Newsticker Oktober: Aktuelles aus der Prozessindustrie Brand an Zentrale des saudischen Ölkonzerns Aramco

Von Wolfgang Ernhofer 16 min Lesedauer

Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.

(Bild:  gemeinfrei /  Pixabay)
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

17.10.2026

Norden (dpa) *15:28 Uhr – Möglicher Chemieunfall: Einsatzkräfte trainieren im Watt

An der niedersächsischen Wattenmeerküste hat das Havariekommando zusammen mit mehr als 100 Kräften den Einsatz für einen möglichen Chemieunfall trainiert. Bei der Großübung mit dem Namen «Wattsturm 2026» übten unter anderem Einsatzkräfte in Chemikalienschutzanzügen im Watt vor der ostfriesischen Küstenstadt Norden (Landkreis Aurich), angespülte Gefahrgüter zu bergen. Auch schwere, geländefähige Kettenfahrzeuge wurden eingesetzt.

Die Herausforderung für die Einsatzkräfte bei so einer Lage sei erst einmal zu schauen, was angeschwemmt worden sei und welche Gefahr von den Stoffen ausgehe, sagte der Übungsleiter des Havariekommandos Sebastian Kroll. Daraus würden Einsatzmaßnahmen abgeleitet. Hinzu komme der besondere Einsatzort vor dem Deich: «Wir sind im Wattbereich, das ist eben ein anderer Fall als man sonst an Land hat. Hier haben wir eben die Schwierigkeit, dass wir es mit besonderen Einsatzbedingungen zu tun haben.»

Das Übungsszenario sah eine angenommene Kollision zweier Frachtschiffe vor der Küste vor, bei der Container mit gefährlichen Stoffen und Gütern über Bord gingen. Sollte es tatsächlich zu so einem Unfall kommen, könnten die Container laut Havariekommando an die Küste treiben. Am Ufer und im Watt könnten sie je nach Wind- und Wetterverhältnissen bei Hochwasser angespült werden, was eine Gefahr für die Bevölkerung und die Umwelt bedeuten würde.

«Die Einsatzkräfte trainieren deshalb das Vorgehen bei gefährlicher Ladung im Watt, den Einsatz spezialisierter Gefahrguteinheiten und geländegängiger Hägglunds-Fahrzeuge sowie die Zusammenarbeit vor Ort», teilte das Havariekommando in Cuxhaven mit. Im Ernstfall würde bei einer «komplexen Schadenslage» auch das Havariekommando als gemeinsame Einrichtung des Bundes und der fünf norddeutschen Küstenländer die Gesamteinsatzleitung und die Koordinierung der Kräfte übernehmen.

An der großangelegten Übung beteiligten sich auch der Landkreis Aurich und der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), Feuerwehren, Technisches Hilfswerk (THW) sowie weitere Behörden und Organisationen des Küsten- und Bevölkerungsschutzes.

In Niedersachsen übernimmt vor allem der NLWKN die Bekämpfung von Öl- und Schadstoffunfällen. Dazu hält die Behörde Ölbekämpfungsschiffe und ein Ölwehrgerätelager vor. Dort lagern etwa Ölsperren, Pumpen, Container, Schutzausrüstung und Spezialgerät, das im Notfall angefordert werden kann.

Um im Schlick im Deichvorland zu arbeiten, sei besonderes Material nötig, sagte der Einsatzleiter der Feuerwehr Norden, Thomas Weege. «Wir merken doch sehr stark hier, dass das unheimlich wichtig ist für uns, dass das eine gänzlich andere Einsatzlage ist, als wir sie sonst von Brandeinsätzen oder anderen Hilfeleistungen her kennen.» Daher sei es wichtig, solche Einsätze und die Zusammenarbeit der Hilfskräfte zu üben.

Vor der deutschen Nordseeküste gab es in den vergangenen Jahren mehrere Schiffshavarien, die teils zu Umweltschäden führten. 2019 etwa verlor das Containerschiff «MSC Zoe» in der stürmischen Nordsee 342 Container. Die meisten Container zerbrachen beim Aufprall auf das Wasser, in der Folge trieb tonnenweise Müll auch an deutsche Strände.

2015 havarierte der Düngemittel-Frachter «Purple Beach» etwa 30 Kilometer vor Helgoland. Rund 6.000 Tonnen Dünger hatten sich stark erhitzt und zu rauchen begonnen. Zeitweise wurde eine Explosionsgefahr durch Gase befürchtet. Das Schiff wurde nach Wilhelmshaven geschleppt. In beiden Fällen wurden komplexe Schadenslagen ausgerufen.

