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Lean Management

Wertschöpfungspotenziale in der Verpackungs-Supply-Chain generieren

Wertschöpfungspotenziale in der Verpackungs-Supply-Chain generieren

02.02.2007 | Redakteur: Anke Geipel-Kern

Der Kostendruck in der Pharmaindustrie nimmt stetig zu – Prozess- und Kostenoptimierungen stehen deshalb bei den Unternehmen hoch im Kurs. Immer öfter wird auch der Lieferant in die Wertschöpfungskette miteinbezogen.

Lean Management ist seit 2003 weltweite Leitlinie bei Bausch & Lomb. Kontinuierlich ermittelt das Pharmaunternehmen Optimierungspotenziale, reduziert Kosten und Lagerbestände und minimiert Stillstandzeiten. Prozesse werden strikt auf Wertschöpfung ausgerichtet. Ein Vorgehen, das dem vieler Pharmaunternehmen gleicht und das die Zusammenarbeit mit Lieferanten verändert hat. „Unternehmen benötigen Partner, die eine aktive Rolle in der Wertschöpfung spielen. Kundenfreundlichkeit allein genügt nicht mehr.“ Die Aussage von Marcus Freund, Procurement Director bei Bausch & Lomb Pharma in Berlin, scheint drastisch. Aber ein Blick in die deutsche Industrielandschaft zeigt, dass Service zu dem entscheidenden Wettbewerbsvorteil geworden ist, mit dem sich deutsche Unternehmen international profilieren können. Studien belegen, dass die Profitabilität im Service-Geschäft wesentlich höher und stabiler ist als das Neugeschäft mit Indus-trieprodukten.

Mitwirken statt zuliefern

Ein entscheidendes Wertschöpfungsfeld in der Supply Chain von Pharmaherstellern ist die Verpackungsproduktion. Bausch & Lomb arbeitet hier seit zehn Jahren mit August Faller zusammen. Seit diese 2003 ihr Pharma-Service-Center errichtete, intensivierte sich die Partnerschaft zwischen den beiden Unternehmen kontinuierlich. 50 Prozent des Bedarfs an Sekundärpackmitteln lässt Bausch & Lomb inzwischen dort produzieren.

Die Kernidee des Centers: Der Verpackungshersteller wird zum Systemlieferanten und dadurch zum Wertschöpfungspartner der Pharmaproduzenten. Herzstück ist das KIT-System, das heißt das Produzieren von Faltschachteln, Packungsbeilagen und Haftetiketten sowie deren auftragsbezogene Just-in-Time-Lieferung direkt an die Abpacklinie. „Wir haben unsere Unternehmensentwicklung kontinuierlich darauf ausgerichtet, diesen Packmittelservice komplett aus einer Hand anbieten zu können“, sagt Geschäftsführer Dr. Michael Faller.

Prozesse tunen

„Im Verpackungsprozess ist noch viel an Wertschöpfung zu holen“, bestätigt Marcus Freund. „Entscheidend ist die Prozessintegration des Verpackungszulieferers.“ Und diese würde durch ein Angebot wie dem Pharma-Service-Center realisiert. Im täglichen Austausch zwischen Bausch & Lomb und Faller werden Bestellungen, Termine, Preise und Produktionsabläufe besprochen und geplant. Faller prüft dabei jederzeit Möglichkeiten, u.a. Druckaufträge zusammenzulegen, Formate zu standardisieren und damit deren Anzahl einzudämmen. Die Menge verschiedener Formate von Packungsbeilagen konnte Faller für seinen Kunden beispielsweise auf vier reduzieren. Das zeit- und kostenintensive Umrüsten von Maschinen wird dadurch auf ein Minimum reduziert. Auch in der Entwicklung neuer Verpackungen ist Faller von Beginn an mit dabei. Durch genaue Kenntnis des vorhandenen Maschinenparks beim Pharmaproduzenten und der Wünsche des Marketings kann der Verpackungshersteller Entwürfe frühzeitig auf optimale produktionstechnische und logistische Eigenschaften hin trimmen.

