VCI-Halbjahresbilanz Chemieindustrie verbucht starke Bilanz trotz Pandemie und Lieferengpässen

Redakteur: M.A. Manja Wühr

Nach einem guten ersten Quartal der chemisch-pharmazeutischen Industrie setzt sich der Aufwärtstrend bei der Nachfrage im In- und Ausland sowie der Preisentwicklung fort. Einzig die Entwicklung der Pandemie und die fortdauernden Probleme in den Lieferketten trüben die Stimmung in Deutschlands drittgrößter Industriebranche.

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Trotz Pandemie legt die chemisch-pharmazeutische Industrie eine starke Bilanz für das erste Halbjahr 2021 vor.
Trotz Pandemie legt die chemisch-pharmazeutische Industrie eine starke Bilanz für das erste Halbjahr 2021 vor.
(Bild: ©Dilok - stock.adobe.com)

Frankfurt am Main – Zum Bergfest des Jahres hat chemisch-pharmazeutische Industrie allen Grund zum Feiern: Der VCI vermeldet einen Umsatzanstieg um 12 Prozent auf 111 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Kapazitätsauslastung der Anlagen stieg auf über 86 Prozent und lag damit deutlich oberhalb des für die Branche üblichen Niveaus. „Jedes fünfte Unternehmen stößt bei der Produktion an seine Kapazitätsgrenzen“, sagte Christian Kullmann, Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI). Von den Aufschwung profitieren bis auf Konsumchemikalien alle Sparten.

Auch in die zweite Jahreshälfte schaut der Verband aufgrund des großen Nachfrageüberhangs der Kunden zuversichtlich. Für das Gesamtjahr prognostiziert er einen Produktionsanstieg von 4,5 Prozent und ein Umsatzwachstum von 11 Prozent. „Zum zweiten Mal nach 2018 wird unsere Industrie in diesem Jahr die Schallmauer von 200 Milliarden Euro durchbrechen und mit einem Umsatzrekord das Vorkrisenniveau deutlich übertreffen“, betonte VCI-Präsident Kullmann. Sorgen bereite den Unternehmen laut VCI allerdings das steigende Pandemiegeschehen und die fortdauernden Probleme in den Lieferketten – vor allem in den Kundenindustrien. Damit einher gehen Einschränkungen in den Produktionsmöglichkeiten und auch die Gefahr einer wieder sinkenden Chemienachfrage, so der Verband.

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Eine Rekordzahl erwartet der VCI auch für die Investitionen der Unternehmen im Inland. Der Chemieverband geht davon aus, dass die Investitionen für Sachanlagen im laufenden Jahr von 8,4 auf knapp neun Milliarden Euro steigen. Der Grund: Aufgeschobene Projekte aus dem Vorjahr werden nachgeholt und Kapazitäten ausgeweitet. Doch die Mitgliedsunternehmen sehen in Deutschland auch schwere Hemmnisse für ihre Investitionsvorhaben: Hohe Kosten am Standort und vor allem langsame Genehmigungsverfahren würden kein gutes Umfeld für Investitionen schaffen.

Forderungen im Vorfeld der Bundestagswahl

Von der neuen Regierung erhofft sich die Branche, dass sie die Rahmenbedingungen für den Industriestandort verbessert. So hat der VCI zehn Politikfelder identifiziert, auf denen sich mit Beginn der nächsten Legislaturperiode die Prioritäten ändern müsse, damit Deutschland ein international wettbewerbsfähiger Chemie- und Pharmastandort bleibe:

  • Energie grüner und günstiger machen
  • Innovationen und Fortschritt fördern
  • Genehmigungsverfahren reformieren
  • Den Mittelstand durch weniger Bürokratie stärken
  • Den Pharmastandort stärken
  • Green Deal und Chemikalienstrategie als Chance nutzen
  • Digitalisierung ausbauen und Infrastruktur verbessern
  • Ernährung mit moderner Landwirtschaft sichern
  • Für Freihandel starkmachen
  • Bessere Chancen im Steuerwettbewerb schaffen

Um trotz Schuldenbremse ein Zukunftsprogramm für das Land zu realisieren, das die Transformation der Industrie und eine ökosoziale Marktwirtschaft voranbringt, schlägt der VCI einen Zukunftsfonds für die Investitionsoffensive des Bundes vor. Der VCI beziffert das Finanzvolumen auf insgesamt 300-500 Milliarden Euro bis 2030. Aus dem Zukunftsfonds sollen streng zweckgebunden Projekte und Maßnahmen für drei Bereiche finanziert werden: Förderung des Ausbaus erneuerbarer Energien und der notwendigen Netzinfrastruktur sowie von Energiespeichern. Unterstützung der ökologischen Transformation der Wirtschaft hin zur Klimaneutralität sowie Sicherstellung einer leistungsfähigen Verkehrs- und Digitalinfrastruktur. Kullmann: „Die Unternehmen brauchen für ihre Investitionsentscheidungen Planungssicherheit – und keine Zuschüsse nach jeweiliger Kassenlage.“

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