IW-Kurzbericht warnt Trump droht mit Pharmazöllen trotz Abhängigkeit von Importen

Von Institut der deutschen Wirtschaft 2 min Lesedauer

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US-Präsident Trump droht mit Importzöllen auf Arzneimittel, obwohl die amerikanische Pharmaproduktion zu 87 Prozent auf ausländische Vorleistungen angewiesen ist. Die Maßnahme könnte zu höheren Medikamentenpreisen führen und steht im direkten Widerspruch zu Trumps Ziel, Arzneimittelpreise per Dekret zu senken.

Importierte Vorprodukte der US-amerikansichen Pharmaproduktion *Sonstige industrielle Vorleistungen respektive Vorprodukte sind definiert als Erzeugnisse des Verarbeitenden Gewerbes exklusive pharmazeutischer und chemischer Erzeugnisse entsprechend der Klassifikation CPA version 2.1. (Bild:  Eurostat, IW)
Importierte Vorprodukte der US-amerikansichen Pharmaproduktion *Sonstige industrielle Vorleistungen respektive Vorprodukte sind definiert als Erzeugnisse des Verarbeitenden Gewerbes exklusive pharmazeutischer und chemischer Erzeugnisse entsprechend der Klassifikation CPA version 2.1.
(Bild: Eurostat, IW)

US-Präsident Donald Trump hat erneut mit Importzöllen auf pharmazeutische Produkte gedroht, obwohl die amerikanische Arzneimittelproduktion massiv von ausländischen Vorleistungen abhängt. Nach einer aktuellen Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) von Jasmina Kirchhoff und Samina Sultan bezieht die US-Pharmaindustrie 87 Prozent ihrer pharmazeutischen Vorprodukte aus dem Ausland – ein Importwert von 35,8 Milliarden Euro.

Das US-Handelsministerium prüft bereits seit April auf Basis des Trade Expansion Acts, ob Arzneimittelimporte die nationale Sicherheit bedrohen. Ein positives Prüfungsergebnis könnte Einfuhrzölle rechtfertigen. Medienberichten zufolge sind Zölle von etwa 25 Prozent im Gespräch.

Europa als wichtigster Lieferant

Besonders stark ist die Verflechtung mit Europa: Mehr als zwei Drittel der pharmazeutischen Vorleistungsimporte stammen vom europäischen Pharmastandort. Allein aus drei Ländern bezieht die USA die Hälfte aller Pharmavorprodukte: Irland (29 Prozent), Schweiz (17 Prozent) und Deutschland (6 Prozent).

Bei einem Gesamtproduktionswert von 296 Milliarden Euro weist die US-Pharmaproduktion zwar eine hohe Wertschöpfungsquote von 65 Prozent auf. Doch gerade bei den spezialisierten pharmazeutischen Vorleistungen sind die Unternehmen auf Importe angewiesen, während andere Vorprodukte stärker aus heimischer Produktion stammen.

Widersprüchliche Wirtschaftspolitik

Die Zolldrohungen stehen im Widerspruch zu Trumps parallel verfolgte Ziele: Per Dekret will der Präsident die Arzneimittelpreise um bis zu 90 Prozent senken und prüft dafür sogar zusätzliche Medikamentenimporte aus anderen Industrieländern. Pharmazölle würden jedoch genau dies erschweren und zu höheren Medikamentenpreisen führen.

Eine kurzfristige Substitution der Importe durch US-Produktion ist unrealistisch. Produktionsverlagerungen dauern Jahre, neue Anlagen sind teuer. Besonders der Aufbau von Generika-Produktion in den USA gilt aufgrund hoher Herstellungskosten als wenig wirtschaftlich – obwohl 90 Prozent der verschriebenen Arzneimittel in den USA Generika sind.

Risiken für beide Seiten

Die angedrohten Maßnahmen setzen nicht nur europäische Pharmastandorte unter Druck, sondern gefährden auch die Medikamentenversorgung amerikanischer Patienten. Die IW-Autorinnen warnen vor einer Entkoppelung der internationalen Lieferketten, die aufgrund komplexer Produktionsabläufe besonders bei Arzneimitteln problematisch wäre.

Die USA importierten 2024 Pharmaprodukte im Wert von 212 Milliarden US-Dollar, wobei erneut europäische Länder dominierten. Eine Eindämmung des Zollkonflikts wäre sowohl für die Patientenversorgung als auch für eine starke Pharmaforschung die bessere Lösung.

IW-Kurzbericht 55/2025: Mit Risiken und Nebenwirkungen

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