Exklusiv-Interview

Wie stehen die Chancen deutscher Anbieter von Wasserwirtschaft?

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PROCESS: Ziel ist es auch, Innovationen voranzutreiben. Wie kann man sich das vorstellen?

Prange: Innovation heißt ja wörtlich Neuerung oder Erneuerung, umgangssprachlich verwenden wir den Begriff im Sinne von neuen Ideen und Erfindungen und für deren wirtschaftliche Umsetzung. Innovationen resultieren erst dann aus Ideen, wenn diese in neue Produkte, Dienstleistungen oder Verfahren umgesetzt werden und tatsächlich erfolgreich angewendet werden. Wir als German Water Partnership verstehen uns hier als Vermittler zwischen Theorie und Praxis, d.h. zwischen Unternehmen und den Institutionen in Wissenschaft und Forschung. Auf den verschiedensten Wegen bringen wir sie an einen Tisch, engagieren uns so im Abbau von Innovationshemmnissen und stärken das Vermarktungsumfeld.

PROCESS: Wie groß schätzt die GWP das globale Marktpotenzial für wasserwirtschaftliche Lösungen?

Prange: Wenn Sie sich in der Welt umschauen, sehen Sie ein ungeheuer großes Marktpotenzial; aber das können Sie nicht in Zahlen einbetten. Die ganz große Herausforderung ist, so vielen Menschen wie möglich Zugang zu sauberem Wasser zu ermöglichen. Die UN-Millenniumsziele sehen bis Ende 2015 die Halbierung des Anteils der Menschen (das sind mehr als eine Milliarde!) ohne dauerhaft gesicherten Zugang zu hygienisch einwandfreiem Trinkwasser vor. Und davon sind wir, wie es scheint, weit entfernt. Krisen, Kriege, Katastrophen verändern jeden Tag aufs Neue das Bild und nehmen großen Einfluss.

PROCESS: Welche Länder sind besonders erfolgreich, diese Marktpotenziale zu generieren?

Prange: Aus den oben genannten Gründen kann man denn auch nur schwerlich besonders erfolgreiche Länder benennen. Es liegt in der Natur der Sache: Aus Kriegs-/Krisengebieten ist der Rückzug meist unumgänglich, in stabilen Ländern sind die Unternehmen seit vielen Jahren präsent. Wie schnell sich die Konstellationen ändern, erfahren wir täglich. Ein Blick auf die 15 Fokusländer und -regionen, in denen sich unsere Experten zusammengeschlossen haben, gibt aber ein wenig Auskunft, Beispiele: Im März hat die GWP mit Jordanien ein Memorandum of Understanding unterzeichnet, es bestehen intensive Geschäftskontakte. In Indien öffnet sich der Markt zunehmend seit der Wahl des neuen Premiers, im Iran entspannt sich die Lage, einer Zusammenarbeit steht die neue Regierung positiv gegenüber.

PROCESS: Wo sehen Sie im internationalen Vergleich bei deutschen Anbietern die Stärken – und wo die Schwächen?

Prange: Die deutsche Wasserwirtschaft verfügt über einen in vielen Jahren erworbenen sehr hohen Standard, der im internationalen Vergleich höchsten Ansprüchen genügt. Wissenschaft und Forschung tragen in hohem Maße dazu bei, dass das so bleibt; entsprechende Forschungsprojekte werden in unserem Land z.B. vom BMBF gefördert. Neben den qualitativ hochwertigen Produkten und Dienstleistungen hat die deutsche Wasserwirtschaft auch viel im Bildungs- und Ausbildungsbereich zu bieten – ein grundlegend wichtiges Angebot. Zu den Schwächen: Wir müssen in den Ländern, in denen wir tätig sind, das Bewusstsein für Life-cycle costs schaffen und dafür Sorge tragen, dass das in den Ausschreibungen berücksichtigt wird. Da sind wir viel zu zurückhaltend, daran müssen wir arbeiten. Gute Qualität hat nun mal ihren Preis.

PROCESS: Herr Dr. Prange, vielen Dank für das Gespräch.

* Das Interview führte Hans-Jürgen Bittermann, freier Mitarbeiter bei PROCESS.

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