Cornonaviren im Abwasser Abwasserwirtschaft auf Spurensuche: BMBF-Projekt rechnet Ende 2021 mit Ergebnissen

Redakteur: Dominik Stephan

Die Idee, Viren im Abwasser aufzuspüren und quasi als "Frühwarnsystem" für die Gesundheitsämter zu nutzen, ist nicht neu. Jetzt startet die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) mit dem UFZ Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig sowie der TU Dresden in die "intensive" Forschung im Rahmen eines BMBF-Projekts. Kurzfristig ist aber aus dem Klärwerk keine Hilfe zu erwarten: Ergebnisse will das Ministerium erst Ende des Jahres vorstellen.

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Ein Indikator für Sars-Cov-2 im Abwasser soll ein genaues Bild von der Entwicklung der Viruszirkulation in den Bevölkerungen liefern.
Ein Indikator für Sars-Cov-2 im Abwasser soll ein genaues Bild von der Entwicklung der Viruszirkulation in den Bevölkerungen liefern.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Hennef – Kann das Monitoring über den Abwasserpfad zu einem Corona-Früh- und Entwarnsystem entwickelt werden? Können mit einem solchen System auch Virusmutationen frühzeitig aufgespürt werden? Kann mit Abwassermonitoring die Dunkelziffer über belastbare Modellberechnungen ermittelt werden? Diese Fragen stellen Forscher, Fachleute und zunehmend auch die Öffentlichkeit seit Ausbreitung des Corona-Virus. Zwischenergebnisse stimmen optimistisch - doch die großflächige Anwendung in der Praxis lässt (zumindest in Deutschland) auf sich warten. Jetzt beauftragt Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) mit der Vernetzung der nationalen und internationalen Forschung zu dieser Thematik - warnt aber zugleich vor zu hohen Erwartungen.

Gegen Ende des Jahres sollen konkrete Antworten vorliegen: „Bis zur Praxistauglichkeit eines solchen Abwasser-Monitoringsystems ist es noch ein sehr langer Weg. Durch die Vernetzung der Forschergruppen und durch den frühzeitigen Austausch der Erkenntnisse hoffen wir jedoch, viel schneller ans Ziel zu kommen“, hebt Johannes Lohaus, Sprecher der DWA-Bundesgeschäftsführung, die Bedeutung des Projektes hervor.

Das bekommt viel Zuspruch - aber auch sanfte Kritik, immerhin gehört ein deutsches Team der TU Darmstadt um Professorin Susanne Lackner seit 2020 zu den Vorreitern bei der Spurensuche im Wasserwerk: „Diese Initiative war überfällig!“, so Bernd Manfred Gawlik, DG Joint Research Centre der Europäischen Kommission, der eine europäische Umbrella-Studie zum gleichen Thema koordiniert. „Die Kommission richtet ihren Fokus derzeit auf den Nachweis der UK-Mutation über Abwasser-Monitoring“, betont Gawlik.

Forschungsprojekte zum Nachweis von Corona-Infektionen über das Abwasser laufen bereits seit dem Frühjahr des letzten Jahres sowohl in Deutschland als auch in vielen anderen Staaten. Die DWA arbeitet beispielsweise seit April 2020 gemeinsam mit dem UFZ Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig sowie der TU Dresden intensiv diesbezüglich zusammen.

So könnte die Abwasserbeprobung zur Bekämpfung des Coronavirus beitragen

In einem Fall geben die Wasser-Experten Entwarnung: Das Virus ist im Abwasser nicht lebensfähig, eine Infektionsgefahr über den Abwasserpfad besteht nicht. Die Erbinformationen des Virus können im Abwasser aber definitiv an verbliebenen RNA-Fragmenten nachgewiesen werden.

Daher lassen sich über den Abwasserpfad Infektionen im Einzugsgebiet bereits vor dem Ausbruch einer Infektionswelle feststellen. Dem Virus einen Schritt voraus zu sein bedeutet, Hotspot-Regionen frühzeitig zu identifizieren, Virus-Mutationen vor einer massiven Ausbreitung aufzuspüren und die Wirkung der Eindämmungs-Politik schneller bewerten zu können. Corona-Monitoring über den Abwasserpfad fungiert dann als Pandemie begleitendes System, von der Früherkennung über die Mutationsaufspürung bis zur Entwarnung. Dabei auch im Fokus: Kann das System aufwendige und kostspielige Massentestungen mit hohem Anteil negativer Ergebnisse ergänzen oder sogar ersetzen?

Besonders interessant ist die Einbindung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Österreich, der Schweiz und den Niederlanden mit deren jeweiligen besonderen Wissen. In den Niederlanden bestanden beispielsweise bereits vor Corona Erfahrungen mit dem Nachweis von Erregern wie Enteroviren bezüglich des Epidemie-Potentials über Abwasser. Die Niederlande haben daher bereits notwendige Strukturen im Land aufgebaut, um das System flächendeckend zu nutzen. Und auch für die aktuellen Projekte gilt, dass die derzeitigen Forschungsaktivitäten sich nicht allein auf Corona beschränken dürfen und werden. Die Erkenntnisse dienen auch als wertvolle Grundlage für mögliche zukünftige Epidemien bzw. Pandemien.

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