Klein- und Standardauflagen von Bausch & Lomb-Packmitteln werden im Center produziert. Alle Bestandteile – Faltschachteln, Packungsbeilagen, Haftetiketten – werden in der erforderlichen Menge über das KIT-System auf einer Palette kommissioniert und stehen direkt an der Abpacklinie zur Verfügung. Das Lagern der Packmittel sowie ihr gesondertes Zusammenstellen für einzelne Aufträge entfällt damit praktisch.

2007 steht nun ein nächster Schritt der Prozessintegration zwischen dem Pharmahersteller und Faller an. Die IT-Systeme der Prozesspartner werden dabei vernetzt. Druck- und Layoutdaten werden zentral auf einem Server gepflegt, das Bestellwesen wird online organisiert. Fernziel des Projekts: Mit der Online-Bestellung wird direkt der Auftrag für Druck und KIT ausgelöst. Das ist dann ein weiterer erheblicher Zeit- und Produktivitätsgewinn für den Prozessablauf.

Nur billig reicht nicht

„Das Pharma-Service-Center unterstützt unsere Konzentration auf Kernkompetenzen“, fasst Marcus Freund zusammen. „Lean Management bedeutet, dass immer weniger Leute immer mehr Aufgaben haben. Da brauche ich einen Partner, dem ich in Know-how und Proaktivität blind vertrauen kann.“ Und da gelte schlicht und ergreifend die Devise: Je einfacher man es hat, desto besser ist es. Einfach nur billig zu sein und Aufträge korrekt auszuführen genüge als Zuliefererattribute nicht mehr. Komplette Konzepte seien gefragt, die Hand in Hand mit den eigenen Abläufen gehen.

Für Verpackungshersteller wie Faller und sein Pharma-Service-Center wird es darum gehen, Dienstleistungen qualitativ zu erweitern. Marcus Freund denkt hier vor allem an Ideenmanagement, den moderierten Erfahrungsaustausch von Experten aus der Pharma- und Verpackungsbranche. „Das Pharma-Service-Center könnte so zu einer sich ständig weiterentwickelnden Plattform des Know-hows für Pharma-Packaging werden. Davon können alle Prozessbeteiligten nur profitieren.“ Erste Ansätze dazu werden bei Faller derzeit bereits entwickelt.

Statements zum Thema:

Jochen Meier, Leiter Vertrieb/Marketing, August Faller: Pharmaproduktion braucht Flexibilität

„Die Pharmaproduktion braucht Flexibiltät. Für die Verpackungshersteller heißt das, dass sie Systemlieferanten sein müssen. Das war ein Antrieb für die Einrichtung unseres Pharma-Service-Centers und das Angebot des KIT-Systems. Damit wollen wir zum Wertschöpfungspartner der Pharmaindustrie werden und im Rahmen des Verpackungsmanagements Potenziale der Effizienzsteigerung im Prozess erkennen und nutzen. Wir stellen unser Prozess-Know-how als Workflow-Berater, aber auch die entsprechenden Prozesslösungen – wie eben z.B. KIT oder VMI (Vendor Managed Inventory) und andere Systemlösungen – zur Verfügung.“

Marcus Freund, Procurement Director, Bausch & Lomb: Zeitalter der Convenience

„Wir wollen Partner, die ein globales Preisniveau haben. Aber wir wollen Partner, die komplette Konzepte bieten und ihr Geschäft national wie international kennen. Wir müssen Vertrauen in Wissen, Können und Qualität haben. Wir haben das Zeitalter der Convenience: Je einfacher ich es habe, desto besser. Dazu müssen Lieferanten ihre Prozesse integrieren und proaktiv den Workflow managen. Modelle wie das Pharma-Service-Center stellen nahezu das Idealbild dar.“

 

Pharmaproduktion braucht Flexibilität

 

Zeitalter der Convenience

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