Interview „Der Sprung zur Führungskraft erwischt die meisten kalt!“

Autor: M.A. Manja Wühr

Einige haben gezielt daraufhin gearbeitet. Andere trifft er völlig überraschend. Der Karrieresprung zur Führungskraft. Wie er gelingen kann und was es dazu braucht, darüber spricht Karriereprofi Nils Schmidt, Vorstand vom Verband für Fach- und Führungskräfte.

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Nils Schmidt, Vorstand des Verbands für Fach- und Führungskräfte (DFK): „In der Ausbildung spielt Führung in den wenigsten Fällen eine Rolle. Wenn der Karrieresprung kommt, erwischt es die meisten kalt.“
Nils Schmidt, Vorstand des Verbands für Fach- und Führungskräfte (DFK): „In der Ausbildung spielt Führung in den wenigsten Fällen eine Rolle. Wenn der Karrieresprung kommt, erwischt es die meisten kalt.“
(Bild: Dirk Schumacher Photographer BFF Solingen)

Herr Schmidt, der berüchtigte Karrieresprung, wie hat er bei Ihnen geklappt?

Nils Schmidt: Ich wurde vor ungefähr zwei Jahren in den Vorstand berufen. Aus der Fachkraft wurde eine Führungskraft. Und mit einem Mal war ich der disziplinarische Vorgesetzte meiner Kolleginnen und Kollegen. Was nicht einfach war.

Bereitet das Studium denn nicht auch auf Führungsaufgaben vor?

Gar nicht. In der Ausbildung spielt Führung in den wenigsten Fällen eine Rolle. Außer sie ist stark auf Eigenverantwortung und Verantwortungsübernahme ausgerichtet. Das ist aber selten. Wenn der Karrieresprung kommt, erwischt es die meisten kalt.

Sie auch?

Ja klar. Ich habe damals um ein Coaching gebeten. Das hat mir sehr geholfen, meinen eigenen Führungsstil zu entwickeln. In meinem Coach hatte ich hierfür eine gute Sparringspartnerin. Auch wenn nicht alles gepasst hat, konnte ich mir so einiges mitnehmen.

Und was konkret?

Ein Beispiel: Ich denke nicht besonders hierarchisch. Doch es muss klar sein, wer die Verantwortung hat. Wer letztendlich entscheidet, was gemacht wird und was nicht. Da hat mir das Coaching sehr geholfen.

Worauf sollte man bei der Auswahl eines Coachs achten?

Coach ist kein geschützter Begriff. Da muss man sehr genau hinsehen. Vor allem die Ausbildung und den beruflichen Werdegang sollte man sich anschauen und mit den eigenen Vorstellungen abgleichen. Aber am Ende ist das eine sehr individuelle Entscheidung. Mein Tipp: Treffen Sie eine Auswahl und führen Sie mit den Coachs Kennenlerngespräche. Diese sind kostenlos und offenbaren schnell, ob sie oder er zu einem passt oder nicht.

Was war Ihnen bei der Auswahl wichtig?

Ich wollte einen Coach, der mich begleitet und nicht alles vorgibt. Als hilfreich habe ich auch empfunden, dass mein Coach eine Frau war. Das hat mir auf viele Dinge eine andere Perspektive gegeben. Zudem hat sie viel Erfahrung aus dem unternehmerischen Bereich mitgebracht.

Grundsätzlich muss der Arbeitgeber den Mitarbeiter für eine Weiterbildung freistellen – fünf Tage in einem Jahr oder zehn Tage für zwei Jahre.

Weiterbildung kostet Zeit und Geld. Welche Rechte kann ich gegenüber meinem Arbeitgeber geltend machen?

Vieles ist in den Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen geregelt. Zudem haben die meisten Bundesländer einen Anspruch auf Fortbildungstage gesetzlich festgeschrieben. Grundsätzlich muss der Arbeitgeber den Mitarbeiter für eine Weiterbildung freistellen – fünf Tage in einem Jahr oder zehn Tage für zwei Jahre.

Was wenn die Weiterbildung mehr Zeit beansprucht?

Immer miteinander reden. Oft ist eine Weiterbildung auch im Interesse der Arbeitgeber. In diesen Fällen sind sie meist auch bereit ihre Leute freizustellen und sich an den Kosten zu beteiligen. Im Gegenzug wollen die Arbeitgeber ihren Mitarbeiter je nach Weiterbildung für eine gewisse Zeit an das Unternehmen binden.

Gibt es bestimmte Kompetenzen, die man als Führungskraft entwickeln muss?

Nein, dazu ist Führung zu individuell. Das hängt ja von der Person, dem Unternehmen, der Branche oder auch dem Team ab. Wichtig ist es, seinen eigenen Führungsstil zu entwickeln, bloß nicht kopieren! Man muss authentisch bleiben.

Welche Möglichkeiten habe ich, um Führen zu lernen?

Natürlich gibt es die klassischen Formate der Fortbildung wie Seminare. Ich rate immer zu praxisorientierten Angeboten, in denen etwa die verhassten Rollenspiele gemacht werden. Diese ermöglichen es, bestimmte Situationen durchzuspielen und ehrliches Feedback zu erhalten. Das wird man in der täglichen Arbeit so nicht bekommen.

Was können Sie noch empfehlen?

Immer mehr Leute kommen auf unseren Verband zu und fragen nach einem Mentor. Sie suchen jemanden, der sie auf ihrem Weg begleitet und der ihnen Einblicke in Führungsaufgaben gewährt. Aus einem Mentoring kann man viele wichtige Erkenntnisse mitnehmen.

Haben Sie ein Beispiel?

Im Extremfall die Erkenntnis, dass ich keine Führungskraft sein kann und will. Viele Fachkräfte sind sehr gut in dem, was sie tun. Und mit viel Leidenschaft dabei. Doch ich kenne auch Angestellte, die wollen sich nicht wirklich mit anderen auseinander setzen. Da bringt dann auch das beste Coaching nichts.

Also muss man zur Führungskraft doch geboren sein?

Nein, Führung kann man lernen. Das ist keine Raketenwissenschaft. Aber wie im Sport gibt es auch hier Talente.

* Die Autorin arbeitet als Fachredakteurin „Management“ für die Vogel Communications Group.

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Über den Autor

M.A. Manja Wühr

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