Studie: Ernährungsindustrie nach Corona Corona-Pandemie trifft nicht alle Nahrungsmittelproduzenten gleich

Redakteur: M.A. Manja Wühr

Bilder von leeren Supermarktregalen im März 2020 ließen den Eindruck entstehen, dass die Lebensmittelindustrie von der Corona-Krise profitiert. Eine aktuelle Studie zum Einfluss der Pandemie auf die Ernährungs- und Genussmittelindustrie zeigt, dass dies nur die halbe Wahrheit ist. Die Branche musste in anderen Bereichen starke Einbrüche hinnehmen.

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Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), der Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuss (ANG) sowie Ebner Stolz stellen Studie „Alles anders?“ vor. Diese untersucht die Auswirkungen von Corona auf die Ernährungs- und Genussmittelindustrie.
Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), der Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuss (ANG) sowie Ebner Stolz stellen Studie „Alles anders?“ vor. Diese untersucht die Auswirkungen von Corona auf die Ernährungs- und Genussmittelindustrie.
(Bild: PROCESS/Wühr)

Berlin/Köln – Die Pandemie hat in der Ernährungs- und Genussmittelindustrie tiefe Spuren hinterlassen. Während 2020 der Online-Handel und das Direktgeschäft florierte, brachen bei Großhandel, Großverbrauchern, Gastronomie und im Export die Umsätze weg. Das ist eine Erkenntnis aus der aktuellen Studie „Alles anders?“, die die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), die Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuss (ANG) sowie Ebner Stolz vorgestellt haben. Die Studie untersucht Auswirkungen von Corona auf den Ernährungssektor. Hierzu wurden Branchenexperten aus über 180 Unternehmen befragt.

60 Prozent der 188 Umfrageteilnehmer rechnen 2020 mit deutlichen Umsatzrückgängen. Diese Entwicklung sollte nur temporär sein: 57 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass sich die allgemeine Geschäftslage wieder oder weiter verbessert und knapp vier Fünftel der befragten Top-Entscheider gehen davon aus, dass spätestens 2022 wieder die Umsatzniveaus der Vorkrisenzeit erreicht werden.

Auch wenn sich die Umsätze nach Corona wohl stabilisieren werden, rechnen die Unternehmen mit einem nachhaltigen Wandel der Branche. Vor allem vier Trends werden die Branche nach Meinung der Experten – teilweise unabhängig von der aktuellen Situation – in naher Zukunft prägen. An erster Stelle steht dabei der Preis- und Margendruck, von dem 84 Prozent der Branchenexperten annehmen, dass er sich fortsetzen wird. Ähnlich hoch bewerten die Befragten den Komplex „New Work“, worunter der Rückgang von Dienstreisen sowie die weitere Zunahme von flexiblen Arbeitsformen und Home Office zusammengefasst werden. Darüber hinaus werden Nachhaltigkeit und Digitalisierung als branchenübergreifende Trends das weitere Handeln im Ernährungssektor bestimmen.

Zukunftstrend Digitalisierung

Die Digitalisierung der Produktion sieht Hans-Günter Trockels, Geschäftsführer der Kuchenmeister, weit fortgeschritten. Produktionsanlagen würden digital überwacht und Produktionsstandorte vernetzt. Treiber für einen weiteren Ausbau der Automatisierung der Produktion ist für Trockels der steigende Druck bei den Personalkosten. BVE und ANG sehen zudem die Gefahr, dass die Produktion ins Ausland abwandert, da dort die Personalkosten und Regularien deutlich geringer sind.

Zahlreiche Unternehmen nutzen die Krise auch, um neue Absatzwege zu erschließen, Prozesse, Organisations- und Führungsstrukturen zu hinterfragen oder die Digitalisierung weiter voranzutreiben. Diese ersten Schritte zu einem nachhaltigen Umbau des Unternehmens gehen häufig einher mit einer tiefgreifenden strategischen Neuausrichtung, die zahlreiche Aspekte des gegenwärtigen Geschäftsmodells einschließt – von der Neudefinition der Zielgruppen, Kanäle und Unternehmensstrukturen bis zur Anpassung von Sortimenten, Organisations-, Kosten- und Werksstrukturen.

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