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Quartalsbericht Wacker bestätigt nach Umsatzsteigerung im 1. Quartal seine Jahresprognose

| Redakteur: Alexander Stark

Wacker Chemie hat im 1. Quartal 2019 den Gesamtumsatz sowohl gegenüber dem Vorjahr als auch im Vergleich zum Vorquartal weiter gesteigert. Wegen des herausfordernden Marktumfelds bei Solarsilicium und der erheblich gestiegenen Energiepreise ist das Ergebnis aber deutlich zurückgegangen.

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Wacker steigert im 1. Quartal 2019 den Umsatz und bestätigt seine Jahresprognose.
Wacker steigert im 1. Quartal 2019 den Umsatz und bestätigt seine Jahresprognose.
(Bild: Wacker)

München – Im Berichtsquartal erwirtschaftete der Münchner Chemiekonzern Umsatzerlöse in Höhe von 1.235,7 Millionen Euro (Q1 2018: 1.217,6 Millionen Euro). Das sind 2 % mehr als im Vorjahr. Ausschlaggebend für diesen Anstieg waren insgesamt höhere Absatzmengen und etwas bessere Preise bei Chemieprodukten. Bei Polysilicium sind die Absatzmengen deutlich gewachsen, die Durchschnittspreise für Solarsilicium waren aber erheblich niedriger als vor einem Jahr. Währungsveränderungen haben die Umsatzentwicklung im Jahresvergleich positiv beeinflusst. Gegenüber dem Vorquartal (1.188,6 Millionen Euro) ist der Umsatz vor allem mengenbedingt um 4 % gewachsen.

Das Unternehmen hat im 1. Quartal 2019 ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in Höhe von 142,0 Millionen Euro erwirtschaftet. Das sind 44 % weniger als im Vorjahr (254,5 Millionen Euro). Zusätzlich zu den deutlich geringeren Durchschnittspreisen für Solarsilicium haben auch höhere Energiepreise sowie der zeitweise Ausfall einer Produktionsanlage für Siliconkautschuk die Ergebnisentwicklung gebremst. Im Vergleich zum Vorquartal (173,3 Millionen Euro) lag der Rückgang bei 18 %. Für die drei Monate Januar bis März 2019 ergibt sich eine Ebitda-Marge von 11,5 % (Vorjahr 20,9  %). Im Vorquartal hatte sie 14,6 % betragen.

Das Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) summiert sich im Berichtsquartal auf 0,1 Millionen Euro (Q1 2018: 121,7 Millionen Euro). Das entspricht einer Ebit-Marge von 0,0 % (Q1 2018: 10,0 %). Neben den bereits genannten Faktoren haben auch die im Jahresvergleich höheren Abschreibungen das EBIT gemindert. Sie stiegen um 7 % auf 141,9 Millionen Euro (Q1 2018: 132,8 Millionen Euro). Hier wirkt sich unter anderem der neue Rechnungslegungsstandard IFRS 16 aus, der die Bilanzierung von Leasingverhältnissen regelt. Das Periodenergebnis des Berichtsquartals summiert sich auf -5,5 Millionen Euro (Q1 2018: 79,1 Millionen Euro) und das Ergebnis je Aktie beläuft sich auf -0,16 € (Q1 2018: 1,52 Euro).

Die Prognose für das Gesamtjahr 2019 bleibt gegenüber dem im Geschäftsbericht 2018 veröffentlichten Ausblick unverändert. Wacker erwartet den Konzernumsatz 2019 weiterhin um einen mittleren einstelligen Prozentsatz höher als im Vorjahr (4.978,8 Millionen Euro). Das Ebitda wird voraussichtlich um 10 bis 20 % unter dem Vorjahreswert (930,0 Millionen Euro) liegen.

Gestiegene Absatzmengen, etwas bessere Preise für Chemieprodukte und anhaltend schwierige Bedingungen auf dem Solarmarkt haben laut Konzernchef Rudolf Staudigl im 1. Quartal 2019 das Geschäft seines Unternehmens geprägt. Abgesehen von dem ungeplanten Anlagenausfall habe sich das Geschäft mit Siliconen anhaltend solide entwickelt. Der Produktmix mit margenstarken Spezialitäten sei weiter von hoher Qualität und hier seien etwas höhere Preise als vor einem Jahr erzielt worden. Bei Polymerprodukten wiederum hat das Unternehmen im abgelaufenen Quartal seine Absatzmengen und den Umsatz weiter ausgebaut. Hinzu kommen bessere Preise. Dagegen stellt das derzeitige Marktumfeld das Geschäft mit Polysilicium vor erhebliche Herausforderungen, so Staudigl weiter. Zwar gingen viele Marktbeobachter davon aus, dass sich das Preisniveau für Solarsilicium im zweiten Halbjahr verbessern wird. Im Berichtsquartal sei von einer solchen Entwicklung jedoch noch nichts zu spüren gewesen. Gleichzeitig hätte sich Strom an den deutschen Standorten binnen Jahresfrist erheblich verteuert. Um dem Preis- und Kostendruck entgegenzuwirken, arbeite der Konzern daran, seine Produktionsprozesse weiter zu optimieren und damit die Kosten zu senken sowie seine Marktanteile im margenstärkeren Geschäft mit qualitativ besonders hochwertigem Polysilicium für Halbleiteranwendungen und monokristalline Solarzellen weiter auszubauen.

