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Armaturen/Corona-Krise Aufschwung? Abgedreht! Der Armaturen-Branche steht das Schlimmste noch bevor...

| Redakteur: Dominik Stephan

Für die Armaturenhersteller könnte die echte Corona-Krise erst noch kommen – Nach einem starken Start haben sich die Aussichten für die Hersteller von Industriearmaturen deutlich eingetrübt: Im Zuge des Corona-Shutdowns haben 90% der Firmen Investitionsprojekte zurückgestellt.

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(Bild: VDMA/PROCESS)

Es hatte so gut angefangen: 2020 begann für die Hersteller von Industriearmaturen zuversichtlich. Trotz der sich abzeichnenden Abkühlung der Konjunktur wurde im Januar und Februar ein Umsatzplus von 6 Prozent eingefahren. Dabei lag das Inlandsgeschäft um satte 25 Prozent über dem relativ schwachen Vorjahresergebnis, während der Auslandsumsatz um vier Prozent nachgab. Die Auftragsbücher der Branche waren jedenfalls gut gefüllt, berichtet der VDMA. Und dann kam alles anders: Die Auswirkungen des Coronavirus lassen die Inlandskonjunktur und die Exportaussichten für sämtliche Industriebranchen einbrechen. Zentrale Sektoren haben Investitionen zurückstellt oder Projekte auf Eis gelegt.

Eine aktuelle Blitzumfrage des VDMA zeigt deutlich, dass spätestes im April mehr als 60 % der Armaturenhersteller merkliche oder gravierende Auftragseinbußen erlebten - ein Wert, der im Mai auf 66 % anstieg.

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„Da sich viele unserer Abnehmerbranchen im Krisenmodus befinden, spricht leider einiges dafür, dass unsere Branche im weiteren Jahresverlauf von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen sein wird," erklärt Wolfgang Burchard, Geschäftsführer des VDMA-Fachverband Armaturen.

"Die konkreten Folgen des Virus sind zwar noch nicht absehbar, aber wir erwarten deutliche Umsatzrückgänge. Vor allem die Auslandsmärkte bereiten uns Sorge. Deutlich rückläufige Umsätze bereits im Mai weisen den Weg, der uns noch erwartet. Unser besonderer Blick richtet sich vor allem auf die Situation in den USA, die zu den größten Absatzmärkten für Industriearmaturen zählen. Gleichzeitig hoffen wir auf eine schnelle Erholung auf unserem größten Absatzmarkt China."

Wie ernst die Lage ist, zeigt auch eine Umfrage des VDI und der Unternehmensberatung Agiplan, nach der 70 % der Unternehmen einen coronabedingten Umsatz- und Absatzverlust beklagen. Knapp 90 % mussten mindestens vereinzelt Projekte stoppen.

VDI sieht Licht am Ende des Tunnels

Vor diesem Hintergrund erscheint es wie ein Hoffnungsschimmer, dass der VDI bereits Anzeichen einer möglichen Erholung ausmachen will: So seien 93 % der Unternehmen überzeugt, dass sie sich der Krise flexibel angepasst haben, erklärt der Verband. Das ginge zwar nicht ohne ein Drosseln der Produktion, der vollständige Shutdown konnte aber in den meisten Branchen vermieden werden. Da parallel auch der Bedarf an Produkten entsprechend der Nachfrage sank, waren 92 % der Unternehmen kaum von Materialengpässen oder von Produktionsausfällen betroffen, erklären Verbandssprecher.

Auch in Sachen Armaturen gaben bei der letzten VDMA-Blitzumfrage im Juni fast die Hälfte der Unternehmen an, dass die Probleme bei Zulieferer am Anfang der Lieferketten mittlerweile rückläufig seien. Ganz anders auf der Nachfrageseite: Hier erwarten etwa ein Drittel der Befragten Firmen, dass sich die Situation verschärft und die Aufträge weiter zurückgehen.

Und: Die Krise könnte uns länger beschäftigen als gehofft: Lediglich 42 % , also nicht einmal die Hälfte der Firmen, erwartet, dass bereits 221 die Umsätze wieder das Vorkrisenniveau erreichen. 6 % gehen vom Jahresverlauf 2024 aus, immerhin drei Prozent glauben generell nicht mehr an eine Erholung.

Perspektive 4.0? Armaturenhersteller drücken bei Digitalisierung auf's Tempo

Zwar sehen Umfrage auch einen deutlichen und durch die Krise beschleunigten Shift in Richtung Digitalisierung, doch bleiben natürlich Fluidikprozesse unverzichtbar. Allerdings werden diese zunehmend digital unterstützt: Nach einer Studie der VDMA Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau (AGAB) und Maexpartners bewerten 72 % der Befragten die Chancen auf Umsatz- und Gewinnsteigerungen durch digitale Leistungen als „sehr relevant“.

(Bild: VDMA/PROCESS)

„14 % erwarten dadurch sogar einen zusätzlichen Gewinn von über 10 % in den kommenden fünf Jahren, erklärt AGAB-Sprecher Jürgen Nowicki. Aussichten, die helfen könnten, dem wachsenden Wettbewerbsdruck aus Schwellenländern wie China standzuhalten.

„Generell erleben wir, dass Corona gerade der Digitalisierung in unseren Unternehmen eher einen Schub gibt", ist auch VDMA-Armaturenfachmann Burchard zuversichtlich. "Viele Armaturenhersteller haben bereits auf eine vollständige Digitalisierung aller kaufmännischen und technischen Vorgänge gesetzt. Das war und ist sicher einen große Hilfe in der Krise. Jetzt geht es weiter. Unsere Branche ist auf dem Weg zur digitalen Branche mit digitalen Produkten, digital unterstützten Prozessen und digitalen Kundenbeziehungen.“

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