Nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus ökonomischer Sicht ist die Nutzung der Prozessabwärme zu Heizzwecken bedeutsam: Zum einen kann eine Raffinerie auf diese Weise ihre Energieeffizienz hierdurch um rund drei Prozent verbessern. Zum anderen wird die Karlsruher Fernwärmeversorgung unabhängiger von den Preisentwicklungen auf den Energiemärkten. Die Möglichkeit zur Einsparung von Primärenergie und damit von Kohlendioxid-Emissionen – immerhin rund 65 000 Tonnen CO2 pro Jahr – machen dieses Projekt zu einem Vorzeige-Modell.
Über 23 000 Wohnungen und 1200 öffentliche Einrichtungen, Geschäftshäuser und Unternehmen werden in Karlsruhe mit Fernwärme versorgt; die Energie dafür stammt aus vier Wärmequellen – einem Großkraftwerk mit Entnahme-Kondensations-Turbine, einem Heizkraftwerk mit Gegendruck-Turbine und zwei Heizwerken mit Heißwasserkesseln.
Ein wichtiges Plus ist die Tatsache, dass die Abwärme der Miro ganzjährig anfällt. Deshalb können die Kraftwerksbetreiber einen großen Teil der Eigenerzeugung von Fernwärme im Heizkraftwerk West ersetzen und so eine Menge Primärenergie sparen. Neubaugebiete werden in naher Zukunft ebenfalls mit der Miro-Wärme beliefert.
Das Fazit des nachahmenswerten Projektes, das nur Gewinner kennt: Fernwärme ist energieeffizient, hat einen guten CO2-Footprint und passt in die Zeit. Derzeit werden aber im bundesdeutschen Durchschnitt gerade einmal 14 Prozent der Haushalte mit Fernwärme versorgt. Da ist noch viel Ausbau-Potential vorhanden. Wer als Wärmequelle ein Industrieunternehmen auswählt, braucht als Planer allerdings viel Know-how in der Prozesstechnik, um die Kernaufgaben der Anlage nicht negativ zu beeinflussen (s.a. Interview).
* Der Autor arbeitet als freier Redakteur für PROCESS.