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Chemiekonjunktur Corona und kein Ende – Die Chemie leidet

| Redakteur: Anke Geipel-Kern

Gebremste Stimmung in der Chemieindustrie. Die Weltkonjunktur machte der Branche schon 2019 zu schaffen und jetzt kommt auch noch der Coronavirus dazu. Die Aussichten für 2020 sind für die deutschen Chemieunternehmen entsprechend mau.

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VCI-Geschäftsführer Wolfgang Große Entrup
VCI-Geschäftsführer Wolfgang Große Entrup
(Bild: VCI )

Frankfurt – Die Stimmung in der Chemiebranche war schon mal besser. Drückten bereits 2019 Protektionismus, Handelsstreitigkeiten sowie das Brexit-Desaster die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr um rund 3 % nach unten, so kommt dieses Jahr noch der Coronavirus dazu. Die mittlerweile von der WHO zur Pandemie erklärte Infektionskrankheit erwischt die Branche also zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt.

Wenig überraschend erwartet VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup deshalb ein schwieriges Geschäftsjahr: „Die Auswirkungen der Corona-Epidemie werden die exportorientierte deutsche Industrie und damit auch die Chemie zu spüren bekommen.“ Und zu diesem Zeitpunkt war die Ankündigung des amerikanischen Präsidenten für 30 Tage keine Europäer mehr ins Land zu lassen noch gar nicht bekannt.

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Produktion und Umsätze sinken

Entsprechend fällt die Prognose für 2020 aus. Der Verband rechnet mit einem Rückgang der Chemieproduktion von 1,5 %. Die Menge der in Deutschland produzierten Chemikalien werde bestenfalls gleich bleiben. Der Branchenumsatz bleibe voraussichtlich mit 196 Milliarden Euro unverändert.

Mit ein Grund: Die Rezession trifft auch die deutsche und europäische Industrie mit voller Wucht. Vor allem die Absatzkrise der Automobilbranche wirkt sich aus. Einer der wichtigsten Käufer von Kunststoffen und anderen Chemikalien schwächelt sowohl in Deutschland als auch in China.

Einmal mehr zeigt sich also wie eng die Verflechtungen der internationalen Lieferketten sind und wie stark die Abhängigkeit der deutschen Chemie vom Export ist, besonders nach China.

Wie steht´s mit dem Green Deal der EU?

Mit gemischten Gefühlen sieht der Chemieverband auch den Green Deal der EU-Kommission. Nach Analysen des VCI sei die Chemieindustrie von 46 der 47 geplanten Maßnahmen aus dem Green Deal direkt oder indirekt betroffen. Von fast 80 % der vorgestellten Initiativen sogar unmittelbar. Vielfach könne von diesen Regulierungen eine disruptive Wirkung für den Chemiesektor ausgehen, warnt Große Entrup.

Verfahrenstechnisch sei für die Chemiebranche CO2-neutrale Produktion umsetzbar. Realisieren lasse sich eine klimaneutrale Produktion aber nur mit enormen Mengen von grünem Strom zu international wettbewerbsfähigen Preisen für die Elektrifizierung der Produktionsprozesse. Helfen würden bei dem Weg in die Klimaneutralität allerdings keine Verbote sondern „Rückenwind für Innovationen“.

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