Ausrichtung auf Kreislaufwirtschaft Covestro mit deutlicher Verbesserung im zweiten Halbjahr 2020

Redakteur: MA Alexander Stark

Der Werkstoffhersteller Covestro hat das Ausnahmejahr 2020 nach eigenen Angaben stark abgeschlossen und habe vor allem in der zweiten Jahreshälfte von seinem konsequenten Krisenmanagement und der Erholung der Nachfrage profitiert. Trotz eines erfolgreichen vierten Quartals konnte der Konzern die massiven, pandemiebedingten Einschnitte aus dem ersten Halbjahr jedoch nicht vollständig ausgleichen.

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„Wir sind sicher durch dieses außergewöhnliche Jahr gekommen und haben unsere Handlungsfähigkeit jederzeit bewahrt“, sagte der Covestro-Vorstandsvorsitzende Dr. Markus Steilemann mit Blick auf das Jahr 2020.
„Wir sind sicher durch dieses außergewöhnliche Jahr gekommen und haben unsere Handlungsfähigkeit jederzeit bewahrt“, sagte der Covestro-Vorstandsvorsitzende Dr. Markus Steilemann mit Blick auf das Jahr 2020.
(Bild: Covestro)

Leverkusen – Im Gesamtjahr 2020 sanken die abgesetzten Mengen im Covestro-Kerngeschäft auf Konzernebene um 5,6 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Auch der Konzernumsatz ist mit rund 10,7 Milliarden Euro um 13,7 % im Vorjahresvergleich zurückgegangen. Mit umfangreichen Maßnahmen zur Kosteneinsparung konnte der Konzern den Rückgang im Ebitda auf 8,2 % im Jahresvergleich begrenzen und das Geschäftsjahr 2020 wie prognostiziert mit rund 1,5 Milliarden Euro abschließen (Vorjahr: rund 1,6 Milliarden Euro). Das Konzernergebnis erreichte 459 Millionen Euro (–16,8 %), der Free Operating Cash Flow (FOCF) erhöhte sich auf 530 Millionen Euro (+12,1 %).

Im vierten Quartal 2020 stiegen die abgesetzten Mengen im Kerngeschäft um 1,7 % gegenüber dem Vorjahreswert. Der Konzernumsatz erhöhte sich dadurch und aufgrund eines höheren Verkaufspreisniveaus um 5,0 % auf 3,0 Milliarden Euro. Das Ebitda belief sich im vierten Quartal 2020 auf 637 Millionen Euro und hat sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Das Konzernergebnis stieg deutlich von 37 Millionen Euro im Vorjahresquartal auf 312 Millionen Euro. Auch der FOCF erhöhte sich im vierten Quartal um 19,4 % auf 394 Millionen Euro.

„Wir sind sicher durch dieses außergewöhnliche Jahr gekommen und haben unsere Handlungsfähigkeit jederzeit bewahrt: Durch umfassende Maßnahmen haben wir unsere Beschäftigten geschützt, Lieferketten aufrecht erhalten und unsere starke Liquiditätsposition ausgebaut“, sagte der Vorstandsvorsitzende Dr. Markus Steilemann. „So konnten wir auch im Jahr 2020 unsere strategischen Ziele aktiv weiterverfolgen: Wir haben unsere Vision zur vollständigen Ausrichtung auf die Kreislaufwirtschaft formuliert und mit der angekündigten Übernahme des Geschäftsbereichs Resins & Functional Materials von DSM einen entscheidenden Schritt auf diesem Weg gemacht.“

Ausrichtung auf Kreislaufwirtschaft

Der Konzern hat im Geschäftsjahr 2020 bekannt gegeben, sich vollständig auf die Kreislaufwirtschaft auszurichten. Um diese langfristige Vision zu erreichen und Zirkularität in allen Geschäftsbereichen zu verankern, hat der Konzern vier Themen in den Fokus gerückt: Alternative Rohstoffe, Innovatives Recycling, Gemeinsame Lösungen sowie Erneuerbare Energien.

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Um sich im Zuge der Coronavirus-Pandemie robust aufzustellen und Liquiditätsreserven zu sichern, hat Covestro im vergangenen Jahr zahlreiche zusätzliche Maßnahmen zur Kostenreduktion ergriffen. Im Ergebnis hat der Konzern damit insgesamt 360 Millionen Euro an kurzfristigen Einsparungen realisiert. Auch das bereits im Jahr 2018 gestartete Effizienzprogramm „Perspective“ trug im Geschäftsjahr 2020 mit 130 Millionen Euro zur Kostenreduktion bei und wurde zum Jahresende wie angekündigt abgeschlossen.

Zusätzlich hat Covestro im Jahr 2020 verschiedene Finanzierungsmaßnahmen ergriffen. Dabei hat der Konzern, wo möglich, das gewählte Finanzinstrument an die eigene Nachhaltigkeitsperformance gekoppelt und damit seine Ambitionen in diesem Bereich unterstrichen. So ist die im März 2020 abgeschlossene, syndizierte Kreditfazilität in Höhe von 2,5 Milliarden Euro mit einem Environment, Social, Governance (ESG)-Rating verknüpft: Je besser Covestro dabei abschneidet, desto geringer fällt die Zinskomponente der Kreditlinie aus.

Neuausrichtung der Strategie: Vision als Leitprinzip

Mit dem Ziel der vollständigen Ausrichtung auf die Kreislaufwirtschaft und als Antwort auf sich verändernde Markterwartungen hat Covestro seine Konzernstrategie weiter vorangetrieben. Im Fokus stehen dabei eine geschärfte Kundenorientierung und nachhaltiges Wachstum. Daher plant der Konzern, sein Geschäft ab 1. Juli 2021 in einer neuen, maßgeschneiderten Struktur mit sieben operativen Geschäftseinheiten zu führen, die auf die Kundenbedürfnisse und Wettbewerbslandschaft zugeschnitten sind. Der Konzern unterscheidet künftig die zwei Bereiche Performance-Materialien sowie das Lösungs- und Spezialitätengeschäft.

Künftig will der Konzern sich künftig bei Investitionen, Akquisitionen sowie Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten noch konsequenter an Nachhaltigkeitskriterien orientieren. Im Zuge der vollständigen Ausrichtung auf die Kreislaufwirtschaft baut Covestro sein Portfolio an zirkulären Produkten zudem gezielt aus.

Prognose 2021: Ergebnisse über Vor-Pandemie-Niveau 2019 erwartet

Für das Geschäftsjahr 2021 rechnet der Leverkusener Konzern mit einem Mengenwachstum im Kerngeschäft zwischen 10 % und 15 %. Hiervon entfallen rund 6 Prozentpunkte akquisitionsbedingt auf den Geschäftsbereich Resins & Functional Materials (RFM) von DSM, dessen Übernahme der Konzern angekündigt hat. Darüber hinaus erwartet Covestro einen FOCF zwischen 900 Millionen und 1,4 Milliarden Euro sowie einen ROCE zwischen 7 % und 12 %. Für das Ebitda rechnet der Konzern für das Gesamtjahr 2021 mit einem Wert zwischen 1,7 Milliarden und 2,2 Milliarden Euro. Im ersten Quartal 2021 wird ein Ebitda zwischen 700 Millionen und 780 Millionen Euro erwartet.

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