ACHEMA 2012-Trendbericht Bioökonomie

Was ist dran an der Bioökonomie?

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...zu den erneuerbaren Rohstoffen schließt sich, und das heißt auf absehbare Zeit nicht Ersatz von Erdöl, sondern Wechselnutzung heterogener Rohstoff-quellen. "Rohstoffe aus Biomasse konkurrieren auch in der Zukunft mit den petrochemischen" fasst Alfred Oberholz, ehemaliger Forschungsvorstand von Evonik Degussa, die Entwicklung zusammen: "Am Ende wird der Wert des C-Atoms am Markt gleich sein, egal ob es aus Biomasse oder aus petrochemischen Rohstoffen gewonnen wurde."

Dezentrale Wertschöpfung beflügelt die Analytik

Ob im Energiesektor, bei Lebens- und Futtermitteln, in der Feinchemie oder bei Clean Technologies, die Wertschöpfungsketten dezentralisieren sich - Biotechnologie hin oder her. Die Verarbeiter rücken in die Nähe der Rohstofflieferanten und Kunden. Globale Unternehmen agieren wie Regionalanbieter, indem sie spezifische Produktlinien aufbauen, während Regionalanbieter den Großen gleich Inhaltsstoffe, Zutaten oder Produktionskomponenten global einkaufen. Damit wird die Wertschöpfung komplexer. Es steigen die Einkaufs- und Lieferrisiken. Wie toxisch ist die spezifische Substanz? Hat der Transportunternehmer ununterbrochen gekühlt? Ist das Silo wirklich wie gefordert vorher gereinigt worden? Ist die Ware unterhalb des behördlichen Schwellenwerts kontaminiert, das hochwertige Fett wirklich in der Lieferung enthalten, und zu welchem Anteil?

Nukleinsäuretests, Massenspektrometer, tragbare Elisa und Fluoreszenzdetektoren schaffen trotz Dezentralisierung und globaler Beschaffung Sicherheit für den Einkauf und die Kunden - nämlich dort wo es um Echtzeitkontrolle von Originalprodukt und der Qualität, um frühe Prävention von Vergiftungsrisiken und um schnelle Entscheidungen zu erschwinglichen Kosten geht. Häufig stützen sich die Tests auf biotechnologische Komponenten in den zu untersuchenden Waren, so etwa beim Auslesen von DNA-Barcodes oder photochromen Pigmenten aus genetisch optimierten Bacteriorhodopsinen, die mit dem Tintenstahldrucker aufgetragen werden, zum Schutz gegen Produktpiraten und Fälscher.

Die fortgeschrittene Analytik befördert ihrerseits die Dezentralisierung der Wertschöpfung. So sind hochsensitive DNA-Tests heute in der Lage, geringste Mengen von GVOs zu detektieren, die wiederum potente Großabnehmer von Lebens- und Futtermitteln dazu veranlassen, ihr Einkaufsverhalten zu ändern. Sie setzen eigene Schwellenwerte unterhalb der behördlich definierten fest. Dabei kommen zunehmend tragbare Messgeräte und Kits, sog. Point-of-Use-Tests, zum Einsatz. Sie ergänzen die klassische Mikrobiologie und Expertise im Großlabor. Darauf reagieren wiederum die Anbieter, indem sie Produkte entlang der Analysemöglichkeiten entwickeln und die bedienten Märkte stärker voneinander entkoppeln. So etwa, wenn Chargen für Zentraleuropa keine oder nur nicht deklarierungsbedürftige GMO-Anteile enthalten, während dies nebensächlich ist für Lieferungen in den Rest der Welt.

Die Karten werden neu gemischt, quer zu bestehenden Zulieferketten, nationalen und Branchenzugehörigkeiten. In globalisierten Wirtschaftsbeziehungen ist der Einsatz biotechnologischer Methoden und Verfahrenstechniken, die kosteneffizient sind und Produkte mit Mehrwert schaffen, nicht aufzuhalten. Freilich, Innovationen tropfen nicht zum Markt. Technologieanbieter können sich nicht darauf verlassen, dass ihre Angebote selbsterklärend sind. Sie müssen sich um ihre Kunden bemühen. Wer aber als potenzieller Kunde wartet, bis der Außendienst mit der Innovation an seiner Türe klopft, der hat schon den Wettbewerb verloren. So brauchen denn beide Seiten – Technologieanbieter und -abnehmer – Plattformen zur gezielten Begegnung und zum persönlichen Gespräch. Die BioBasedWorld at ACHEMA 2012 ist eines der wenigen Foren weltweit, die dies einem Querschnitt der Industrie bietet.

* Dieser Trendbericht wurde von internationalen Fachjournalisten in Auftrag der Dechema zusammengestellt.

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