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Aus dem Leben eines Auditors

Und die Affen rasen durch den Wald....

| Autor/ Redakteur: Karl Metzger / Anke Geipel-Kern

Affen genießen in Indien nicht das gleiche hohe Ansehen wie die im Straßenbild allgegenwärtigen Kühe.und schon gar nicht, wenn sich die Tiere einen Pharmawirkstoffbetrieb als Spielplatz ausgesucht haben. Die Verantwortlichen greifen dann auch schon mal zu rabiateren Mitteln. Das zeigt ein neues Erlebnis unseres weitgereisten Kolumnisten Karl Metzger.

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Unser Kolumnist Karl Metzger, Geschäftsführer Gmplan, berichtet dieses Mal über seine Erlebnisse in einem indischen Wirkstoffbetrieb.
Unser Kolumnist Karl Metzger, Geschäftsführer Gmplan, berichtet dieses Mal über seine Erlebnisse in einem indischen Wirkstoffbetrieb.
( Bild: Gmplan )

Wer jemals versucht hat, eine Genehmigung für Bau und Inbetriebnahme einer neuen Herstellungsstätte zu bekommen, weiß um den Spagat, die Anforderungen von Produkt-/Verbraucherschutz auf der einen und Arbeitssicherheit/Umweltschutz auf der anderen Seite unter einen Hut zu bekommen. Während es den Experten der einen Seite egal erscheint, ob der Mitarbeiter tot umfällt, solange gewährleistet ist, dass dessen Kadaver nicht ins Produkt fallen kann, sorgen sich die Sachverständigen der Gegenseite um das Wohlbefinden jedes noch so lästigen Wildkrautes.

So sind Konflikte vorprogrammiert und Lösungen gefragt. Bei meiner ersten Indien-Reise erlebte ich einen Umgang mit der Natur, der nicht zur Nachahmung empfohlen werden kann. Wir besuchten damals einen integrierten Arzneimittelhersteller in Gujarat. Nach knapp einer Stunde Fahrt durch die karge Landschaft verließen wir den Highway und fuhren durch ein kleines Dorf in ein dicht bewachsenes Waldstück. Überall tummelten sich Affen. Etwas tiefer im Dickicht lagen die beiden jeweils mehrere Hektar großen Areale für die Herstellung von Wirkstoffen und Arzneimitteln. Eine Mauer trennte die beiden direkt benachbarten Sites voneinander.

Zum Wald hin war die API-Manufaktur durch einen mehrere Meter hohen Drahtzaun vor unbefugtem Betreten geschützt – vermeintlich. Denn die einheimischen Makaken hatten die Randbereiche des Firmengeländes annektiert und nutzten die Installationen als Spielplatz. Was auf den ersten Blick recht putzig erschien, entpuppte sich als ernsthaftes Problem.

Die Tiere tollten mit Vorliebe auf den Rohrbrücken herum, über welche die einzelnen Betriebe auf dem Gelände mit Wasser, Lösungsmitteln und sonstigen Medien versorgt werden. Mit Freude bedienten sie von Zeit zu Zeit die dort angebrachten Ventile. Da sich unsere tierischen Verwandten den Mitarbeiterschulungen verweigerten und auch die SOPs ignorierten, stellte das im betrieblichen Alltag eine wirkliche Herausforderung hinsichtlich Produkt-/Verbraucherschutz sowie Arbeitssicherheit/Umweltschutz dar.

Leider ist die Lobby des Affen im Allgemeinen in Indien nicht vergleichbar mit jener der dort herumtrottenden Rindviecher – vom Standing des Wachtelkönigs in Hamburg ganz zu schweigen. Als ich nach ein paar Jahren wieder in den besagten Wald kam, waren die Bäume um den Werkszaun weiträumig entfernt. Die Szenerie erinnerte sehr an die innerdeutsche Grenze in den 1980-er Jahren, nur die Wachtürme fehlten. Während sich außerhalb noch zahlreiche Affen tummelten, war das Werksgelände (atomw)affenfreie Zone.

Bei meines mehrtägigen Besuchs im vorigen Jahr habe ich übrigens in der ganzen Umgebung keinen einzigen Affen mehr gesehen.

* Der Autor ist Geschäftsführer von Gmplan

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