Kreislaufwirtschaft So lassen sich Carbon-Bauteile nachhaltig recyceln

Redakteur: Alexander Stark

Mithilfe einer neuen Technologiekette für energieeffizientes Recycling können Carbon-Bauteile künftig in einen geschlossenen werkstofflichen Kreislauf rückgeführt werden. Gemeinsam mit Global Enertec entwickeln Wissenschaftler der BTU Cottbus-Senftenberg hierfür eine Pilot-Anlage in Guben.

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Prof. Dr.-Ing. Holger Seidlitz (re.) und Jonas Krenz arbeiten gemeinsam mit Global Enertec an einer neuen, energieeffizienten Recycling-Technologiekette für Carbon-Bauteile.
Prof. Dr.-Ing. Holger Seidlitz (re.) und Jonas Krenz arbeiten gemeinsam mit Global Enertec an einer neuen, energieeffizienten Recycling-Technologiekette für Carbon-Bauteile.
(Bild: Sebastian Rau)

Cottbus – Von Windraftanlagen und Fahrzeugen über Segelboote bis hin zu Fahrrädern, Snowboards und Rollatoren – Bauteile aus carbon-faserverstärktem Kunststoff (kurz: CFK) werden vielseitig eingesetzt. Sie sind ultraleicht, hochfest und extrem steif zugleich.

Mit der geplanten Pilotanlage entsteht in Guben die weltweit erste thermokatalytische Entgasungsanlage für CFK-Abfälle. Daran arbeiten die Wissenschaftler um Prof. Dr.-Ing. Holger Seidlitz im Fachgebiet Polymerbasierter Leichtbau gemeinsam mit Global Enertec. „Unser Ziel ist es, dem Unternehmen den Weg in den Markt des Carbon-Bauteil-Recyclings zu ebnen“, so Prof. Holger Seidlitz. „Neben der lukrativen Abfallrücknahme soll das Verfahren den Vertrieb recycelter Fasern an Compoundeure für die Wiederverwendung ermöglichen und dem Unternehmen somit ein neues Geschäftsfeld eröffnen.“ Nach erfolgreicher Prozess- und Anlagenoptimierung ist ein globaler Vertrieb der Anlagentechnologie geplant.

Durch den breiten Einsatz von Faserverbund-Bauteilen in den unterschiedlichsten Branchen ist heute, aber auch künftig von einem steigenden Abfallaufkommen auszugehen. Dieser Aufgabe stellen sich die Projektpartner. „Eine wesentliche Herausforderung beim Recycling von CFK-Bauteilen ist es, die für die Folge-Anwendung nötige Qualität zu gewährleisten und insbesondere Abweichungen der mechanischen Eigenschaften zu reduzieren“, sagt Jonas Krenz. „Wir prüfen in unseren Laboren die zurückgewonnenen Fasern auf Schädigungen. Uns interessiert der Zusammenhang zwischen Schädigungsgrad und mechanischen Eigenschaften der künftigen Recycling-Bauteile.“

Ziel von Global Enertec ist es, neben der Vermarktung der Recycling-Fasern die Energieeffizienz beim Entgasungsprozess durch den Einsatz von Katalysatoren zu steigern. Aus diese Weise können Faserschädigungen von vorn herein minimiert werden. Das Unternehmen ist ein etablierter Verfahrens- und Anlagenentwickler für energieeffiziente Recycling-Prozesse. Es vertreibt das in Guben entwickelte thermokatalytische Entgasungsverfahren und die notwendigen Anlagen weltweit. Bisher wurden ähnliche Recycling-Strategien für das Reifen- und Gurtband-Recycling der regionalen Braunkohletagebaue angewandt. Die Pilotanlage in Guben wird nun für das Recycling von Carbon-Bauteilen umgebaut und der werkstoffgerechte Recycling-Prozess erforscht.

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