Newsticker April: Aktuelles aus der Prozessindustrie BP profitiert von Krise und hohen Ölpreisen / Emirate verlassen Opec

Quelle: dpa 38 min Lesedauer

Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.

(Bild:  gemeinfrei /  Pixabay)
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

28.04.2026

New York/London (dpa) *16:32 Uhr – Ölpreise steigen erneut deutlich – Emirate verlassen die Opec

Der Ölpreise haben angesichts der weiterhin stockenden Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA erneut deutlich zugelegt. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Öl der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni zog am Dienstag im Vergleich zum Vortag um 1,97 Prozent auf 110,36 US-Dollar an.

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) treten mit Wirkung zum 1. Mai aus der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) aus. Hintergrund sei eine gründliche Abwägung auch mit Blick auf die andauernden «Störungen im Persischen Golf und der Straße von Hormus», heißt es in einer Erklärung der staatlichen Nachrichtenagentur WAM.

Kurzfristig wirkte sich die Erklärung nicht auf die Ölpreise aus. Langfristig könnte sie jedoch zu einem höheren Ölangebot führen. «Die heutige überraschende Ankündigung der Vereinigten Arabischen Emirate, die Opec+ zum 1. Mai zu verlassen, wird keine unmittelbaren Auswirkungen auf den globalen Energiemarkt haben, deutet jedoch darauf hin, dass das weltweite Angebot höher ausfallen wird, als es sonst der Fall wäre, sobald die Straße von Hormus wieder geöffnet ist», kommentierte David Oxley, Ökonom bei Capital Economics.

Die diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Iran-Kriegs haben am Wochenende keine Fortschritte gemacht. Eine Öffnung der Straße von Hormus ist weiterhin nicht in Sicht. Wegen der Lage im Nahen Osten droht der Welt nach Ansicht des Präsidenten der Eurogruppe, Kyriakos Pierrakakis, eine historische Notlage. «Wenn die Straße von Hormus nicht rasch wieder vollständig geöffnet wird, hat diese Krise das Potenzial, die größte Energiekrise überhaupt zu werden», sagte Pierrakakis in Athen. Die Ausfälle bei Öl und Gas könnten größer sein als in früheren Krisen etwa in den 1970er Jahren oder nach Beginn des Ukraine-Kriegs.

Ludwigshafen (dpa/lrs) *12:25 Uhr – BASF prüft Kaufangebote für Tausende Werkswohnungen

Der Chemiekonzern BASF kommt beim geplanten Verkauf von Tausenden Wohnungen seiner Tochter BASF Wohnen und Bauen voran. «Das Portfolio der 3.300 Wohnungen hat deutliches Interesse bei potenziellen Käufern geweckt. Daraus haben sich viele belastbare Angebote ergeben», teilte ein Sprecher in Ludwigshafen mit. BASF habe bis Abgabeschluss am Montag «Gebote sowohl von überregionalen als auch von regionalen Kaufinteressenten» erhalten.

Geplant seien erste detaillierte Gespräche mit Kaufinteressenten im Mai. Details wollte der Sprecher nicht mitteilen. Die Angebote würden nun geprüft. Dabei würden sowohl wirtschaftliche Aspekte als auch «qualitative Kriterien» berücksichtigt - etwa die «Fähigkeit und Bereitschaft, den Wohnungsbestand langfristig, verantwortungsvoll und im Sinne der Stadtentwicklung zu bewirtschaften».

Der Ludwigshafener Oberbürgermeister Klaus Blettner (CDU) hatte den Stadtrat am Montag informiert, dass sich die Kommune um die Wohnungen bewerbe. «Wir hatten relativ frühzeitig uns dazu geäußert, dass auch wir mit einem Konsortium rund um die (kommunale Wohnbaugesellschaft) GAG ein Angebot abgeben wollen», sagte Blettner. Der Verkauf der BASF-Wohnungen sei «weit mehr als ein rein wirtschaftlicher Vorgang».

