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Interview mit Dr. Dahai Yu von Evonik World-Scale-MMA-Anlage für die USA

Redakteur: Wolfgang Ernhofer

Das Aveneer-Verfahren zur Herstellung von Metylmethacrylat wurde in den letzten Jahren mithilfe einer Pilotanlage in Worms zur technischen Reife gebracht, den Zuschlag für den Bau der ersten World-Scale-Anlage hat der Standort Mobile in den USA erhalten. Die Gründe dafür erklärt Dr. Dahai Yu, Mitglied des Evonik-Vorstands, im PROCESS-Interview.

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Am Evonik-Verbundstandort Mobile in den USA arbeiten rund 750 Mitarbeiter. Hier wird die World Scale-MMA-Anlage mit einer Jahreskapazität von 120000 Tonnen gebaut. Im Werk werden u.a. Kieselsäuren, Methionin und Polymethacrylimid-Hartschaum hergestellt.
Am Evonik-Verbundstandort Mobile in den USA arbeiten rund 750 Mitarbeiter. Hier wird die World Scale-MMA-Anlage mit einer Jahreskapazität von 120000 Tonnen gebaut. Im Werk werden u.a. Kieselsäuren, Methionin und Polymethacrylimid-Hartschaum hergestellt.
(Bild: Evonik)

Evonik hat die Basisplanung für eine neue Produktionsanlage für MMA (Metylmethacrylat) nach dem Aveneer-Verfahren am Standort Mobile, Alabama, gestartet. Die Anlage mit einer Produktionskapazität von 120 000 Tonnen soll Mitte 2015 in Betrieb gehen, bis zu 100 Arbeitsplätze schaffen und einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag kosten.

Beim von Evonik entwickelten Aveneer-Verfahren lägen die CO2-Prozessemissionen unter einer Tonne CO2 je Tonne Produkt, was den bisherigen Wert nahezu halbieren würde. Aveneer basiert wie der ACH-Sulfo-Prozess auf den Einsatzstoffen Ammoniak, Methan, Aceton und Methanol – kommt allerdings ohne Schwefelsäure aus. Im Vergleich zum bisherigen Verfahren nutzt es mit einer Gesamtausbeute von 95 Prozent die eingesetzten Ressourcen deutlich besser. Ein weiterer Vorteil ist, dass in einer Anlage gleichzeitig Methylmethacrylat und Methacrylsäure produziert werden können.

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Evonik hat in einer Pilotanlage in Worms in den letzten fünf Jahren das Verfahren zur technischen Reife gebracht. Warum sich der Spezialchemikalienhersteller für den Großanlagenbau am Standort Mobile entschieden hat und ob die Reindustrialisierung der USA durch Shale Gas eine entscheidende Rolle spielt, erklärt Dr. Dahai Yu, Vorstandsmitglied von Evonik, im PROCESS-Interview.

PROCESS: Bei der Entscheidung für Mobile spielt laut Evonik die Verfügbarkeit von Rohstoffen und Energie eine wichtige Rolle. In welchen Punkten schneiden deutsche Werke wie Worms oder Wesseling bei der Standortentscheidung schlechter ab als Mobile?

Yu: Unsere Entscheidung ist das Ergebnis eines intensiven Auswahlprozesses, der jetzt zu Ende gegangen ist. In Summe wurden in den letzten Monaten neben Mobile mehr als 20 Alternativen eingehend bewertet. Die Entscheidung, die Basisplanung der ersten World-Scale-Anlage zu starten, ist daher in erster Linie ein Votum für Aveneer und nicht eine Aussage über die Zukunftsfähigkeit unserer Standorte.

PROCESS: Am Standort Mobile wird Rohacell, ein Leichtbau-Werkstoff, hergestellt. Gibt es Synergien mit der MMA-Produktion, bzw. welche Vorteile bietet der Verbundstandort in den USA für die gemeinsame Produktion?

Yu: MMA wird nicht nur direkt für den Markt produziert, sondern bildet die Grundlage für eine ganze Reihe von Folgeprodukten. Die Öladditive unserer Tochter Rohmax, Degaroute und Plexiglas sind weitere Beispiele, die von der Neuanlage profitieren werden. Heute bereits produziert der Geschäftsbereich Performance Polymers am Standort Mobile Methacrylat-Spezialmonomere. Diese Monomere basieren ebenfalls auf MMA, und so ergeben sich auch hier potentielle Synergien.

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