät, unterschiedlich in Qualität und Quantität", erklärt Michael Schmitz von Metso.
So können z.B. sich ändernde Prozessbedingungen sowie Umwelteinflüsse (Zuluftdruck, Temperatur), sich aus Einbauort und Lage ergebende Probleme (turbulente Strömung, Kavitation) oder ein fehlerhaft arbeitender übergeordneter Prozessregler diagnostiziert werden. „Durch eine erweiterte Diagnose kann eine verfahrenstechnische Anlage also sogar optimiert und die Produktivität gesteigert werden", ist Schmitz überzeugt.
Anwenderakzeptanz ist hoch
„Die Anwenderakzeptanz ist generell hoch, da sich vor allem die Großchemie des vielfältigen Nutzens bewusst ist“, beschreibt Pomsel die Lage. „Jedoch bereitet die Einbindung der Statussignale in das PLS offenbar Probleme, so dass sich die Nutzung der Diagnosesysteme noch nicht durchgesetzt hat“, bemängelt Pomsel. Zwar ist die Aufbereitung der Diagnoseinformationen nach der NE 107 über voreingestellte Grenzwerte mittlerweile sehr anwenderfreundlich, allerdings: „Die Grenzwerte sind anwender- bzw. anlagenspezifisch", weiß Pomsel.
So ist der Wartungsbedarf einer Stopfbuchspackung zum Beispiel eng mit der Hubzahl und der Anzahl der Richtungswechsel korreliert. Dabei spielen auch Faktoren wie Packungsmaterial, Betriebsdruck und -temperatur eine große Rolle, so dass der Hersteller kaum Vorgaben machen kann. Die Konsequenz für Arca Regler lautet daher, dass sich die potentiellen Anwender intensiver mit den verschiedenen Möglichkeiten von Diagnosesystemen befassen und Erfahrungen sammeln müssen. Erst dann lassen sich anlagenspezifische und praxistaugliche Grenzwerte festlegen.
Einen weiteren Trend sieht Dr. Ralf Huck, Leiter Subsegment Druck, Temperatur, Positioner, Siemens-Division Industry Automation, Nürnberg: „Da alle Anwender, Kunden etc. gerade für die Zukunft bestens gerüstet sein wollen, verlängern sich Investment-Zyklen; Produkt-Lifecycle-Management und die Möglichkeiten der präventiven Wartung entscheiden über die Akzeptanz eines Produktes.“ Der Trend speziell bei den Stellungsreglern sieht Dr. Huck darin, dass mehr und mehr umfassende und verlässliche Diagnosefunktionen verlangt werden – insbesondere in Greenfield-Projekten in BRIC-Ländern oder in Anlagen mit hohen technischen Standards, in denen Wartungsarbeiten besonders kostenintensiv sind. „Es besteht noch ein großes Potenzial zur Nutzung von Diagnosefunktionen. Unterstützt wird dies durch den zunehmenden Einsatz digitaler Stellungsregler", so Dr. Huck.
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