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Wachsende Unsicherheit

BASF mit Umsatzrückgang im zweiten Quartal

| Redakteur: Alexander Stark

Im zweiten Quartal 2019 hat BASF das schwierige makroökonomische Umfeld zunehmend zu spüren bekommen. Der Konzern hat den Ausblich für das Jahr 2019 nach unten korrigiert. Vorstandsvorsitzender Martin Brudermüller musste eingestehen, dass die Lage zurzeit von hoher Unsicherheit, geringer Sichtweite und schlechter Vorhersehbarkeit geprägt ist.

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BASF leidet unter der schwachen Konjunktur und den internationalen Unsicherheiten.
BASF leidet unter der schwachen Konjunktur und den internationalen Unsicherheiten.
(Bild: BASF)

Ludwigshafen – Die BASF-Ergebnisse im zweiten Quartal spiegeln das schwierige wirtschaftliche Umfeld deutlich wider, so der Konzern. So ging der Umsatz gegenüber dem zweiten Quartal des Vorjahres um 4 % auf 15,2 Milliarden Euro zurück. Außer Nutrition & Care verzeichneten alle Segmente niedrigere Mengen. Am deutlichsten war der Rückgang in den Segmenten Chemicals und Agricultural Solutions. Gründe hierfür waren turnusmäßige Wartungsabstellungen der Steamcracker in Antwerpen/Belgien und Port Arthur/Texas und im Segment Agricultural Solutions die schlechten Wetterverhältnisse in Nordamerika. Die Portfolio-Effekte beliefen sich auf plus 2 % dank der von Bayer akquirierten Saatgut- und nichtselektiven Herbizidgeschäfte. Währungseffekte betrugen plus 2 %.

Die weltweiten Handelskonflikte, besonders zwischen den USA und China, wiegen aus Sicht des Unternehmens schwer. Der Vorstand des Konzerns ist der gängigen Einschätzung gefolgt, dass es hier spätestens zur Jahresmitte zu einer Lösung kommt. Eine Entspannung scheint aus Sicht von Dr. Martin Brudermüller aber in weite Ferne gerückt. „Die weltweiten Risiken haben in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen“, so der BASF-Chef. Diese Konflikte werden nach seiner Auffassung zeitnah nicht gelöst werden und verursachen eine spürbare Verlangsamung des gesamtwirtschaftlichen Wachstums weltweit, besonders in China.

Die wesentlichen Zahlen hat das Unternehmen bereits am 8. Juli vorab veröffentlicht. Seinen Ausblick für 2019 vom Februar dieses Jahres hatte das Unternehmen an bestimmte makroökonomische und geopolitische Annahmen geknüpft. Viele davon traten aber nicht ein. Deshalb wurde nun die Prognose zurückgenommen. Die Erwartungen zum Wachstum der weltweiten Industrieproduktion und der Chemieproduktion im Jahr 2019 haben die Ludwigshafener deutlich von 2,7 auf rund 1,5 % reduziert. Gerade der Automobilsektor, als wichtige Kundenbranche, werde sich dieses Jahr nicht mehr erholen, so Brudermüller. Der Vorstand erwartet jetzt weltweit einen Rückgang von minus 4,5 % im Gesamtjahr. Kunden in allen Industrien seien derzeit sehr vorsichtig mit Vorhersagen und Bestellungen. Die eigene Sicht des Vorstands auf die Nachfrageentwicklung sei ebenfalls sehr eingeschränkt.

Neue Strategie soll Wachstum sichern

Mit der neuen Strategie hat BASF zahlreiche Maßnahmen reagiert BASF auf das schwieriger werdende Fahrwasser. Zur vom Unternehmen ausgerufenen Strategie gehören mehr Kundenorientierung und Effizienz sowie eine leistungsfähigere Aufstellung. So richtet der Konzern derzeit seine Organisation neu aus, verschlankt die Verwaltung, schärft die Rollen der Service-Einheiten sowie der Regionen und vereinfacht Abläufe und Prozesse. In den vergangenen Monaten wurden wesentliche Teile der funktionalen Dienstleistungen in die operativen Bereiche eingegliedert. Außerdem wurde eine schlanke Unternehmenszentrale mit weniger als 1000 Mitarbeitern definiert, die den Vorstand bei der Steuerung der Gruppe unterstützt.

