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Analyse der Arzneimittelversorgung

Wer ist für Lieferengpässe bei Arzneimitteln verantwortlich?

| Redakteur: Alexander Stark

Bei 529 Arzneimitteln gab es laut einer Übersicht des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm) zuletzt Lieferengpässe. Zwischen Industrie und Krankenkassen ist nun ein Schlagabtausch entbrannt, in dem sich beide Seiten gegenseitig den Schwarzen Peter dafür zuschieben.

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Bei 529 Arzneimitteln gab es laut einer Übersicht des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm) zuletzt Lieferengpässe.
Bei 529 Arzneimitteln gab es laut einer Übersicht des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm) zuletzt Lieferengpässe.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Berlin – Der Verband der Ersatzkassen e.V. (Vdek) hat in einer Analyse den Zusammenhang zwischen Lieferengpässen bei Medikamenten und Rabattverträgen untersucht. Wenig überraschend sieht der Verband die Ursache nicht in den Rabattverträgen: Bei keinem einzigen der nicht lieferbaren Medikamente seien die Arzneimittel-Ausschreibungen der gesetzlichen Krankenkassen der Grund für den Lieferengpass. Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) reagierte umgehend auf die Ergebnisse der Analyse. Dessen Hauptgeschäftsführer Dr. Kai Joachimsen wies auf das Rechtsgutachten „Zehn Jahre Arzneimittel-Rabattverträge“ vom März hin. Darin sei genau das Gegenteil nachgewiesen worden. Nach der „Scharfschaltung“ der Arzneimittel-Rabattverträge im Jahr 2007 sei im rabatt-vertragsgeregelten Markt eine Marktkonzentration eingetreten, die die Arzneimittelversorgung massiv beeinträchtige, so Joachimsen.

Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des Vdek hingegen ist der Auffassung, dass die Rabattverträge der Kassen helfen, Lieferengpässe zu verhindern. Durch die vertraglichen Lieferverpflichtungen erhielten Arzneimittelhersteller eine bessere Planbarkeit, was letztlich die Liefersicherheit und damit die Versorgungssicherheit für die Patienten erhöhe.

Eine Vdek-Analyse ergibt keine Zusammenhänge zwischen Lieferengpässe bei Arzneimitteln und den Ausschreibungen der Krankenkassen.
Eine Vdek-Analyse ergibt keine Zusammenhänge zwischen Lieferengpässe bei Arzneimitteln und den Ausschreibungen der Krankenkassen.
(Bild: Vdek)

Elsner ergänzte, dass ein Lieferengpass nicht immer bedeute, dass für die Patienten keine Medikamente zur Verfügung stünden. Oft gebe es Alternativen zu Präparaten mit einem Lieferengpass. Dennoch bestehe politischer Handlungsbedarf: Lieferengpässe bei Arzneimitteln dürften die Versorgung der Versicherten nicht gefährden, so die Vdek-Vorstandsvorsitzende. Elsner begrüßte zudem den kürzlich bekannt gewordenen Entwurf eines Positionspapiers des CDU-Gesundheitspolitikers Michael Hennrich. Das Papier enthalte einige gute Ansätze, um künftig Lieferengpässen besser vorzubeugen. Darunter den Aufbau einer nationalen Arzneimittelreserve sowie die Ausweitung bzw. Verschärfung der bestehenden Meldepflichten.

Dass der Vdek das Positionspapier begrüßt, sieht Joachimsen grundsätzlich positiv. „Vergessen wurde nur der wichtige Teil, in dem gerade auf den Zusammenhang von Rabattverträgen und Engpässen eingegangen wird und Lösungsansätze gemacht werden“, so Joachimsen. In der Tat brauche man Lösungen für das Problem der Marktkonzentration. Es gelte Anbietervielfalt zu erhalten und Rahmenbedingungen zu schaffen, die mehrere Bieter im deutschen Markt halten. So vermindere man die Abhängigkeit vom Weltmarkt und Ausfällen dort. Nach der Auffassung des BPI sollte es grundsätzlich erst Ausschreibungen geben, wenn mindestens vier Anbieter im Markt sind und wenn die Krankenkasse an mindestens drei Anbieter Zuschläge erteilen müssen, von denen mindestens einer den Standort seiner Produktion in der EU nachweisen muss.

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