Grundstoffchemie ohne Kohle Zeitenwende am Niederrhein: Solvay plant Soda ohne Kohle

Redakteur: Dominik Stephan

Ausgerechnet die Firma, nach der das meistgenutzte Verfahren zur Herstellung von Natriumcarbonat (Soda) benannt ist, plant den Kohle-Ausstieg: Das Solvay-Werk Rheinberg soll in zwei Schritten auf Biomassekessel umsteigen, erklärt das Unternehmen. Bereits im Mai geht der erste Kessel in Betrieb.

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Solvay plant, bis 2025 die Kohlenutzung am Standort Rheinberg aufzugeben.
Solvay plant, bis 2025 die Kohlenutzung am Standort Rheinberg aufzugeben.
(Bild: Johannes Kefferpütz)

Rheinberg – Woodpower nennt Standortbetreiber Solvay das Projekt, mit dem das Sodawerk Rheinberg den Kohleausstieg schaffen soll. Mit der biomassebefeuerten Kraft-Wärme-Kopplungsanlage wird in einem ersten Schritt die Nutzung fossiler Brennstoffe an dem Standort um 25 Prozent reduziert. Mit dem Ausbau eines zweiten Biomassekessels sollen bis 2025 die CO2-Emissionen des Rheinberger Soda-Werks gegenüber 2018 um 65 Prozent sinken und die Verbrennung von Kraftwerkskohle komplett enden, so Unternehmenssprecher.

Beide Biomasse-Kessel sollen Holzhackschnitzel aus Recyclingholz, einer Mischung aus Altholz sowie Restholz aus der Industrie und Abbrucharbeiten, als Brennstoff für die Prozessdampf- und Stromerzeugung nutzen. Die Anlage (geliefert von der Firma Aalborg) wird für eine eingebrachte Brennstoffwärme von 90 MWt und einen Kesselwirkungsgrad von 92 Prozent ausgelegt

„Solvay ist Marktführer bei Soda und Natriumbicarbonat. Mit diesen Investitionen stellen wir sicher, dass Rheinberg nachhaltig und wettbewerbsfähig produziert“, sagt Philippe Kehren, Präsident der Geschäftseinheit Solvay Soda Ash & Derivatives. So sollen in Zukunft die Treibhausgas-Emissionen in Rheinberg unter denen von Trona-Soda-Werken liegen.

„Seit dem Start unserer Solvay One Planet-Roadmap wird es das erste Werk sein, das keine Kohle mehr einsetzt, und in der Unternehmensgeschichte das erste Werk, das auf Biomasse umstellt. Ich bin stolz, dass der Standort mit einer Soda-Produktion mit den weltweit niedrigsten Emissionen wegweisend sein wird“, sagt Solvay-CEO Ilham Kadri. „Das Projekt wird Solvays Treibhausgasemissionen strukturell um 4 Prozent senken, und uns unserem Ziel näher bringen, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 26 Prozent zu senken.”

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