14.10.2026

Riad/Sanaa (dpa) *11:16 Uhr – Brand an Zentrale des saudischen Ölkonzerns Aramco

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An der Zentrale des saudischen Ölkonzerns Aramco ist nach einem mutmaßlichen Angriff der jemenitischen Huthi-Miliz ein Feuer ausgebrochen. Es sei aufgrund eines Angriffs zu einem «begrenzten Brand» gekommen, teilte das Energieministerium in Riad mit. Es sei niemand zu Schaden gekommen. Das saudische Militärbündnis zum Kampf gegen die Huthi teilte mit, eine Rakete der Miliz sei dort abgefangen und zerstört worden.

Saudi Aramco ist der staatliche Ölkonzern des Königreichs. Er zählt zu den wertvollsten Konzernen weltweit und hat seinen Sitz in der Metropolregion Dammam im Osten Saudi-Arabiens, von wo die Ölproduktion und der Export gesteuert werden.

Die Huthi hatten zuvor mit Angriffen auf die Aramco-Zentrale und erneuten Attacken am Flughafen Riad gedroht, falls Saudi-Arabien seinerseits die jemenitische Hauptstadt Sanaa angreifen würde. Diese wird seit rund zehn Jahren von den Huthi kontrolliert.

Der saudische Zivilschutz teilte mit, dass in der Nacht zwei Marschflugkörper über der Hauptstadt Riad abgefangen worden seien.

Durch herabfallende Trümmerteile seien vier Menschen verletzt und 15 Häuser beschädigt worden.

Im Jemen gehen unterdessen die seit Wochen andauernden Kämpfe unter anderem in der Provinz Tais weiter. Aus Kreisen der Regierungstruppen hieß es, die Huthi hätten einen wichtigen Zugangspunkt zur Stadt Tais eingenommen. Vorher habe es schwere Gefechte mit Soldaten der international anerkannten Regierung gegeben. Tais ist die drittgrößte Stadt im Jemen. Im Bürgerkrieg wurde sie jahrelang belagert. Die Huthi wollten den strategisch wichtigen Ort komplett einnehmen.

Für Zehntausende Familien haben die neuen Kämpfe weiter dramatische Folgen. Nach UN-Angaben sind deswegen nahezu 200.000 Menschen vertrieben worden. Bereits vor Beginn der jüngsten Gewalt gab es im Jemen 4,8 Millionen Binnenflüchtlinge. Die Gesundheitsversorgung ist schlecht. Krankheiten wie Cholera und Masern breiten sich auch angesichts der Fluchtbewegungen zunehmend aus.

Brüssel (dpa) *10:22 Uhr – Sanofi und EU einigen sich in Kartellverfahren zu Impfstoff

Der französische Pharmakonzern Sanofi verpflichtet sich, einen konkurrierenden Grippeimpfstoff in der eigenen Werbung nicht schlecht darzustellen. Die Europäische Kommission hatte zuvor Wettbewerbsbedenken geäußert. Sanofi muss unter anderem Werbematerialien überarbeiten und online eine Erklärung veröffentlichen, in der die wissenschaftlichen Belege für den eigenen Impfstoff und den der Konkurrenz anerkannt werden.

Die Brüsseler Behörde hatte Bedenken, dass Sanofi seit 2024 den eigenen Grippeimpfstoff «Efluelda» in Deutschland und Frankreich mit falschen oder irreführenden Behauptungen als der Konkurrenz «Fluad» überlegen dargestellt und dabei seine Marktmacht ausgenutzt haben könnte. Damit könnte das Unternehmen gegen europäisches Kartellrecht verstoßen haben. Die Kommission hatte wegen des Verdachts im September 2025 Räumlichkeiten des Konzerns in Deutschland und Frankreich durchsucht. Sanofi hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.

«Wenn marktbeherrschende Pharmaunternehmen falsche oder irreführende Informationen über Impfstoffe verbreiten, die mit ihren eigenen konkurrieren, verzerren sie den Wettbewerb und untergraben die Wahlfreiheit von Ärzten und Patienten», teilte EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera mit. Die Entscheidung stelle sicher, dass Patienten und Beschäftigte in Gesundheitsberufen «ihren Impfstoff auf der Grundlage einer unparteiischen Bewertung wissenschaftlicher Erkenntnisse auswählen können».

Falls das Unternehmen mit Hauptsitz in Paris die rechtsverbindlichen Zusagen nicht einhalten würde, könnte die EU-Kommission eine Geldbuße von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes verhängen oder ein tägliches Zwangsgeld in Höhe von fünf Prozent des Tagesumsatzes für jeden Tag der Nichteinhaltung.

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