Stromerzeugung Virtuelles Kraftwerk im Harz erfolgreich getestet

Autor / Redakteur: Jürgen Schreier / Dipl.-Medienwirt (FH) Matthias Back

Mit der Energiewende ändern sich die Anforderungen an Kraftwerke und ihre Leitwarten. Ein im Harz erprobtes virtuelles Kraftwerk kann Mess- und Zählerdaten in Echtzeit erfassen, anhand von Erzeugungs- und Lastprognosen Fahrpläne für die Energieversorgung automatisch erstellen und mit dem Strom an Energiemärkten handeln.

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Der Windpark Druiberg bei Dardesheim ist mit 150 MW der größte Stromproduzent im virtuellen Kraftwerk der Regenerativen Modellregion Harz.
Der Windpark Druiberg bei Dardesheim ist mit 150 MW der größte Stromproduzent im virtuellen Kraftwerk der Regenerativen Modellregion Harz.
(Bild: Windpark-Druiberg.de)

„Die Energiewende und die damit verbundene Umstellung auf eine Stromerzeugung, die ohne Kohlenstoff auskommt, ist eine der zentralen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts", erklärte der neue Leiter des Fraunhofer-Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik IWES in Kassel, Prof. Dr. Clemens Hoffmann, bei einem Pressegespräch im Vorfeld des vom IWES veranstalteten 17. Kasseler Symposiums Energie-Systemtechnik.

„Ihre Umsetzung ist eine große technische und ökonomische Aufgabe von volkswirtschaftlicher Dimension". Sie sei nur zu lösen, so Hoffmann, wenn die installierten erneuerbaren Energien am Ende auch gemeinsam gesteuert und vermarktet würden. Der Landkreis Harz sei ein ermutigendes Beispiel, wie dieses Ziel erreicht werden könne.

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Regeneratives Kombikraftwerk und sein Leitstand funktionieren im Alltag

„Wir haben im Landkreis Harz den technischen Beweis erbracht, dass ein regeneratives Kombikraftwerk mit erneuerbaren Energien und sein Leitstand im Alltag funktionieren und dass sich diese Technologie als Motor der Energiewende herauskristallisiert", stellte der stellvertretende Leiter des Fraunhofer IWES, Dr. Kurt Rohrig, fest. „Unsere Feldversuche haben einmal mehr gezeigt, dass die Energiewende vor Ort umgesetzt werden muss", betonte Rohrig. Was die Produktion und Verteilung angehe seien die erneuerbaren Energien schon weit ausgereift. „Jetzt müssen wir Wege finden, um sie unabhängig vom Erneuerbare-Energien-Gesetz in den Markt zu bringen."

Anders als herkömmliche, auf eine einzige Energiequelle zugeschnittene Kraftwerke ist das virtuelle Kraftwerk eine Softwareplattform, auf der unterschiedliche regenerative Energieerzeuger, Energiespeicher und Verbraucher miteinander vernetzt, überwacht und koordiniert werden. „Es ist der Dreh- und Angelpunkt für die dezentrale Energieversorgung von morgen", beschreibt Projektleiter Florian Schlögl die Bedeutung dieses Kraftwerkskonzepts.

Virtuelles Kraftwerk schafft Versorgungssicherheit und vermarktet den Strom zeitnah

Im Landkreis Harz wurden im Rahmen der E-Energy-Initiative des Bundes in einem solchen Kraftwerk unter anderem Windparks, Photovoltaik-Anlagen sowie Biogasanlagen über das Internet zusammen geführt. Als simulierte Speicher wurden zudem ein Pumpspeicherkraftwerk und Elektrofahrzeuge dazu geschaltet. 43 Haushalte wurden mit intelligenten Zählern, so genannten Smart Metern, ausgestattet und in den Versuch einbezogen.

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