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Vergleichsrahmen schaffen und reale Ergebnisse präsentieren
Durch die sehr unterschiedlichen Branchen, Unternehmensstrukturen und Wirtschaftsarten gibt es vom Grundsatz her keine Audit-Blaupause für die Ermittlung von „Nachhaltigkeit“ oder „Ressourcenschonung“. Dies hat in der Anfangszeit der Zertifizierung auch dazu geführt, dass Firmen das EMAS-Logo trugen, obwohl sie beispielsweise kritische Prozesse wie die Abwassermenge bzw. die Zusammensetzung ihres Abwassers in ihrer Umwelterklärung verschwiegen. Daher arbeiten mittlerweile die bestellten Gutachter in standardisierten großen Kernthemen wie Emissionen, Wasser, Abfall, Gefahrenstoffe und Energie und Arbeiten in vergleichbaren Szenarien.
Vergleichsszenarien deshalb, weil Zahlen alleine das Ergebnis durchaus positiv verfälschen können. Beispiel: Die Abfallmenge reduziert sich von Jahr X auf Jahr Y um die Menge Z. Dies klingt nach einem sehr guten Ergebnis, nach einer tatsächlichen Erfolgsbilanz. Wenn jedoch gleichzeitig Umsatz oder Absatzmenge zurückgeht, ist dies nur eine logische Folge – des zurückgehenden Geschäfts bzw. des verringerten (materiellen) Outputs, nicht der Anstrengungen im Bereich Nachhaltigkeit.
Um dies zu verhindern, sind alle EMAS-Unternehmen angehalten, eine Vergleichsgröße zu schaffen. Diese kann durchaus unterschiedlich ausfallen, auch in den einzelnen Kernthemen können andere Bezüge sinnvoll sein. Hauptsächliche Kriterien sind neben Umsatz, Stückzahl, Ausbringmenge (in Kilogramm oder Tonnen oder anderer Größe), Personenzahl, Arbeitsstunden und Nutzungsfläche. Üblich sind bei produzierenden Unternehmen wie Gemü zum Beispiel die Inbezugsetzung zwischen Ausbringmenge und Abfall oder zwischen Ausbringmenge und Energie. Deshalb sind „fünf Prozent weniger“ an den deutschen Standorten Criesbach und Waldzimmern eben eine „echte“ Leistung: Denn im Zeitraum von April 2011 bis Mai 2012 ist die Ausbringmenge sogar erneut gestiegen, während der Energieverbrauch stabil gehalten werden konnte. Dies deutete sich bereits im Langzeitvergleich seit 2008 an.
Die Abkopplung von Ausbringmenge und Energieverbrauch ist eine Leistung, auf der sich Gemü allerdings nicht ausruhen möchte. Gert Müller, Geschäftsführer Technik und Vertrieb, will mehr erreichen: „Mittel- und langfristig wollen wir uns weiter entkoppeln, das heißt, bei höherer Ausbringmenge auch den absoluten Verbrauch deutlich reduzieren.“ Dazu gelte es insbesondere, weitere Investitionsmittel einzustellen und weiteres Verbesserungspotential zu suchen. Dabei verschweigt die Unternehmensleitung keinesfalls, dass es auch handfeste wirtschaftliche Gründe für die Verankerung von Nachhaltigkeit gibt. So, wie es in den Unterlagen für neue Mitarbeiter seit vielen Jahren steht: Verantwortlich handeln und wirtschaftlich erfolgreich sein.
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