Regionen

Im 1. Quartal 2019 hat der Konzern den Umsatz in der Region Amerika gesteigert. Dort wuchsen die Erlöse auf 226,7 Millionen Euro. Das sind 12 % mehr als im Vorjahr (201,7 Millionen Euro). In Asien belief sich der Konzernumsatz im Berichtsquartal auf 432,5 Millionen Euro (Q1 2018: 432,7) und in Europa summierten sich die Erlöse auf 520,7 Millionen Euro (Q1 2018: 520,3 Millionen Euro). Das entspricht jeweils dem Niveau des Vorjahres.

Investitionen und Netto-Cashflow

Die Investitionen des Konzerns beliefen sich im 1. Quartal 2019 auf 97,7 Millionen Euro (Q1 2018: 69,2 Millionen Euro). Das sind 41 % mehr als vor einem Jahr. Die Mittel gingen vor allem in den Ausbau der Kapazitäten für Silicon- und Polymerprodukte.

Der Netto-Cashflow belief sich im 1. Quartal 2019 auf -135,0 Millionen Euro (Q1 2018: 148,7 Millionen Euro). Die wesentlichen Ursachen für diesen Rückgang sind die höheren Investitionen und das gestiegene Working Capital.

Mitarbeiter

Die Zahl der bei Wacker weltweit Beschäftigten ist im Berichtsquartal leicht gewachsen. Zum Stichtag 31. März 2019 waren im Konzern 14.744 (31.12.2018: 14.542) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig. An den Standorten in Deutschland arbeiteten zum Ende des Berichtsquartals 10.428 (31.12.2018: 10.291) Beschäftigte, an den internationalen Standorten waren es 4.316 (31.12.2018: 4.251) Mitarbeiter.

Geschäftsbereiche

Wacker Silicones hat im 1. Quartal 2019 mit 604,9 Millionen Euro einen Gesamtumsatz auf dem Niveau des Vorjahres (605,8 Millionen Euro) erzielt. Leicht höhere Preise für Spezialitäten und Währungsveränderungen haben die Umsatzentwickung positiv beeinflusst. Dagegen waren die Absatzmengen insgesamt etwas niedriger als vor einem Jahr. Im Vergleich zum Vorquartal (605,1 Millionen Euro) blieb der Umsatz des Geschäftsbereichs ebenfalls annähernd konstant. Das Ebitda von Wacker Silicones lag im Berichtsquartal mit 128,1 Millionen Euro um 14 % unter Vorjahr (148,5 Millionen Euro). Ein Hauptgrund für diesen Rückgang war der Ausfall einer Produktionsanlage für hochtemperaturvernetzenden Festsiliconkautschuk. Das hat dazu geführt, dass diese Spezialprodukte zeitweise nicht geliefert werden konnten. Im Vergleich zum Vorquartal (118,1 Millionen Euro) ist das Ebitda um 8 % gewachsen. Die Ebitda-Marge belief sich im 1. Quartal 2019 auf 21,2 % nach 24,5 % im 1. Quartal 2018 und 19,5 % im Vorquartal.

Der Gesamtumsatz von Wacker Polymers liegt im Berichtsquartal mit 323,6 Millionen Euro um 7 % über Vorjahr (301,9 Millionen Euro). Höhere Absatzmengen, bessere Preise und positive Währungseffekte sind die Ursachen für diesen Anstieg. Im Vergleich zum Vorquartal (298,4 Millionen Euro) sind die Erlöse vor allem mengen- und preisbedingt um 8 % gewachsen. Das Ebitda von Wacker Polymers summierte sich im 1. Quartal 2019 auf 44,5 Millionen Euro (Vorjahr 41,9 Millionen Euro). Das sind 6 % mehr als vor einem Jahr. Neben dem höheren Umsatz haben auch Maßnahmen zur Kostensenkung und Effizienzsteigerung das Ebitda positiv beeinflusst. Im Vorjahr hatten zudem höhere Rohstoffpreise die Ergebnisentwicklung gebremst. Im Vergleich zum Vorquartal (26,3 Millionen Euro) ist das Ebitda um 69 % gewachsen. Die Ebitda-Marge lag im 1. Quartal 2019 bei 13,8 % nach 13,9 % im Vorjahr und 8,8 % im Vorquartal.

