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Harmonie im Ex-Bereich

Wie das IECEx-System zur Erfolgsstory wurde

| Autor: Anke Geipel-Kern

Australien ist bei der Harmonisierung im Ex-Schutzbereich der internationale Musterknabe.
Australien ist bei der Harmonisierung im Ex-Schutzbereich der internationale Musterknabe. (Bild: ©DOC RABE Media - stock.adobe.com)

Das IECEx-System schlägt eine Schneise durch den Normungsdschungel. Die Mitarbeit in den Gremien schafft für Anbieter von Ex-Schutzkomponenten echten Mehrwert, weil sie so den Normungsprozess mit beeinflussen können. Immer mehr Hersteller und Länder schließen sich IECEx-System an.

Für Hersteller und Betreiber gleichen die zahlreichen Normen und Richtlinien, die Herstellung und Betrieb von Geräten und Apparaten in explosionsgefährdeten Bereichen regeln, gelegentlich einem wild wuchernden Dschungel. Kaum ist eine Schneise durch die Regelwerke geschlagen, ändert sich eine Norm und die Arbeit beginnt von Neuem.

Harmonisierung ist also gefragt und mit genau diesem Auftrag haben Experten unter dem Dach der International Electrotechnical Commission, kurz IEC, Mitte der 90er-Jahre das IECEx-System geschaffen. Analog zum europäischen Atex-System sollte IECEx die Regeln für den Explosionsschutz weltweit vereinheitlichen und zusammen führen. Um das zu erreichen, treffen sich die Mitglieder des IEC/TC 31 mehrmals jährlich und arbeiten in den Technischen Komitees, Maintenance Teams und Arbeitsgruppen gemeinsam an neuen Standards und Vereinheitlichungen.

Warum sich Gremienarbeit für Hersteller lohnt?

Viel Arbeit sei das, doch für Hersteller lohne sich die Mitarbeit in den Normungsgremien auf jeden Fall, können sie doch auf diese Weise direkt in den Normierungsprozess eingreifen und neue Techniken mit einbringen, betont Otto Walch, der für R. Stahl seit Jahrzehnten im Technischen Komitee 31 mitwirkt.

Die Aufgabe dieses Komitees ist die Harmonisierung aller Normen für technische Betriebsmittel im Ex-Bereich sowohl für Hersteller als auch Betreiber. Auf der so geschaffenen einheitlichen Normenlandschaft erfolgen später die Zertifizierungen der Geräte- und Komponenten der Hersteller. Die technischen Komitees sind also quasi das Herz des IECEx-Systems, dessen Ziel die internationale Vereinheitlichung des Zertifizierungsprozesses im Ex-Bereich ist. Walch gehört übrigens auch zur Chairman’s Advisory Group, ein dem TC 31 zugeordneten Gremium, welches über die Arbeitspakete des Komitees entscheidet.

Otto Walch wirkt für R. Stahl seit Jahrzehnten im Technischen Komitee 31 mit.
Otto Walch wirkt für R. Stahl seit Jahrzehnten im Technischen Komitee 31 mit. (Bild: R. Stahl)

Reisepass für Ex-Schutz-Komponenten

Seit seiner Gründung hat sich das IECEx-System zu einer echten Erfolgsstory entwickelt. Das IECEx-System biete eine umfassende Perspektive auf den Explosionsschutz – und verfolge dabei ein klares Ziel, sagt Walch: Rahmenregelungen sowie Prüfungs- und Zertifizierungspraktiken sollen global einheitlich gestaltet werden. Was dann in einem Land als sicher gilt, wird automatisch auch im Rest der Welt als sicher anerkannt. Der frühere Flickenteppich an Regelungen ist damit Vergangenheit und das Zulassungsprozedere hat sich für die Hersteller sehr vereinfacht. 40 Länder haben sich dem Zertifizierungsschema angeschlossen.

