Lagebericht Welche Rolle das Ukraine- und Russland-Geschäft für BASF und Boehringer Ingelheim spielt

Quelle: dpa

BASF und Boehringer Ingelheim spüren zwar die Auswirkung des russischen Kriegs in der Ukraine und der Sanktionen. Doch gemessen am weltweiten Geschäft haben beide Länder keine allzu große Bedeutung. Dennoch verfolgen die Konzerne die Entwicklung genau.

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(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Mainz/Ludwigshafen/Ingelheim – Die rheinland-pfälzische Industrie ist exportorientiert und daher international eng verflochten. Da bleibt es nicht aus, dass große Player wie BASF und Boehringer Ingelheim die Auswirkungen des russischen Krieges in der Ukraine und der Sanktionen gegen Russland zu spüren bekommen. Die unmittelbaren Folgen halten sich allerdings in einem begrenzten Rahmen, da das Geschäft mit beiden Ländern gemessen an der weltweiten Tätigkeit der drei großen Unternehmen nur eine kleine Rolle spielt. Ein Überblick auf die Lage in den zwei Unternehmen:

BASF

Der weltgrößte Chemiekonzern kann auf eine seit mehr als 145 Jahren bestehende Geschäftsbeziehung mit Russland zurückblicken. Derzeit sind nach Konzernangaben – einschließlich Leihpersonal – rund 700 Mitarbeitende in dem Land tätig. BASF produziert an zwölf Standorten für die Bereiche Landwirtschaft, Gesundheit und Pflege, Automobil- und Bauwirtschaft und Schwerindustrie. Eine große Rolle spielt Russland im weltweiten Geschäft des Chemieriesen nicht: Im vergangenen Jahr betrug der Anteil Russlands am Gesamtumsatz der Gruppe mit ihren insgesamt rund 111.000 Mitarbeitenden ein Prozent.

BASF macht nach eigenen Angaben nur noch Geschäfte in Russland und Belarus, mit denen «bestehende Verpflichtungen im Einklang mit den geltenden Gesetzen, Vorschriften und internationalen Regeln» erfüllt werden. Neue Geschäfte in beiden Ländern werden nicht abgeschlossen, es sei denn, sie dienen der Nahrungsmittelproduktion im Rahmen humanitärer Maßnahmen. Der Konzern will die weitere Entwicklung genau beobachten und diese Entscheidung und andere Aspekte neu bewerten.

In der Ukraine ist die BASF mit zwei Tochterunternehmen mit insgesamt etwa 335 Mitarbeitenden einschließlich Leihpersonal aktiv. Produktionsstätten hat der Konzern hier keine, das Hauptbüro in Kiew und ein Regionalbüro in der westukrainischen Stadt Lwiw wurden geschlossen. Ein Teil der Mitarbeitenden befindet sich noch in der Ukraine, ein anderer Teil hat den Angaben zufolge mit Familienangehörigen die Grenze überquert und wird von BASF-Teams in den Nachbarländern unterstützt.

Exportiert werden Güter in fast allen Industriebereichen. Nach der Landwirtschaft sind die wichtigsten Abnehmerbranchen laut BASF Ernährung, Gesundheit und Pflege, Katalysatoren und Farben. Auf die Ukraine entfielen zuletzt 0,2 Prozent des weltweiten Umsatzes. Für eine verlässliche Bewertung der möglichen Auswirkungen der Sanktionen gegen Russland sei es noch zu früh.

Boehringer Ingelheim

Der weltweit tätige Pharmakonzern mit Hauptsitz in Ingelheim bei Mainz ist seit 1992 in Russland und der Ukraine aktiv. Er hatte zuletzt knapp 690 Mitarbeitende in Russland und 95 weitere in der Ukraine. Produktionsstätten unterhält das Unternehmen in keinem der beiden Länder. Der Anteil des Geschäfts mit den beiden Staaten ist gemessen am Gesamtumsatz gering. Im Russland-Geschäft wurde ein Umsatz von 260 Millionen Euro erwirtschaftet, mit der Ukraine waren es 26 Millionen Euro (Stand Ende 2020). Zum Vergleich: Weltweit erwirtschaftete der Pharmariese im Jahr 2020 gut 19,5 Milliarden Euro Umsatz. Neue Geschäftszahlen will das Unternehmen Anfang April bekannt geben.

Den Löwenanteil im Geschäft mit Russland und der Ukraine machte der Bereich Humanpharma aus. Arzneimittel sind von den Wirtschaftssanktionen gegen Russland ausgenommen. Weitergehende Auswirkungen lassen sich nach Unternehmensangaben aktuell nicht zuverlässig absehen. Darüber hinausgehende Aktivitäten wie beispielsweise klinische Studien in Russland wurden ausgesetzt.

«Wir werden weiterhin mit allen Parteien zusammenzuarbeiten, um die Auswirkungen des Konflikts auf die Versorgung der Patientinnen und Patienten mit Arzneimitteln zu begrenzen», teilte ein Unternehmenssprecher mit. Investitionen seien keine geplant. Das Unternehmen unterstützt nach eigenen Angaben Mitarbeitende aus der Ukraine, die das Land verlassen wollen und können, mit Transport, Unterbringung und Versorgung.

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