«Es geht um Verantwortung - für unsere Stadt, für gewachsene Nachbarschaften und für die Menschen, die dort ihr Zuhause gefunden haben», betonte Blettner. Er appelliere an BASF, bei der Entscheidung auch die soziale Verantwortung gegenüber den Mieterinnen und Mietern zu berücksichtigen. «Ludwigshafen steht bereit, Verantwortung zu übernehmen.»

BASF hatte im Februar über den geplanten Verkauf informiert. Demnach handelt es sich um 1.100 Eigentumswohnungen, die an verschiedene einzelne Käufer verkauft werden sollen, sowie 3.300 Wohnungen, die als Gesamtpaket inklusive Gebäude an einen Kaufinteressenten gehen sollen. Für den überwiegenden Teil soll bis Anfang 2027 ein Käufer mit Interesse an einer «langfristigen, nachhaltigen Investition» gefunden sein.

Hintergrund ist die strategische Ausrichtung des Unternehmens. BASF will sich stärker auf sein Kerngeschäft konzentrieren, um die Wettbewerbsfähigkeit und das Stammwerk zu stärken. Bei Gewerkschaften und Landespolitik stieß der geplante Wohnungsverkauf auf Kritik. Auch die BASF-Aktionäre dürften bei der Hauptversammlung des Dax-Unternehmens am Donnerstag kritische Fragen stellen.

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London (dpa) *09:20 Uhr – BP macht dank hoher Ölpreise mehr als doppelt so viel Gewinn

Dank hoher Ölpreise hat der britische Ölkonzern BP zu Jahresbeginn seinen Gewinn mehr als verdoppelt. Im ersten Quartal betrug der um Sondereffekte bereinigte Nettogewinn rund 3,2 Milliarden Dollar (2,7 Mrd Euro), wie das Unternehmen in London mitteilte. Ein Jahr zuvor waren es knapp 1,4 Milliarden Dollar gewesen.

Unter anderem eine höhere Ölproduktion im Golf von Mexiko habe Störungen im Nahen Osten angesichts des Iran-Kriegs wettgemacht, hieß es weiter. BP hatte zuletzt bereits von einem «außergewöhnlichen» Ölhandel gesprochen. Der Ölkonzern betreibt vergleichsweise kleine Anlagen in Nahost und leidet daher weniger unter den kriegsbedingten Produktionskürzungen als die Konkurrenz.

Die starken Zahlen dürften der neuen Konzernchefin Meg O'Neill zum Start ihrer Amtszeit Rückenwind liefern. «Unsere Branche agiert in einem Umfeld von Konflikten und Komplexität und spielt eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung der Energieversorgung», sagte O'Neill laut Mitteilung. Sie steht vor der Aufgabe, die Schulden zu reduzieren, die Struktur von BP zu verschlanken und teure Investitionen in kohlenstoffarme Projekte rückgängig zu machen.

27.04.2026

Leverkusen (dpa) *22:35 Uhr – Glyphosat-Klagen: Bayer begrüßt Prüfung durch US-Gerichtshof

Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer hofft im Verfahren um milliardenschwere US-Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten auf Klarheit durch den Obersten Gerichtshof der USA. «Wir begrüßen, dass der US Supreme Court die Frage der Einheitlichkeit der Regulierung und des Vorrangs von Bundesrecht sorgfältig prüft», heißt es in einer Stellungnahme des Konzerns zur Anhörung.

Die US-Regierung und Bayer hätten überzeugend dargelegt, dass Warnhinweise auf Basis des Rechts einzelner Bundesstaaten, die sich von dem durch die US-Umweltbehörde genehmigten Produktlabel unterscheiden, durch Bundesrecht ausgeschlossen seien. Alles andere würde zu einem Flickenteppich an Warnhinweisen führen. Unternehmen sollten nicht auf Basis des Rechts einzelner Bundesstaaten dafür verurteilt werden können, dass sie sich an Bundesrecht hielten.

Aus den Fragen der Richter in der Anhörung ergab sich allerdings ein gemischtes Bild. So äußerte sich Brett Kavanaugh dahingehend, dass es möglicherweise einer Uniformität bei solchen Warnhinweisen bedürfe. Der Vorsitzende Richter, John Roberts, stellte hingegen die Frage, ob es Bundesstaaten nicht erlaubt sein sollte, auf neue Risiken hinzuweisen.

