Investorenkonferenz 2021 Covestro investiert Milliardenbetrag in Kreislaufwirtschaft

Redakteur: Alexander Stark

Im Zuge seiner neuen Strategie „Sustainable Future“ will sich Covestro weiter auf die Kreislaufwirtschaft und den strukturell steigenden Bedarf an nachhaltigen Lösungen ausrichten. Politische Initiativen zur Reduzierung von Treibhausgasen etwa in China, Europa und den USA treiben die Nachfrage vor allem in den Bereichen energieeffizientes Bauen und Elektromobilität. Am Wachstum dieser Märkte will der Konzern teilhaben.

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Covestro setzt auf den Ausbau seines nachhaltigen Portfolios.
Covestro setzt auf den Ausbau seines nachhaltigen Portfolios.
(Bild: Covestro)

Leverkusen – Vor dem Hintergrund internationaler Bemühungen zur Reduktion von Treibhausgasen erwartet Covestro, dass sowohl der globale Bedarf an dem Hartschaum-Vorprodukt MDI als auch dem Weichschaum-Vorprodukt TDI bis 2025 um jährlich sechs Prozent wachsen wird. Vor allem für MDI trifft die Nachfrage auf eine bereits hohe Auslastung der industrieweiten Kapazitäten. Im Rahmen seiner diesjährigen Investorenkonferenz kündigte der Konzern daher an, das Anfang 2020 vorübergehend pausierte Investitionsprojekt zum Bau einer World-Scale MDI-Anlage wieder aufzunehmen. Das Unternehmen plant dabei den Einsatz der energieeffizienten AdiP-Technologie, die bereits am deutschen Standort Brunsbüttel angewendet wird. In einer MDI-Anlage können mit dieser Technologie bis zu 40 % Wasserdampf und 25 % Strom pro Tonne Produkt eingespart werden – der CO2-Ausstoß wird dem Konzern zufolge so um bis zu 35 % verringert. Als potenzieller Standort für den Bau der neuen World-Scale MDI-Anlage werden die USA und China geprüft. Die finale Entscheidung soll nach Abschluss der aktuellen Projektphase getroffen werden. Die Inbetriebnahme der Anlage ist für 2026 geplant.

Covestro hat angekündigt, nachhaltig wachsen zu wollen und richtet Investitionen und Akquisitionen künftig noch konsequenter an den Aspekten Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit aus. Dr. Thomas Toepfer, Finanzvorstand von Covestro: „Um unsere ambitionierten Ziele zu erreichen und uns vollständig auf die Kreislaufwirtschaft auszurichten, planen wir in den kommenden zehn Jahren rund eine Milliarde Euro gezielt in Projekte zur Kreislaufwirtschaft zu investieren.“

Zudem spielt organisches Wachstum weiterhin eine zentrale Rolle: Während 2021 rund 800 Millionen Euro investiert werden, erhöht der Konzern die Investitionen in den Folgejahren deutlich. Damit wachsen die Investitionen im Durchschnitt auf oder leicht über dem Niveau der Abschreibungen. Im Segment „Performance Materials“ werden die Investitionsausgaben durch den geplanten Bau der neuen World-Scale MDI-Anlage vor allem in den Jahren 2024 bis 2026 erheblich steigen. Um den Nachfragezuwachs auch für TDI bedienen zu können, wird Covestro bereits bis 2023 am deutschen Standort Dormagen seine Produktionskapazitäten für TDI durch Debottlenecking erweitern.

Auch in das Segment „Solutions and Specialties“ investiert der Konzern: Bis 2025 sollen rund 300 Millionen Euro in zusätzliche Kapazitäten des Bereichs Coatings & Adhesives fließen, um weiter zu wachsen. Zusätzlich erweitert Covestro seine Compoundierungs-Kapazitäten für die weltweite Produktion seines hochdifferenzierten Polycarbonats und plant sich künftig im Bereich der Polycarbonate ganz auf diesen Wachstumsmarkt auszurichten. Darüber hinaus sieht das Unternehmen einen steigenden Bedarf nach seinen Produkten des Bereichs Specialty Films, vor allem im Medizinbereich und bei holografischen Folien. Um diesen zu bedienen, investiert Covestro bis 2025 rund 200 Millionen Euro in zusätzliche Kapazitäten.

Deutlicher Anstieg des Mid-Cycle Ebitda bis 2024

Covestro hat sein Geschäft im Zuge der neuen Strategie im Juli 2021 in die zwei Segmente „Solutions and Specialties“ sowie „Performance Materials“ überführt. Der Konzern legt damit mehr unternehmerische Verantwortung in die jeweiligen Geschäftseinheiten und hat die operativ erfolgskritischen Aktivitäten entlang der Wertschöpfungskette direkt in diese neuen Einheiten eingebettet. So sollen die Anforderungen der jeweiligen Märkte und die individuellen Bedürfnisse der Kunden besser adressiert werden. In beiden Segmenten erwartet der Konzern bis 2025 einen Anstieg der Kernabsatzmengen. Dies soll sich auch in den Ergebnissen niederschlagen: Während die Margen im Segment „Performance Materials“ stark angebots- und nachfragegetrieben sind, sollen die Margen im Segment „Solutions and Specialties“ ab 2024 auf 17 % gesteigert werden.

Basierend auf der organisatorischen Neuaufstellung, der erfolgreichen Integration des im April 2021 übernommenen Geschäftsbereichs „Resins & Functional Materials“ von DSM sowie dem nachhaltigkeitsgetriebenen Nachfragewachstum erwartet Covestro einen Anstieg des Mid-Cycle Ebitda von aktuell 2,2 Milliarden Euro auf 2,8 Milliarden Euro im Jahr 2024.

Gleichzeitig soll die neue Konzernstruktur signifikante Effizienzpotenziale bieten, die das Unternehmen bis 2023 heben will. Ziel ist es, die richtige Basis für die langfristige Unternehmensentwicklung zu schaffen. Wie bereits angekündigt, prüft das Unternehmen bei allen Tätigkeiten und Prozessen weltweit, ob sie zu dieser Strategie passen. Insgesamt sollen die Fixkosten 2023 auf dem Niveau von 2020 bleiben.

Erweiterung des nachhaltigen Produktportfolios

Auf dem Weg zur vollständigen Ausrichtung auf die Kreislaufwirtschaft investiert Covestro weiter in Zukunftstechnologien und vergrößert fortlaufend sein nachhaltiges Produktportfolio. So hat das Unternehmen mittlerweile rund 45 Produkte auf Basis alternativer Rohstoffe erfolgreich kommerzialisiert und treibt knapp 90 entsprechende Forschungsprojekte voran.

Im Jahr 2021 seien wichtige Meilensteine auf diesem Weg erreicht worden, so Covestro. Das Unternehmen bietet an inzwischen drei nach ISCC Plus-zertifizierten Standorten (Antwerpen in Belgien, Schanghai in China, Krefeld-Uerdingen in Deutschland) massenbilanzierte nachhaltige Produkte an. Durch dieses sogenannte „Internationale Nachhaltigkeits- und Kohlenstoff-Zertifikat“ kann Covestro seinen Kunden den Hochleistungskunststoff Polycarbonat sowie das Hartschaum-Vorprodukt MDI aus alternativen Rohstoffen anbieten – hergestellt in gleichbleibend hoher Qualität wie ihre Pendants auf fossiler Basis, wie der Hersteller betont.

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