Wacker Biosolutions erzielte im 1. Quartal 2019 einen Gesamtumsatz von 58,3 Millionen Euro. Das sind 7 % mehr als im Vorjahr (54,3 Millionen Euro) und entspricht dem Niveau des Vorquartals (58,2 Millionen Euro). Besonders gut entwickelt hat sich im Berichtsquartal das Geschäft mit Biopharmazeutika und Acetylaceton. Hier haben höhere Absatzmengen beziehungsweise bessere Preise den Umsatz erhöht. Währungseffekte wirkten sich in Summe ebenfalls positiv auf die Erlöse aus. Das Ebitda von Wacker Biosolutions liegt im Berichtsquartal mit 5,9 Millionen Euro um 42 % unter Vorjahr (10,1 Millionen Euro). Ursachen dafür sind unter anderem die noch bestehende Unterauslastung der neuen Biopharma-Produktion in den Niederlanden sowie höhere Rohstoffpreise. Gegenüber dem Vorquartal (2,0 Millionen Euro), das mit hohen Integrationskosten belastet war, hat sich das Ebitda dagegen fast verdreifacht. Die Ebitda-Marge belief sich auf 10,1 Prozent nach 18,6 Prozent im Vorjahr und 3,4 % im 4. Quartal 2018.

Wacker Polysilicon hat im Berichtsquartal einen Gesamtumsatz von 211,1 Millionen Euro erzielt. Das sind 4 % weniger als im Vorjahr (219,3 Millionen Euro). Die wesentliche Ursache für diesen Rückgang sind die deutlich niedrigeren Durchschnittspreise für Solarsilicium. Die im Jahresvergleich erheblich gestiegenen Absatzmengen konnten das nicht vollständig ausgleichen. Gegenüber dem Vorquartal (188,6 Millionen Euro) ist der Umsatz vor allem mengenbedingt um 12 % gewachsen. Das Ebitda von Wacker Polysilicon belief sich im Berichtsquartal auf -35,8 Millionen Euro. Das sind 84 Millionen Euro weniger als im Vorjahr (48,2 Millionen Euro). Neben dem rückläufigen Umsatz haben auch die erheblich höheren Energiepreise die Ergebnisentwicklung gebremst. Gegenüber dem Vorquartal (-19,2 Millionen Euro) hat sich das Ebitda um rund 17 Millionen Euro verschlechtert. Auch im Quartalsvergleich haben zusätzlich zu den niedrigeren Durchschnittspreisen für Polysilicium und Bestandsabwertungen die gestiegenen Energiepreise das Ebitda gemindert. Um dem Preis- und Kostendruck entgegenzuwirken, arbeitet der Geschäftsbereich daran, seine Produktionsprozesse weiter zu optimieren und die Kosten zu senken sowie seine Marktanteile im margenstärkeren Geschäft mit qualitativ besonders hochwertigem Polysilicium für Halbleiteranwendungen und monokristalline Solarzellen weiter auszubauen. Von Januar bis März 2019 errechnet sich für den Geschäftsbereich eine Ebitda-Marge von -17,0 % nach 22,0 % im 1. Quartal 2018 und -10,2 % im 4. Quartal 2018.

Ausblick 2019

Der Chemiekonzern hat seine Einschätzungen zur voraussichtlichen Entwicklung des Unternehmens im laufenden Jahr im Prognosebericht des Geschäftsberichts 2018 ausführlich dargestellt. Die dort getroffenen Aussagen zu den Erwartungen des Unternehmens haben sich im Berichtszeitraum nicht geändert.

Der Konzernumsatz soll insgesamt um einen mittleren einstelligen Prozentsatz steigen. Das Ebitda wird dagegen um 10 bis 20 % unter Vorjahr liegen. Die Ebitda-Marge erwartet Wacker deutlich unter Vorjahr. Die Investitionen werden bei rund 400 Millionen Euro und damit unter dem Niveau des Vorjahres liegen. Die Abschreibungen belaufen sich auf rund 525 Millionen Euro und sind damit ebenfalls niedriger als im Vorjahr. Beim Konzernjahresüberschuss rechnet das Unternehmen mit einem deutlichen Rückgang. Der Netto-Cashflow soll deutlich positiv sein und deutlich über dem Vorjahr liegen. Die Nettofinanzschulden werden über dem Niveau des Vorjahres erwartet. Hier wirkt sich die erstmalige Anwendung des Rechnungslegungsstandards IFRS 16 aus, der jetzt auch die Einbeziehung der Leasingverbindlichkeiten in die Berechnung der Finanzschulden verlangt.

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