Pharmaanlagen

So machen modulare Konzepte Pharmaanlagen flexibler

Seite: 2/2

Firmen zum Thema

PharmaTEC: Wo sehen Sie derzeit die technologischen Herausforderungen?

Treitel: Bei hochpotenten Produkten im Bereich feste Pharmazeutika spielen nach wie vor Aspekte wie das Containment eine große Rolle. Bei der Flüssigabfüllung sehen wir einen Trend zu Hochleistungsmaschinen und zu flexiblen Produktionsplattformen, mit denen sich verschiedene Glascontainer verarbeiten lassen. Insbesondere bei neuen hochwirksamen Produkten geht der Trend zu kleinen Chargen. Daher rückt der Aspekt der Dosiergenauigkeit in den Vordergrund. Produktverluste müssen gegen Null gehen. Wir bieten verschiedene Füllsysteme an, z.B. unsere Kombifüllstation, um die optimale Abfülltechnologie für das jeweilige Produkt zu finden. Aufgrund der steigenden Anforderungen an die Produktqualität wird die Inspektionstechnologie weiterhin eine entscheidende Rolle spielen.

PharmaTEC: Sie haben in den vergangenen Jahren Ihr Angebot durch Zukäufe vervollständigt. Wie weit ist die Integration von z.B. Eisai Machinery in die Bosch-Gruppe?

Harbauer: Die Integration läuft reibungslos. Die Firmen Manesty (heute Bosch Packaging Technology Ltd.) und Hüttlin GmbH, die seit 2011 zu uns gehören, sind längst Teil von Bosch geworden. Hier nutzen wir z.B. die Synergien im Vertrieb. Bei Eisai Machinery sind wir mitten im Integrationsprozess. Historisch bedingt ist die Inspektionstechnologie von Eisai Machinery seit langem ein fester Bestandteil unserer Maschinen, daher ist die Integration in vielen Aspekten einfach.

Bildergalerie

PharmaTEC: Welche Bereiche fehlen noch?

Treitel: Sowohl im Bereich der festen Darreichungsformen als auch bei den sterilen flüssigen Pharmazeutika konnten wir durch eigene Entwicklungen und Zukäufe wesentliche Technologielücken schließen. Wir setzen konsequent unseren One Stop Shopping-Ansatz um, mit dem wir unseren Kunden ein technologisch ausgereiftes und attraktives Portfolio über wesentliche Schritte des Produktionsprozesses bieten. Bei den festen Darreichungsformen können wir mischen und granulieren, Tabletten pressen und coaten sowie Kapseln abfüllen. Im Flüssigbereich schließen sich ebenfalls die Lücken. Da wären die Biotechnologie-, Ansatz- und CIP/SIP-Systeme von Pharmatec aus Dresden, die SBM-Sterilisationsanlagen aus Ternitz, die Füll- und Verschließsysteme aus Crailsheim, sowie die Inspektionstechnologie zu nennen.

PharmaTEC: Inwiefern profitieren Ihre Kunden, wenn alles aus einer Hand stammt?

Treitel: Wenn man ein Fazit aus den vergangenen Jahren ziehen kann, ist es, dass wir Linienintegration zum Wohle unserer Kunden beherrschen. Der Kunde weiß: Wir setzen auf harmonisierte Anlagenkonzepte und übernehmen die Verantwortung für das Schnittstellenmanagement. Dabei geht es nicht nur um die mechanischen Schnittstellen, sondern auch um den großen Komplex der Bedienoberflächen.

Auf der Achema haben Sie die Zusammenarbeit mit Sartorius Stedim Biotech auf dem Gebiet der Single-Use-Abfülltechnik „Prevas“ bekannt gegeben. Wie läuft diese Zusammenarbeit?

Harbauer: Das ist eine sehr enge Partnerschaft, und wir setzen gerade jede Menge gemeinsame Marketingaktivitäten in Gang. Um es salopp zu formulieren: Unser Prevas-System ist von der Marktakzeptanz ein Renner. Unsere Kunden bestätigen uns, dass es das einzige durchgehend konzipierte und validierte System am Markt ist.

Freissmuth: Fest steht, dass Single-Use-Systeme einfacher und flexibler sind und dies zu den eingangs erwähnten Anforderungen des Marktes in Bezug auf kleine flexible Produktionen hervorragend passt.

PharmaTEC: Wo liegen Ihre technologischen Schwerpunkte in diesem Jahr?

Treitel: Bei der Inspektionstechnologie, einem der Wachstumsmärkte der Zukunft, wollen wir wesentliche Weiterentwicklungen realisieren. Zur Inspektionstechnologie zählen wir nicht nur kamerabasierte Verfahren, sondern auch Technologien wie die Röntgeninspektionstechnologie, die wir auf der Achema für Kapseln vorgestellt haben.

Freissmuth: Wir versuchen, mehr und mehr modulare Gedanken in unseren Anlagen umzusetzen. Ziel ist es, Plattformen zu entwickeln, auf denen unsere Kunden unterschiedliche Produktanwendungen realisieren können, indem Module zugeschaltet werden können. Beispielsweise müssen unsere Kunden in der galenischen Entwicklung bei einem Produktwechsel nicht unbedingt eine neue Kapselfüllmaschine erwerben, sondern sie können dies über Module oder Zusatzfunktionen auf einer entsprechenden Maschinenplattform – ähnlich wie bei Lego – erreichen.

Herr Freissmuth, Herr Treitel, Herr Harbauer, wir danken Ihnen für das Gespräch.

* Das Gespräch führte Dipl.-Ing. Sabine Mühlenkamp, freie Mitarbeiterin bei PharmaTEC. E-Mail-Kontakt: redaktion@process.de

(ID:37769930)