Schlankere Strukturen und vereinfachte Prozesse sollen zu Einsparungen von jährlich rund 300 Millionen Euro führen. Einen wesentlichen Beitrag erwarten de Vorstände aus Produktion, Logistik und Planung durch den bestmöglichen Betrieb von Anlagen. Auch Digitalisierung und Automatisierung sollen eine wichtige Rolle spielen.

Wie bereits angekündigt, plant BASF einen Abbau von weltweit rund 6000 Stellen bis Ende 2021. Zum aktuellen Stand des Abfindungsprogramms sagte Brudermüller, dass in Ludwigshafen im ersten Halbjahr über 1100 Mitarbeiter bereits einen Aufhebungsvertrag unterzeichnet hätten.

Wachstum der Kundenindustrien im 1. Halbjahr unter den Erwartungen

Rückblickend lag das Wachstum der Kundenindustrien im ersten Halbjahr deutlich unter den Erwartungen. Das Wachstum der Industrieproduktion verlangsamte sich weltweit deutlich. Zum Beispiel in der Automobilproduktion: Bei einer ursprünglichen Gesamtprognose für 2019 von plus 0,8 % sank sie im ersten Halbjahr weltweit um 6 %. In China betrug der Rückgang sogar minus 13 %. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist die Chemieproduktion im Heimatmarkt Europa um 0,5 % zurückgegangen. Besonders ausgeprägt war dies mit minus 3,5 % in Deutschland.

Der Agrarsektor litt unter anhaltenden massiven Niederschlägen in den großen Anbaugebieten Nordamerikas, teilte das Unternehmen mit. Überschwemmungen und Extremwetter hätten dort buchstäblich das Geschäft bei Agricultural Solutions verhagelt, so Brudermüller.

Ergebnis im zweiten Quartal geprägt von Chemicals und Materials

Die Zahlen des zweiten Quartals erläuterte Finanzvorstand Dr. Hans-Ulrich Engel. Wie im gesamten ersten Halbjahr wurde das Ergebnis im zweiten Quartal 2019 deutlich von niedrigeren Mengen und Margen in den Segmenten Chemicals und Materials belastet. Insgesamt stehen die beiden Segmente für 83 % des gesamten Ergebnisrückgangs im 2. Quartal 2019.

Das Ergebnis im Segment Agricultural Solutions sank ebenfalls deutlich, vor allem aufgrund des saisonbedingt negativen Ergebnisses aus den erworbenen Geschäften und niedrigerer Mengen im Pflanzenschutzgeschäft. Deutlich höhere Ergebnisse bei Industrial Solutions und leicht höhere Ergebnisse in den Segmenten Surface Technologies und Nutrition & Care konnten den Rückgang nur teilweise ausgleichen.

Im Ebit beliefen sich die Sondereinflüsse auf minus 497 Millionen Euro gegenüber minus 66 Millionen Euro im zweiten Quartal 2018. Der Anstieg in den Sondereinflüssen ist unter anderem auf Einmalkosten für das Exzellenzprogramm zurückzuführen. Hinzu kommt die Abschreibung einer erdgasbasierten Investition an der US-Golfküste, die das Unternehmen nicht weiterverfolgt. Zudem führte die Integration der Geschäfte und Vermögenswerte von Bayer zu Sondereinflüssen im Segment Agricultural Solutions. Das Ebit verringerte sich von 1,9 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum auf 548 Millionen Euro im zweiten Quartal 2019.

Das Ergebnis nach Steuern und Anteilen anderer Gesellschafter belief sich auf 6,5 Milliarden Euro gegenüber 1,5 Milliarden Euro im zweiten Quartal 2018. Das Ergebnis je Aktie stieg von 1,61 Euro auf 7,03 Euro im zweiten Quartal 2019. Grund hierfür ist der Buchgewinn aus der Entkonsolidierung von Wintershall nach dem Zusammenschluss von Wintershall und DEA. Das bereinigte Ergebnis je Aktie belief sich auf 0,82 Euro, gegenüber 1,77 Euro im Vorjahresquartal.

Ausblick 2019 für angepasst

Mit Blick auf das herausfordernde makroökonomische Umfeld hatte BASF am 8. Juli den Ausblick der BASF-Gruppe für 2019 angepasst: BASF erwartet nun einen leichten Rückgang beim Umsatz. Für das Ebit vor Sondereinflüssen erwartet das Unternehmen hingegen einen deutlichen Rückgang von bis zu 30 %. Beim Return On Capital Employed (ROCE) wird für das Gesamtjahr 2019 ein deutlicher Rückgang im Vergleich zum Vorjahr erwartet.

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