Bayer macht sich Hoffnung, dass ein positives Grundsatzurteil im Fall «Durnell» dabei helfen könnte, das teure Thema in absehbarer Zeit abschließen zu können. «Ein Urteil zugunsten des Unternehmens würde die nötige regulatorische Klarheit bringen, um in den USA zugelassene und neue Produkte für Landwirte und Verbraucher auf den Markt zu bringen», hieß es.

Die Richter müssen entscheiden, ob Bundesrecht zu Warnhinweisen beim Verkauf der Unkrautvernichter - wie Bayer argumentiert - über dem Recht von Bundesstaaten steht. Der Fall des Klägers John Durnell war ursprünglich im Oktober 2023 in St. Louis verhandelt worden.

Die Geschworenen waren der Auffassung, dass das Unternehmen zu einer Krebswarnung verpflichtet gewesen wäre - und sprachen dem Kläger eine hohe Entschädigung zu. Bayer wählte diesen Fall dann später für einen Gang vor den obersten US-Gerichtshof aus, um ein Grundsatzurteil zu erzielen.

London (dpa) *17:57 Uhr – Milliardendeal: Shell übernimmt kanadische Energiefirma

Der Öl- und Gaskonzern Shell will mit der milliardenschweren Übernahme des kanadischen Unternehmens ARC Resources sinkende Fördermengen kompensieren. Der britische Konzern will die kanadische Energiefirma für insgesamt etwa 16,4 Milliarden Dollar (etwa 13,9 Mrd. Euro) erwerben, wie Shell mitteilte. Durch den Zukauf soll demnach die Fördermenge um 370.000 Barrel Öläquivalent pro Tag erhöht werden.

Mit dem Deal will Shell seine Ressourcenbasis «für die kommenden Jahrzehnte» stärken und seine Präsenz im Norden Amerikas ausbauen, heißt es weiter. Konkret geht es um das Montney-Becken in den kanadischen Provinzen British Columbia und Alberta zur Förderung von Schiefergas.

Das kanadische Unternehmen sei ein «qualitativ hochwertiger, kostengünstiger und CO2-armer Produzent», sagte Shell-CEO Wael Sawan laut Mitteilung. Der «Financial Times» zufolge stellt der Deal einen weiteren Schritt in Shells Bestreben dar, einer der größten Akteure am Markt für Flüssigerdgas (LNG) zu werden.

Shell übernimmt nach eigenen Angaben im Zuge des Zukaufs auch Nettoverbindlichkeiten und Leasingverpflichtungen von rund 2,8 Milliarden Dollar, woraus sich ein Unternehmenswert von 16,4 Milliarden Dollar ergebe.

Litvinov (dpa/sn) *14:29 Uhr – Tödlicher Arbeitsunfall in tschechischer Raffinerie

In der Raffinerie im tschechischen Litvinov ist es zu einem tödlichen Unfall gekommen. Ein Arbeiter sei am Sonntagnachmittag ums Leben gekommen, teilte ein Polizeisprecher nach Angaben der Agentur CTK am Montag mit. Man habe Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung aufgenommen. Eine Obduktion sei angeordnet worden.

Ein Sprecher der Firma Orlen Unipetrol sprach den Angehörigen des Toten sein Beileid aus. In dem betroffenen Bereich der Raffinerie werde der Kohlenwasserstoff Ethen hergestellt. Das Unternehmen gehört zum polnischen Orlen-Konzern. Die nordböhmische Industriestadt Litvinov liegt rund 50 Kilometer südlich von Dresden.

Das lokale Nachrichtenportal e-mostecko.cz berichtete, dass der Arbeiter bei einem regelmäßigen Rundgang durch ein Gitter direkt in den Bereich eines laufenden Lüfters gefallen sei. Die Folgen seien fatal gewesen. Der letzte tödliche Unfall in dem Chemiewerk liegt bereits fast acht Jahre zurück. Damals war ein Mann bei Reinigungsarbeiten in einem Tank erstickt.

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