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Ifat 2016 Wie Abwasser zum Energieträger wird

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Tobias Hüser

Abwasser, Klärgas und Klärschlamm - das sind nur drei Begriffe, die im Zusammenhang mit Energierückgewinnung immer wieder auftauchen. Was hier alles möglich ist, zeigen aktuelle Produkte und Verfahren der Abwasseraufbereitung und Klärschlammbehandlung, die auf der kommenden Ifat vom 30. Mai bis 3. Juni 2016 auf dem Messegelände in München präsentiert werden.

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Die Ifat hat einen zweijährlichen Turnus – die nächste Ausgabe findet vom 30. Mai bis 3. Juni 2016 in München statt.
Die Ifat hat einen zweijährlichen Turnus – die nächste Ausgabe findet vom 30. Mai bis 3. Juni 2016 in München statt.
(Bild: Messe München)

München – Im Abwasser und seinen Aufbereitungsprozessen stecken jede Menge Energie. Zum Beispiel im Klärgas – im Jahr 2014 wurden allein auf den deutschen Kläranlagen 1340 Gigawattstunden Strom aus diesem „Nebenprodukt“ der Klärschlammfaulung gewonnen. Eine Energiemenge, mit der der Strombedarf einer Großstadt wie Frankfurt am Main ein ganzes Jahr lang gedeckt werden könnte. Und das Potenzial ist noch wesentlich größer: Von den über 10.000 Kläranlagen in Deutschland gewannen im letzten Jahr nur 1252 Anlagen Klärgas.

Aber auch in der Temperatur des Abwassers sind bedeutende Energiemengen enthalten. Häusliches, gewerbliches und industrielles Abwasser ist je nach Anwendung und Messpunkt zwischen 10 und 60 °C warm. Über spezielle Wärmetauscher geleitet, kann dieser Energieschatz gehoben werden. Das auf Abwasserreinigung und Schlammbehandlung spezialisierte Maschinenbauunternehmen Huber hat errechnet, dass zum Beispiel die bayerische Landeshauptstadt München theoretisch über 60 % ihres Energiebedarfs aus ihrer eigenen Abwasserwärme decken könnte.

Aus Abwasserwärme Energie gewinnen

Dass die Rückgewinnung von Abwasserwärme im industriellen Umfeld funktioniert, zeigt ein Verfahren, das die Industriepark-Betreiberfirma Pharmaserv im Januar 2015 am Standort Behringwerke in Marburg installierte. Dort wird das Abwasser aus einem Neutralisationsbecken entnommen und in ein neuartiges Wärmetauschersystem eingeleitet. Der physikalische Prozess innerhalb der Wärmepumpe erhöht das Temperaturniveau auf etwa 60 °C - Energie, die anschließend beispielsweise zur Gebäudeheizung zur Verfügung steht. Jetzt, nach Abschluss der Testphase, steht fest, dass auf diesem Weg mehr als sechs Megawattstunden Wärme pro Jahr bereitgestellt werden können. Die endgültige Umsetzung des Projektes ist für 2016 /2017 geplant.

Auf der Ifat 2016 werden diese Systeme, Komponenten und Best-Practice-Beispiele zu sehen sein. „Unsere Aussteller bilden technologisch den gesamten Pfad von der Abwasserbehandlung bis zur Wärmerückgewinnung und Energiegewinnung aus Abwasser ab“, erklärt Silvia Fritscher, Projektleiterin der Ifat. „Darüber hinaus zeigen sie auf ihren Ständen anhand von Best-Practice-Beispielen neue Konzepte für das ‚Kraftwerk Kläranlage‘ auf.“

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