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Fachsymposium „20 Jahre Zema“ Aus Chemieunfällen lernen – Störfallauswertung der Zema wird 20 Jahre

| Autor/ Redakteur: Tobias Hüser / Dipl.-Ing. (FH) Tobias Hüser

Die Zema analysiert seit 1993 Störfälle in deutschen Industrieanlagen, damit Anlagenbetreiber aus Chemieunfällen lernen können. Auf dem Fachsymposium „20 Jahre Zema“ war es jetzt an der Zeit Bilanz zu ziehen. Im Bundesumweltministerium in Bonn diskutieren Sachverständige über die Bedeutung von nicht-meldepflichtigen Ereignissen und die Sicherheitskultur in Biogasanlagen.

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Experten aus Chemieindustrie, Behörden und Verbänden diskutierten über die Qualität der Zema-Störfallauswertung.
Experten aus Chemieindustrie, Behörden und Verbänden diskutierten über die Qualität der Zema-Störfallauswertung.
(Bild: PROCESS/Hüser)

Die Zahl der Chemieunfälle in Industrieanlagen ist über die vergangenen Jahrzehnte deutlich gefallen. Um das Sicherheitsbewusstsein der Anlagenbetreiber zu schärfen, mussten aber erst zahlreiche Katastrophen in den 70er und 80er Jahren geschehen, wie Dr. Jochen Uth, ehemaliger Mitarbeiter des Umweltbundesamtes, in seinem Vortrag zu Beginn des Fachsymposiums erläuterte.

Insbesondere der Störfall im italienischen Seveso am 10. Juli 1976 löste eine Debatte über Vorschriften zum Schutz vor Chemieunfällen aus. Durch Freisetzung größerer Mengen Dioxin mussten Mensch und Umwelt in der Region mit schwerwiegenden Langzeitfolgen kämpfen.

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Die Forderungen nach mehr Sicherheit mündeten schlussendlich in der ersten Störfall-Verordnung (12. BImSchV) im Jahr 1980. Ab diesem Zeitpunkt begann auch das Umweltbundesamt mit der Erfassung von meldepflichtigen Ereignissen in verfahrenstechnischen Anlagen. Laut der 12. BImSchV mussten Störfälle aber nur bei den zuständigen Länderbehörden verwaltet werden. An das Umweltbundesamt wurden die Vorfälle nur selten weitergeleitet. Es fehlte an einer bundesweiten Erfassung und Auswertung, um Konsequenzen für eine Weiterentwicklung der Sicherheitstechnik ableiten zu können.

Erst seit der Umsetzung der Seveso-I-Richtlinie über die novellierte Störfall-Verordnung von 1991 erfolgte vom Umweltbundesamt eine systematische Erfassung aller meldepflichtigen Ereignisse in Deutschland. Mit den Ereignisdatenblättern der „Zentrale Melde- und Auswertestelle für Störfälle und Störungen in verfahrenstechnischen Anlagen“ (Zema) können Anlagenbetreiber seit 20 Jahren aus den Ursachen solcher Störfälle lernen (seit 2004 auch via Internet).

Nicht-meldepflichtig, aber von entscheidender Bedeutung

Ein Zwischenfall in Chemieanlagen ist aus Sicht der Zema immer dann bedeutend, wenn Anlagenbetreiber eine neue Erkenntnis aus dem Vorfall ziehen können – unabhängig von den Auswirkungen des Ereignisses. Genau hier liegt aber auch das Problem, wie Dr. Christian Balke von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) auf dem Fachsymposium verdeutlichte.

„Nicht-meldepflichtige Unfälle sind häufig von entscheidender Bedeutung, um den Stand der Sicherheitstechnik zu verbessern“, so Balke. Die Herausgabe von Informationen über solche Vorfälle und Beinaheunfälle erfolgt allerdings nur auf freiwilliger Basis. Selbst Unfälle mit erheblichen Umweltauswirkungen oder Todesfolge müssen bundesweit nicht gemeldet werden, wenn sie von Anlagen ausgelöst werden, die nicht der Störfall-Verordnung unterliegen.

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