Armaturen im Corona-Sog Armaturen rutschen ins Minus: Abwärtstrend erreicht die Branche

Redakteur: Dominik Stephan

Der Abschwung erreicht die Armaturen-Hersteller: Nachdem die Branche 2020 noch von gut gefüllten Auftragsbüchern zehren konnte, läuft das Jahr 2021 "enttäuschend" an, wie der VDMA erklärt. Zwar legt der Absatz in der EU nach starken Einbrüchen wieder zu, im Binnenmarkt geht es dafür steiler abwärts. Kann der chinesische Markt zum Rettungsanker werden?

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Abgedreht: Nach einem zufriedenstellenden Vorjahr ist die deutsche Industriearmaturen-Branche mit einem Umsatzminus ins aktuelle Jahr gestartet.
Abgedreht: Nach einem zufriedenstellenden Vorjahr ist die deutsche Industriearmaturen-Branche mit einem Umsatzminus ins aktuelle Jahr gestartet.
(Bild: Shutterstock)

Die Armaturen-Glückssträhne reicht nicht ewig: Lief das erste Corona-Jahr für die Branche dank voller Auftragsbücher noch vergleichsweise zufriedenstellend, rutschen die deutsche Industriearmaturen 2021 ins Umsatzminus: Das Inlandsgeschäft schrumpfte im ersten Halbjahr dieses Jahres um 4 Prozent. Der Auslandsumsatz gab um 2 Prozent nach. Nur das Geschäft im Euro-Raum konnte in den ersten sechs Monaten wachsen und legte um 7 Prozent zu. Insgesamt lag der Umsatz damit 3 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum.

„Enttäuschend“, nennt Wolfgang Burchard, Geschäftsführer des VDMA Armaturen, den Start ins Jahr Zwei der Krise. „Der Umsatzrückgang ist allerdings vor dem Hintergrund des guten Vorjahresergebnisses zu sehen. So war der Umsatz im ersten Halbjahr 2020 insgesamt um neun Prozent gestiegen. Im Inland hatte es sogar ein Plus von 20 Prozent gegeben“, betont Burchard. „Die aktuell gut gefüllten Orderbücher lassen außerdem hoffen, dass sich die Lage in Kürze bessert“.

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Absperr- und Regelarmaturen rückläufig, Sicherheitsarmaturen legen zu

Dabei entwickelten sich einzelne Produktgruppen entwickelten sich im ersten Halbjahr sehr unterschiedlich: Bei Absperr- und Regelarmaturen ging der Inlandsumsatz um sieben beziehungsweise vier Prozent zurück. Sicherheits- und Überwachungsarmaturen verzeichneten gleichzeitig einen leichten Zuwachs von 2 Prozent. Beim Auslandgeschäft schrumpfte der Umsatz nur bei Absperrarmaturen (minus zehn Prozent).

Besser läuft das Geschäft mit Regel- und Sicherheits- und Überwachungsarmaturen: Hier konnte ein Plus von zehn beziehungsweise ein Prozent erzielt werden. Insgesamt legte der Umsatz bei Regelarmaturen um fünft Prozent zu. Sicherheits- und Überwachungsarmaturen lagen mit plus einem Prozent ebenfalls im Positivbereich, während Absperrarmaturen mit einem Minus von neun Prozent deutlich schlechter abschnitten.

Für das zweite Halbjahr 2021 stehen die Zeichen dagegen auf Wachstum. So liegen in allen drei Bereichen Ende des ersten Halbjahres die Auftragseingänge über dem Vorjahreszeitraum.

Exporte auf Erholungskurs: Rettet China (wieder) die Wirtschaft?

Nach dem Corona-bedingt schwachen Vorjahr konnte das Exportgeschäft der deutschen Industriearmaturenhersteller im ersten Halbjahr immerhin wieder Fahrt aufnehmen: Im Zeitraum Januar bis Juni 2021 wurden Industriearmaturen im Wert von rund 2,2 Milliarden Euro ins Ausland exportiert. Das entspricht einem Anstieg von 8,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Exporte befinden sich damit wieder auf dem Vorkrisenniveau des ersten Halbjahres 2019.

Das Exportgeschäft mit dem wichtigsten Handelspartner China hat sich kräftig erholt und liegt mit plus 21,1 Prozent deutlich über dem Vorjahresniveau. Insgesamt wurden Armaturen im Wert von 319 Millionen Euro in die Volksrepublik geliefert. Das Geschäft in den USA verlief für die deutschen Unternehmen im Vergleich dazu verhalten.

USA verhalten, Italien wieder im Rennen

Die Ausfuhren in das zweitwichtigste Abnehmerland USA blieben mit 180,6 Millionen Euro nahezu auf dem niedrigen Niveau des Vorjahreszeitraums (plus 0,6 Prozent). Die Exporte nach Frankreich erholten sich dagegen um kräftige 16,8 Prozent. Das Land behauptet somit weiterhin Platz drei der wichtigsten Absatzmärkte mit einem Abnahmevolumen von 130,3 Millionen Euro.

Dahin gehen die Armaturen: Die wichtigsten Exportmärkte für die deutsche Industriearmaturen-Branche.
Dahin gehen die Armaturen: Die wichtigsten Exportmärkte für die deutsche Industriearmaturen-Branche.
(Bild: VDMA)

Positiv ragt unter den wichtigsten Abnehmerländern noch Italien heraus. Die Exporte nach Italien kletterten um 29,9 Prozent auf 123,7 Millionen Euro und erreichten ein Niveau deutlich über dem Ergebnis von 2019 (106,3 Millionen Euro).

Armaturen-Branche hofft auf Umsatzplus im zweiten Halbjahr

Damit, hoffen die Hersteller, könnte die Talsohle erreicht sein: Die weltweit anziehende Konjunktur könnte auch für volle Auftragsbücher der Armaturenbranche sorgen. Wichtige Abnehmer für die Verfahrenstechnik wie der Großanlagenbau, die Chemieindustrie sowie die Öl- und Gasbranche befinden sich wieder auf dem Wachstumspfad.

Allerdings trüben Materialengpässe verbunden mit Kostenanstiegen und Lieferproblemen die Perspektiven. „Wir rechnen vor diesem Hintergrund aktuell mit einem leichten Umsatzplus von 1 Prozent für 2021“, prognostiziert Wolfgang Burchard.

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