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Dekarbonisierung

Zusammenarbeit beim Klimaschutz: Chemieindustrie und Stakeholder legen Dialogbericht vor

| Redakteur: Alexander Stark

Als erste Industriebranche in Deutschland hat sich die chemische Industrie beim Thema Treibhausgasemissionen in die Diskussion mit verschiedenen Interessensgruppen begeben. Dabei sollten die gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen beim Klimaschutz erörtert werden. Nach anderthalb Jahren ziehen die Teilnehmer mit der Veröffentlichung eines Dialogberichts ein erstes Zwischenfazit.

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Die Chemieindustrie diskutierte mit Stakeholdern über Wege zur Treibhausgasneutralität - nun zieht die Dialoggruppe eine erste Zwischenbilanz.
Die Chemieindustrie diskutierte mit Stakeholdern über Wege zur Treibhausgasneutralität - nun zieht die Dialoggruppe eine erste Zwischenbilanz.
( Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Berlin – Was erwartet die Gesellschaft von der Chemieindustrie beim Klimaschutz? Wie lässt sich die Entstehung von Treibhausgasen vermeiden oder so weit wie möglich reduzieren? Und welche Rahmenbedingungen sind erforderlich, um den Pariser Klimaschutzzielen gerecht zu werden und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der energieintensiven Industrien zu erhalten?

Diese und ähnliche Fragen stehen im Mittelpunkt des „Stakeholder-Dialogs Dekarbonisierung“, den der Verband der Chemischen Industrie im Sommer 2017 initiiert hatte. An den von Dialog Basis moderierten Gesprächsrunden nehmen Expertinnen und Experten aus insgesamt 26 Stakeholder-Organisationen, zivilgesellschaftlichen Gruppen, der Wissenschaft und der Wirtschaft teil. Die Teilnehmer haben in einem Dialogbericht nun ein erstes Zwischenfazit gezogen.

Event-Tipp der Redaktion Die von PROCESS mitorganisierte diesjährige VIK-Jahrestagung unter dem Motto „Industrie & Klimaschutz – Nicht auf das Ob, sondern das Wie kommt es an!“ am 23. Oktober 2019 in Berlin ist das Spitzentreffen der industriellen und gewerblichen Energiewirtschaft und der energieintensiven Branchen. Hier treffen Vorstände, Geschäftsführer, Energiestrategen und Energiemanager der energieintensiven Unternehmen im Dialog und Austausch auf Politik und Wissenschaft. Das diesjährige Programm vereint den Blick auf Wege zum Klimaschutz sowie auf Versorgungssicherheit.

Alle Akteure bekennen sich zum Paris-Abkommen und dem Klimaschutzziel, den weltweiten Temperaturanstieg auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen. Die Dialoggruppe plädiert zudem für einen regulativen Rahmen, der eine Umsetzung der Dekarbonisierung für die Unternehmen wirtschaftlich möglich macht. Dekarbonisierung soll dabei nicht so verstanden werden, dass Produkte der Chemie keinen Kohlenstoff mehr enthalten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Dialogs favorisieren daher den Begriff Treibhausgasneutralität anstelle von Dekarbonisierung.

Sie stimmen auch darin überein, dass der chemischen Industrie mit ihren innovativen Produkten und Prozessen eine Vorreiterrolle zukommt, um den Pfad zu einer möglichst treibhausgasneutralen Gesellschaft mitzugestalten. Eine Abwanderung der Industrie („Carbon Leakage“) soll vermieden werden, da eine bloße Verlagerung von emissionsintensiven Prozessen ins Ausland mit Blick auf den Klimaschutz nicht sinnvoll sei.

Einigkeit herrscht in der Gruppe, dass es für eine solche grundlegende Transformation der Produktion und des Konsums, auch aufgrund des großen Infrastrukturbedarfs der Chemieproduktion, Leittechnologien frühzeitig identifiziert werden müssen. Eine ambitionierte und verlässliche Förderung von Forschung und Entwicklung sowie von Pilotprojekten bis hin zur Markteinführung müsse geschaffen werden.

Neben den Konsenspunkten benennt der Dialogbericht auch die Aspekte, bei denen sich die Ansichten konträr gegenüberstehen und bei denen weiterer Diskussionsbedarf gegeben ist. Den offenen und kritisch-konstruktiven Austausch wollen die Teilnehmer nach Veröffentlichung des Berichts bereits weiter führen.

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