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Schließlich wurde auch das über OPC-Server angebundene Betriebsdateninformationssystem (PIMS, Plant Information Management System) auf einen aktuellen Hard- und Softwarestand gebracht. Dabei schützten ein schrittweises Vorgehen und ein zeitweiliger Parallelbetrieb von Alt- und Neusystem vor Datenverlusten.
„Insgesamt verteilt sich der Kostenaufwand für derartige Modernisierungsprojekte etwa hälftig auf die neu beschaffte Hard- und Software sowie die Planungs- und Implementierungsarbeiten“, erläutert Thomas Schindler, Engineering Principal bei Yokogawa Deutschland. Dabei nimmt die Vorplanung in der Regel deutlich mehr Zeit in Anspruch als die eigentliche Implementierung.
Im vorliegenden Fall lag der Planungs- und Testaufwand bei rund 80 % der gesamten Arbeitszeit des Yokogawa-Teams.
Die Mitarbeit der Betriebsmannschaft der Hafenbetriebe war speziell bei der Abstimmung der einzelnen Maßnahmen unerlässlich. „Dieser Zeitaufwand macht sich aber bezahlt, wenn danach alles wie ein Uhrwerk abläuft“, betont Thomas Bagsik, Leiter der Betriebstechnik in den Hafenbetrieben.
Die „heiße“ Phase
Der eigentliche Umbau des Prozessleitsystems fand an insgesamt 15 Tagen zwischen Mitte September und Anfang November 2012 statt. „Die Kunden der Hafenbetriebe im Chemiepark haben davon nichts mitbekommen – genau so soll es auch sein“, sagt Bagsik. Grundlage dieser Arbeiten waren ein präzise ausgearbeiteter Ablaufplan und detaillierte Checklisten für jeden Schaltschrank, jede Prozessstation und Netzwerkkomponente.
„Um die eigentliche Umschlusszeit so kurz wie möglich zu halten, haben wir außerdem intensiv vorgearbeitet“, erklärt Schindler. So wurde das komplette Glasfasernetz im Vorfeld installiert und ausgiebig getestet. Die meisten neuen Hardwarekomponenten wurden bereits bei Yokogawa geprüft und vorkonfiguriert.
Ebenso wurde dort ihr Zusammenspiel im Verlauf der Umrüstung bzw. Migration simuliert, bevor sie zu ihrem Einsatzort gebracht wurden. „Dieser Pre-FAT (Factory Acceptance Test) war ziemlich aufwändig“, gibt Schindler zu. Er helfe aber, technische Defekte oder Planungsfehler frühzeitig zu erkennen und zu beheben und spare damit vor Ort sehr viel Zeit.
Ganz einfach anmutende technische Maßnahmen können ebenfalls zum reibungslosen Ablauf der Arbeiten beitragen. Ein Beispiel dafür sind so genannte Patchfelder, die in den Segmenten I, II und V mit Gigabit-Bus hinter den Netzwerk-Switches installiert und dann bis zu Hutschienen-Patchdosen nahe der PNK bzw. S-SPS im Vorfeld fertig verkabelt und getestet wurden.
Der eigentliche Umschluss erforderte dann nur ein einfaches Umstecken von kurzen Kabelsegmenten in die Ports dieser Patchdosen – ohne Kabelsalat oder das Risiko von Kabelfehlern, deren Analyse und Behebung zu erheblichen Verzögerungen führen könnte. Auf diese Weise konnten z.B. die PNK in jeweils weniger als einer Stunde komplett portiert werden.
Die nächsten Schritte
Nach dem Abschluss der Arbeiten waren alle Beteiligten zufrieden. Dr. Arndt Glowacki, Leiter der Hafenbetriebe in Marl, bringt es auf den Punkt: „Meine Erwartung an Yokogawa waren hoch – schon aufgrund der Erfahrung in früheren Projekten. Und sie ist nicht enttäuscht worden. Das ist der hohen Qualität des Konzepts und der Vorarbeiten zu verdanken. Vor allem aber spricht das für die hervorragende Zusammenarbeit aller Beteiligten.“
Indessen haben die Planungen für den nächsten Evolutionsschritt der Automatisierung in den Hafenbetrieben bereits begonnen: Ein neues Produktionsmanagementsys-tem soll viele Einzelprozesse der Tanklogistik noch stärker automatisieren und im Sinne von „Best practice“-Prozeduren standardisieren. Mehr Effizienz, etwa eine Steigerung des Umschlagvolumens ohne Mehrbelastung des Betriebspersonals, erwarten die Hafenbetriebe von dieser Maßnahme. Auch sie soll in den Händen von Yokogawa liegen.
* Der Autor arbeitet als Fachjournalist in Mülheim an der Ruhr.
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