Automatisierung: E+H zieht Bilanz Wachstum im Visier: Endress+Hauser will 2021 wieder zulegen

Redakteur: Dominik Stephan

Prozessautomatisierer Endress+Hauser bleibt trotz Corona-Pandemie auf Kurs: Zwar geht der Umsatz der Gruppe 2020 um 2,8 % zurück, trotzdem glaubt CEO Altendorf 2021 wieder im einstelligen Bereich wachsen zu können. Helfen soll dabei auch die neue Unternehmensstrategie 2027 genauso wie rund 70 neue Produkte in der Pipeline der „People for Process Automation“.

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Eine Visual Support App bringt bei Bedarf den Servicetechniker virtuell auf die Anlagen der Kunden. Selbst Werksabnahmen finden inzwischen videounterstützt aus der Ferne statt.
Eine Visual Support App bringt bei Bedarf den Servicetechniker virtuell auf die Anlagen der Kunden. Selbst Werksabnahmen finden inzwischen videounterstützt aus der Ferne statt.
(Bild: Endress+Hauser)

Basel – Endress+Hauser habe das erste Jahr der Corona-Pandemie „gut bewältigt“, ist sich CEO Matthias Altendorf sicher. Nicht nur, dass trotz eines währungsbedingten Umsatzrückgangs von rund 2,8 Prozent (auf 2,6 Milliarden Euro), die Rendite bei 13,1 Prozent läge, auch habe man keine wesentlichen Investitionen verschieben oder Kunden vertrösten müssen.

Allerdings entwickelten sich einzelne Regionen, Branchen und Segmente stark unterschiedlich: So kamen in China, anders als in Deutschland oder den USA, mit dem Wirtschaftswachstum für E+H auch Umsatzsteigerungen zurück. Damit ist das „Reich der Mitte“ der größte Einzelmarkt des Unternehmens. Zugleich macht sich der im vergangenen Jahrzehnt durch Zukäufe und fokussierte Entwicklungen voran getriebene Ausbau der Laborinstrumentierung und Life-Science-Analytic (eine Lehre aus der Finanzkrise) bezahlt: Während die Prozessmesstechnik schwächelte, konnten Labor-Lösungen kräftig zulegen.

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Ebenfalls stark gefragt waren in Zeiten von Reisebeschränkungen und Homeoffice die digitalen Services und Angebote der Gruppe. So verdoppelte sich die Zahl der registrierten Nutzer der Online-Plattform www.Endress.com während das Online-Geschäft um 39 Prozent wuchs.

Digitale Lösungen gefragt wie nie: Endress.com erlebt Nutzerboom

Im Gegensatz zur Prozessmesstechnik verzeichnete die Laborinstrumentierung ein kräftiges Plus. Zyklische Branchen litten in der Krise, azyklische blieben stabil. „Die breite Abstützung im Markt hat uns geholfen“, erklkärt E+H-CEO Matthias Altendorf.
Im Gegensatz zur Prozessmesstechnik verzeichnete die Laborinstrumentierung ein kräftiges Plus. Zyklische Branchen litten in der Krise, azyklische blieben stabil. „Die breite Abstützung im Markt hat uns geholfen“, erklkärt E+H-CEO Matthias Altendorf.
(Bild: Endress+Hauser)

Die unternehmenseigene Visual-Support App unterstützt Kunden darüber hinaus vor Ort in der Anlage und ermöglicht Support bis zur videounterstützten Werksabnahme, so Altendorfer. Durch die gute vergleichsweise gute wirtschaftliche Entwicklung (Die Umsatzverluste erklären sich hauptsächlich durch Wechselkursentwicklungen) habe man alle wesentlichen großen Investitionsprojekte weiterführen können. So wurden 205,9 Millionen Euro (10,9 Prozent weniger als im Vorjahr) vor allem in die Produktion gesteckt, wobei die größten Projekte der Ausbau der der Werke im deutschen Maulburg und im schweizerischen Reinach (beide in der Region Basel). Erweitert werden auch die Standorte Gerlingen und Waldheim/Sachsen in Deutschland sowie Aurangabad in Indien.

Satte 195,1 Millionen Euro gab das Unternehmen für Forschung und Entwicklung aus – das entspricht 7,6 Prozent des Umsatzes. Mit 276 Patetanmeldungen konnte allerdings das extrem hohe Vorjahresniveau nicht gehalten werden – 2019 waren es noch 318. Für CEO Altendorf zeigt sich hier der Nachteil des Homeoffice: „Die Menschen sind kreativer, wenn sie sich gegenseitig inspirieren und kollaborativ nach Lösungen suchen.“

Neu für 2021: Über 70 Produkte in der Pipeline

Trotzdem: Vergangenes Jahr versprach Endress+Hauser „so viele Produktneuheiten, wie noch nie“. 2021 stehen satte 74 Neuentwicklungen in der Pipeline, darunter Highlights wie die zweite Generation der Memosens-Geräteserie und die Cerabar/Deltabar-Drucktransmitter mit Bluetooth-Anbindung.

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„Die Aussichten sind weiter von Unsicherheit geprägt“, betonte Firmenchef Matthias Altendorf. Neben weiteren Pandemiewellen und neuen Virusvarianten bereite die Lieferkette der gesamten Industrie weiterhin Sorgen. Endress+Hauser erhöht deshalb die Vorräte und stärkt das Lieferanten-Netzwerk. In China und Deutschland wurden zudem neue, leistungsfähige Logistikzentren in Betrieb genommen. Und: Die Sensoren fahren jetzt Zug. Seit 2020 nutzt die Gruppe für Transporte zwischen sein und Europa auch den Landweg über die Transsibirische Eisenbahn., um Anwendern in Labor und Prozess auch weiterhin ein verlässlicher Partner zu sein.

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