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Weiße Flecken auf der Landkarte gäbe es so gut wie keine mehr, hebt Walch hervor, aber Regionen in denen die TC 31-Normen mit nationalen Abweichungen angewendet werden. Mittelfristig soll das IECEx-Zertifikat zu einer Art Reisepass für ein Ex-Schutz-explosionsgeschütztes Produkt werden, das diesem direkten Zutritt zu allen Märkten verschafft. Ganz am Ziel ist man noch nicht, aber es gibt bereits viele Verbesserungen. Durch die inzwischen weitreichende Anerkennung der Test Reports nach dem IECEx-System sei es nun möglich, ohne zusätzliche Nachprüfungen der Produkte relativ einfach an nationale Zertifikate zu gelangen, erklärt Walch.

Waldenburg als Hot Spot des Normungsgeschehens

Traditionell finden die Konferenzen an wechselnden Orten in aller Welt statt. In diesem Jahr hat der Explosionsschutz-Spezialist R. Stahl als erster Hersteller seit mehreren Jahren überhaupt die Konferenz des IEC/TC 31 ausgerichtet und damit Waldenburg vom 25. März bis zum 5. April 2019 zum Hot Spot des Explosionsschutzes gemacht. Knapp 200 Fachleute tagten in 22 verschiedenen Arbeitsgruppen.

R. Stahl war im März Gastgeber einer zweiwöchigen Konferenz des Technical Committee 31 der International Electrotechnical Commission.
R. Stahl war im März Gastgeber einer zweiwöchigen Konferenz des Technical Committee 31 der International Electrotechnical Commission. (Bild: R. Stahl)

Sie haben an den internationalen Normen weiter gefeilt und diese aktualisiert. Stellvertretend für die lange Arbeitsliste nennt Walch vier für Hersteller wichtige Normen der Serie 60079, an denen das TC 31 gerade mit Hochdruck arbeitet: In Teil 11 der IEC 60079 geht es um das Thema Eigensicherheit in gasexplosionsgefährdeten Bereichen, in Teil 1 um Geräteschutz durch druckfeste Kapselung, in Teil 7 um Geräteschutz durch erhöhte Sicherheit und im Teil 14 um Projektierung, Auswahl und Errichtung elektrischer Anlagen.

Mittlerweile schlägt auch der Trend zur Vernetzung im Rahmen von Industrie-4.0-Projekten auf die Arbeit des Komitees durch. Brandaktuell in doppelter Hinsicht ist deshalb die Frage, wie Hersteller und Betreiber mit den Bedrohungen durch Cyber-Attacken umgehen und wie sich die Implementierung von IT-Sicherheitssystemen auf Einstufung nach SIL auswirkt.

Eine einmal verabschiedete Norm bleibt mehrere Jahre stabil und wird dann erneut überarbeitet und dem Stand der Technik angepasst. „Dieser Zeitraum verschafft dem Hersteller Planungssicherheit”, erklärt Walch. Zwei bis drei Jahre arbeitet das Komitee dann an der Neufassung der Norm und garantiert so, dass neue Techniken und sicherheitsrelevante Erfahrungen mit einfließen können.

Wo sich Atex und IECx unterscheiden

Die Ansätze von Atex und IECx sind sich in vielen Punkten ähnlich. Doch während Atex stets das Gerät oder die Anlage in den Mittelpunkt der Betrachtungen stellt, geht das IECEx-System über diesen klassischen Ansatz hinaus. „In das Sicherheitsversprechen werden außer Produkten auch Prozesse, Institutionen und Personen mit einbezogen“, erklärt Walch. Seit einigen Jahren werden auch Reparaturwerkstätten („IECEx Certified Service Facilities Scheme“) zertifiziert und mittlerweile auch die Prüfung der Kompetenz von Ex-Fachleuten („IECEx Certification of Personnel Competencies“).

Erklärtes Ziel sind leichtere und zuverlässige Standards zur Auswahl qualifizierter Dienstleister für Wartungs- und Reparaturarbeiten, da es längst überall in der Industrie üblich ist, externe Partner für diese Aufgaben heranzuziehen. Im eigenen Haus sind dafür oft gar keine Kapazitäten mehr vorhanden, weiß Walsch durch seine engen Kontakte zu den Betreibern.

Die mittlerweile weltweite Akzeptanz des IECEx-Systems, annähernd 36 000 Zertifikate für Geräte, 2500 für Personen und 16 000 für die Anerkennung der Qualitätssicherung sind Fakten und Zahlen, die für sich selbst und den Erfolg der Harmonisierungsbemühungen sprechen.

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