Propylenoxid-Anlage Weltweit erste Anlage nach dem HPPO-Verfahren von Evonik/Uhde steht in Korea

Autor / Redakteur: Dipl.-Ing. Hans Jürgen Bittermann / Dr. Jörg Kempf

Das von Evonik Industries, Essen, und Uhde, Dortmund, gemeinsam entwickelte HPPO-Verfahren (Hydrogen Peroxide Propylene Oxide) erzeugt mithilfe eines Evonik-Katalysators aus Propylen und Wasserstoffperoxid die weltweit stark nachgefragte Chemikalie Propylenoxid. Jetzt gibt es die erste Referenzanlage in Korea.

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Im Juli hat die koreanische SKC, Seoul, in Ulsan die weltweit erste großtechnische Anlage zur Herstellung von Propylenoxid nach dem HPPO-Verfahren in Betrieb genommen. Die Anlage mit einem Investitionsvolumen von 200 Milliarden KRW (das sind etwa 126 Millionen Euro) hat eine Kapazität von jährlich 100 000 Tonnen und erhöht die Gesamt-Produktionskapazität von SKC auf 275 000 Tonnen – das entspricht etwa 90 Prozent des nationalen Gesamtbedarfs von Korea. Das Joint Venture Evonik Headwaters liefert in Ulsan das Wasserstoffperoxid (H2O2) quasi ‚über den Zaun’ in die HPPO-Anlage. Die neue Anlage produziert bereits jetzt mit einer Auslastung von 100 Prozent – alle Spezifikationen werden erreicht, auch hinsichtlich der Produktqualität. SKC ist zuversichtlich, bereits gegen Ende des Jahres die Produktivität der Anlage um 20 Prozent verbessern zu können, bis Frühjahr 2009 will man sogar eine 30 Prozent höherer Produktivität erreicht haben – allein durch Verbesserungen bei der Prozesseffizienz, so SKC.

Hohe Nachfrage in Asien

SKC bedient mit Propylenoxid nach dem HPPO-Verfahren den koreanischen Markt und Nachbarstaaten. Propylenoxid ist eine Chemikalie mit weltweit überdurchschnittlichen Wachstumsraten von fünf Prozent, mehr als sechs Millionen Tonnen werden davon jährlich benötigt. Propylenoxid wird vor allem für die Herstellung von Polyurethan-Vorprodukten verwendet. Aus den Polyurethanen entstehen dann beispielsweise Polster für Autositze oder Möbel.

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Dr. Thomas Haeberle, Leiter des Geschäftsbereichs Industrial Chemicals bei Evonik, sieht als wesentlichen Treiber für das globale Wachstum im PO-Markt Asien und dort allen voran China: „In China erwarten wir zehn bis 15 Prozent Wachstum pro Jahr, in Gesamt-Asien sind es jährlich immer noch sechs bis acht Prozent.“

Wirtschaftlich und umweltgerecht

Die Vorteile des HPPO-Verfahrens liegen in einem deutlich niedrigeren Investitionsvolumen. Haeberle beziffert die potentiellen Einsparungen hinsichtlich des Investments „im deutlich zweistelligen Prozentbereich“. Hinzu komme als weiterer Vorteil „das Vermeiden von Koppelprodukten.“

Daher ist die Wirtschaftlichkeit des HPPO-Verfahrens höher als bei dem herkömmlichen Produktionsverfahren für Propylenoxid. Nicht zuletzt ist das HPPO-Verfahren äußerst umweltfreundlich: Es hat eine hohe Ausbeute und außer Wasser entstehen praktisch keine Nebenprodukte. „Gerade unter sich ständig verschärfenden Umweltauflagen ist das innovative und koppelproduktfreie HPPO-Verfahren das Verfahren der Zukunft“, sagt Uhde-Geschäftsführer Helmut Knauthe. Dr. Klaus Engel, im Evonik-Vorstand zuständig für das Geschäftsfeld Chemie, ergänzt: „Evonik geht davon aus, dass wir mit unserer ausgezeichneten technologischen Position und unserem HPPO-Prozess-Know-how am stärksten vom Wachstum im Wasserstoffperoxidmarkt profitieren werden.“

Evonik ist mit der Inbetriebnahme in Korea seinem strategischen Ziel einen bedeutenden Schritt näher gekommen, Wasserstoffperoxid in großen Mengen für chemische Prozesse wie dem HPPO-Verfahren zur Verfügung zu stellen. Klaus Engel: „Durch gezielte Entwicklung neuer Technologien gemeinsam mit bewährten und kompetenten Partnern eröffnen wir einen neuen attraktiven Markt für Wasserstoffperoxid.“ Er erwartet durch die erstmalige großtechnische Anwendung von Wasserstoffperoxid in der chemischen Synthese von Propylenoxid in den kommenden zehn Jahren ein Wachstum des H2O2-Marktes um 200 000 Tonnen pro Jahr. Engel und Knauthe sind sich einig: „Mit der Produktion in Korea ist nun die Referenz für den Bau weiterer Anlagen nach dem HPPO-Verfahren entstanden.“ Evonik ist mit einer Kapazität von mehr als 600 000 Tonnen jährlich weltweit der zweitgrößte Hersteller von Wasserstoffperoxid, das bislang vor allem in der Papier- und Zellstoffbleiche Verwendung findet. Der weltweite jährliche Bedarf für diese klassischen Anwendungen liegt bei mehr als drei Millionen Tonnen.

Unterdessen arbeiten Evonik und Headwaters gemeinsam an einem neuen Verfahren zur Herstellung von Wasserstoffperoxid nach der katalytischen Direktsynthese aus den Elementen. Thomas Haeberle sieht dann zusätzliches Einsatzpotential für Wasserstoffperoxid: „Die Direktsynthese wollen wir bis 2009 kommerzialisieren, um H2O2 auch in weiteren chemischen Verfahren als einen der Ausgangsstoffe zu nutzen. Es gibt bereits heute ein großtechnisches Verfahren zur Herstellung von Caprolactam, das H2O2 als Rohstoff nutzt. Darüber hinaus arbeiten große Produzenten von Epichlorhydrin und Phenol an Verfahren, die H2O2 nutzen. Unser Ziel ist es, umweltfreundlichere und wirtschaftlichere Alternativen zu bestehenden Verfahren zu entwickeln und anzubieten.“

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Der Autor ist redaktioneller Mitarbeiter bei PROCESS. E-Mail: bitpress@t-online.de

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