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Abwärme-Nutzung Abwärme der Raffinerie Miro versorgt Karlsruhe mit Fernwärme

| Autor / Redakteur: Dipl.-Ing. Hans-Jürgen Bittermann / Anke Geipel-Kern

Raffinerien sind wahre Energiefresser und ihre Betreiber deshalb immer auf der Suche nach cleveren Ideen, um Primärenergie zu sparen. Ein intelligentes Konzept zur Abwärmenutzung schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: Die Raffinerie senkt den Kühlbedarf und eine angrenzende Stadt wird mit Fernwärme versorgt.

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„Auch wer sich mit dem Thema Fernwärme gut auskennt, ist keinesfalls der beste Engineering-Partner. Hier ist Prozess-Know-how unabdingbar.“ Ralf Gast, Triplan (Bild: Triplan)
„Auch wer sich mit dem Thema Fernwärme gut auskennt, ist keinesfalls der beste Engineering-Partner. Hier ist Prozess-Know-how unabdingbar.“ Ralf Gast, Triplan (Bild: Triplan)

100 Mineralöl-Raffinerien gibt es in der EU sowie in der Schweiz und in Norwegen. Sie decken 42 Prozent des Energiebedarfs der EU und liefern 95 Prozent der für Transportaufgaben erforderlichen Kraftstoffe [1]. In diesen vollintegrierten Anlagen werden erhebliche Mengen an Rohstoffen und Produkten verarbeitet, der Verbrauch an Energie und Wasser (Prozess- und Kühlwasser) ist enorm. Da der Anteil der Energiekosten bis zur Hälfte der gesamten Betriebskosten einer Raffinerie ausmachen kann, senkt eine Verringerung des Energieverbrauchs bzw. eine Verbesserung der Energieeffizienz unmittelbar die Gesamtkosten.

Bei der Mineraloelraffinerie Oberrhein (Miro) in Karlsruhe geht man genau diesen Weg: Durch Nutzung der Abwärme außerhalb der Raffinerie sinkt der Kühlbedarf auf der Raffinerieseite. Bereits 2007 vereinbarten die Miro und die Stadtwerke Karlsruhe die Eckpunkte einer Zusammenarbeit, um überschüssige Niedertemperatur-Abwärme aus den Raffinerieprozessen für die Fernwärmeversorgung der Stadtwerke nutzbar zu machen. Seit 2010 erhält die Kommune nun auf diese Weise Wärmeenergie von der Miro [2]. Hierzu wurden auf dem Gelände der Raffinerie hochmoderne Plattenwärmeübertrager installiert, mit denen die überschüssige Prozesswärme eingesammelt und durch eine fünf Kilometer lange Transportleitung zum Heizkraftwerk West der Stadtwerke geleitet wird; von dort gelangt die Fernwärme zu den angeschlossenen Gebäuden. Mit den rund 40 MW Wärmeleistung können mehrere Tausend Haushalte versorgt werden. Das verbessert die Ökobilanz der bereitgestellten Fernwärme deutlich.

Spezialisierter Dienstleister

Die bei der Miro dazu umzusetzende Technik plante der Engineering-Dienstleister Triplan (Niederlassung Karlsruhe), basierend auf dem Konzept des Beratungsunternehmens Arcadis und unterstützt beim Basic-Engineering durch Spezialisten der Lauterbach Verfahrenstechnik. Nach dem bereits 2008 erstellten Basic-Engineering erhielt Triplan infolge auch den Anschluss-Auftrag für das Detail-Engineering der 1. Ausbaustufe. Das Engineering umfasste die Anlagenbau-, Bau- und Stahlbauplanung auf dem Gelände der Miro bis zum Übergabepunkt auf dem Werksgelände. Zentrale Aufgabe war dabei die Auswahl und Auslegung der Wärmeübertrager, um die Prozessabwärme in die Fernwärmeleitung nach Karlsruhe einzuspeisen. Die Planung wurde im März 2010 mit dem beauftragten Planungsvolumen von insgesamt 12 000 Ingenieurstunden abgeschlossen (s.a. Interview).

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